Nachrichten vom 16.03.2012

Massenkundgebung

So viele Beschäftigte wie schon lange nicht mehr beteiligten sich letzten Freitag am Warnstreik des öffentlichen Dienstes. 1.400 Streikende aus dem ganzen Sendegebiet kamen zu einer großen und bunten Demonstration auf den Reutlinger Marktplatz. Sie fordern 6,5 Prozent mehr Geld, aber auch mehr Respekt und Anerkennung von den Arbeitgebern. Die Reallöhne im öffentlichen Dienst sinken seit Jahren bei steigenden Kosten, so eine Verdi-Vertreterin. Erstmals waren auch Mitarbeiter der Diakonie an einem Warnstreik beteiligt. Ihre frohe Plakat-Botschaft lautete:“ Engel brauchen nicht mehr Lohn – wir schon.“ Auch die Sparkässler von der Tübinger Kreissparkasse gehören eher selten zu den Streikenden. Ihr Personalratsvorsitzender verkündete, dass ein ausgelernter Bankkaufmann mit seinem Bruttogehalt nach der Lehre in der eigenen Bank nicht kreditwürdig wäre. Die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes scheinen in dieser Tarifrunde entschlossen, für ein echtes Gehaltsplus zu kämpfen.

Besser spät als nie

Am Montag beschloss tübingens Gemeinderat, die Bauruine an der Blauen Brücke abzureißen und ein Hotel auf dem Gelände zu errichten. Der Abriss beginnt im Sommer und kostet die Stadt rund 500.000 Euro. Ein Investor für die neue Immobilie wird noch gesucht. Im Jahr 1998 hatte der Leiter einer privaten Musikschule damit begonnen, das Gelände mit einem Kulturzentrum zu bebauen. 2001 ging ihm das Geld aus, seitdem gilt der Rohbau als Schandfleck Tübingens. Durch das geplante Hotel soll der Stadteingang wieder attraktiv gestaltet und das Steinlachufer aufgewertet werden. Für das Hotel wurden 95 Zimmer veranschlagt, die mit einem Preis von rund 50 Euro pro Nacht deutlich unter den Durchschnittspreisen der Gegend liegen. Sie sollen mehr Tagestouristen nach Tübingen locken.

Biotech-Ausbau

Auf der Oberen Viehweide in Tübingen entsteht ein zweites Technologiegebäude. Ministerpräsident Kretschmann versprach, dass die L-Bank der Landesregierung die Finanzierung des Baus übernimmt. Die Nachfrage von Gründerfirmen nach Labors und Büros ist in den letzten Jahren unverändert stark. Das erste Gebäude ist mit 18 Firmen voll belegt. OB Palmer überzeugte Kretschmann von der Notwendigkeit des Baus, da die Stadt Tübingen von Gründerfirmen profitiere. Palmer erhielt zudem Unterstützung durch den milliardenschweren Unternehmer Dietmar Hopp. Er investierte 800 Millionen Euro in 16 Biotech-Firmen, von denen zwei in Tübingen ansässig sind. Wie teuer die Finanzierung des Gebäudes wird ist noch nicht klar. Kretschmann möchte sich nach eigener Aussage „intensiv darum kümmern“, dass das Land mehr als die bisher bereitgestellten 4 Millionen Euro zur Verfügung stellt.

Stadtputzete

Letzte Woche war Stadtputzete in Reutlingen. An 17 Stellen im Stadtgebiet waren rund 3000 Helfer im Einsatz, die Hälfte davon Kinder und Jugendliche. Außer Organisationen wie Schulen, Kindergärten und Vereinen fanden sich auch engagierte Familien ein. Ein bis zwei Müllfahrzeuge voll Abfall sammeln die Helfer alle Jahre wieder ein. Eine Menge Flaschen fanden die Kinder vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland . „Das macht ihnen mehr Spass als Zimmer aufräumen.“ bemerkte Sabine Merkens vom BUND. Sie hofft, dass die Kinder dadurch ein bleibendes Verantwortungsbewußtsein entwickeln. Zur Belohnung gab es für diesmal ein Mittagessen bei den Technischen Betriebsdiensten und viel Spass mit einer Hüpfburg.

Entscheidung in der Luft

In Kusterdingen könnte nach Plänen des Bürgermeisters Jürgen Soltau bereits in einigen Jahren eine Windkraftanlage entstehen. Soltau sieht in der Anlage die Chance regenerativer Versorgung. Bisher kennzeichnete der Regionalverband Neckar-Alb die Gebiete der Gemeinde als Ausschlussgebiete für Rotoren. Gründe waren der Umweltschutz und der Mindestabstand von 700 Metern zum Ort. Bis Oktober 2012 soll die Gemeinde Vorschläge machen, welche Gebiete nun doch zum Bau der Windräder in Fragen kommen. Nach der Erstellung eines Flächennutzungsplanes soll dann der Genehmigungsprozess beginnen. Frühestens 2015 kann mit dem Bau begonnen werden. Wie die 2 bis 3 Millionen Euro für die Anlage finanziert werden sollen ist noch unklar. Neben Geldern von Investoren wäre laut Soltau auch eine Beteiligung der Bürger möglich. Diese äußerten bei einem Infoabend mit dem Chef der Tübinger Agentur für Klimaschutz Hamm ihre Bedenken zur Windanlage. Ängste wie Lärmbelästigung oder Eiswurf durch die Rotorblätter versuchte Hamm auszuräumen.

Ehrung für Laura Schradin

Zum 75 Todestag von Laura Schradin legten Vertreterinnen der Laura-Schradin-Schule, der SPD, des Forums Reutlinger Frauengruppen, der Frauengeschichtswerkstatt und der Arbeiter Wohlfahrt Blumen an ihrem Grab nieder. Laura Schradin setzte sich für das Frauenwahlrecht, die Gleichberechtigung und den Kinderschutz ein. Sie war Pazifistin, unterstützte jedoch während des ersten Weltkrieges mit ihren „Kriegsflickwerkstätten“ Arbeiterinnen durch höhere Löhne. Nach dem 1. Weltkrieg wurde sie Abgeordnete der verfassunggebenden Versammlung und anschließend Abgeordnete im Landtag. Zudem saß sie im Reutlinger Gemeinderat und war Mitbegründerin der Arbeiterwohlfahrt. 1935 legte sie sich noch mit den braunen Machthabern an. An ihrem Todestag wurde nun auch eine posthume Ehrenbürgerschaft vorgeschlagen.

Aufruf zum Mitdenken

Ab sofort sind Bildungsinstitutionen, -projekte und -initiativen aufgerufen, sich bis zum 2. April beim bundesweiten Wettbewerb “Ideen für die Bildungsrepublik” zu bewerben. Darauf weist der Reutlinger CDU-Bundestagsabgeordnete Ernst-Reinhard Beck in einer Pressemitteilung hin. Ziel des Wettbewerbs ist es, Projekte auszuzeichnen, die sich in vorbildlicher Weise für Bildungsgerechtigkeit einsetzen. Durch den Wettbewerb soll das Augenmerk auf bereits bestehendes gesellschaftliches Engagement gelenkt werden. Eine Jury von Bildungsexperten wählt 52 der besten “Bildungsideen” aus. Schirmherrin ist Bundesbildungsministerin Professor Dr. Annette Schavan. Ab September werden ausgewählte Bildungsideen Woche für Woche bei einer individuellen Preisverleihung ausgezeichnet.

Sommerkurse für Imame

Das Tübinger Islamzentrum erweitert sein Angebot. Dazu zählen ab August Intensivkurse zur Weiterbildung für in Deutschland arbeitender Imame. In Tübingen laufen die wissenschaftlich-theologischen Kurse. Zum Wintersemester gibt es weitere Veränderungen: Lehramtsstudenten können dann Islamische Religion als Beifach studieren. Dies ermöglicht dann islamischen Religionsunterricht an einzelnen Gymnasien in Baden-Württemberg. Außerdem kommt zum Wintersemester die bundesweit erste islamische Theologie-Professorin ans Islamzentrum. Die gebürtige Mazedonierin Lejla Demiri hat christliche und islamische Theologie studiert. Sie übernimmt eine Professur für islamische Glaubenslehre.

Doppel-Abi

In der kommenden Woche ist das schriftliche Abi in Baden- Württemberg. Im Kreis Reutlingen sind es 915 Schüler aus den fünf allgemeinbildenden Gymnasien. Die letzten Prüflinge des neunjährigen und die ersten des achtjährigen Gymnasiums haben dieses Jahr gemeinsam ihre Abiturprüfungen. Im Vorfeld stellte die Stadt Reutlingen Gelder für Bücher zur Verfügung. Allerdings werden diese nach dem Doppeljahrgang 2012 nicht mehr benötigt.

Bilinguale Schulprogramme

Die Hügelschule möchte ihr bilinguales Schulprogramm fortsetzen. Seit vier Jahren bietet sie einen Bildungszug an, der den Unterricht auf Deutsch und Englisch vereint. Das wirkt sich bei einer Schülerschaft, die aus mehr als 50% Migrantenkindern besteht, integrativ aus. Das Carlo-Schmid-Gymnasium möchte nun ab dem folgenden Jahr einen speziellen bilingualen Englisch-Zug anbieten. Vom zuständigen Staatssekretär kamen positive Signale. Die bilingualen Unterrichtskonzepte werden in Tübingen bereits seit acht Jahren angeboten. Begonnen hatte damit eine Elterninitiative im Kinderhaus Französische Allee. Die Verfechter des Ansatzes können sich eine zweisprachige englisch-deutsche Bildung vom Kindergarten bis zum Abi vorstellen. Ein solcher Modellversuch wäre einmalig im Land. Auch die Stadt Tübingen steht hinter den Versuchen und für die 24 Plätze im Modellversuch an der Hügelschule gab es mehr als 50 Anmeldungen. Begonnen wird mit dem zweisprachigen Unterricht von Naturwissenschaften.

Aufgetafelt

Vor etwa fünf Jahren gründeten Schüler am Gymnasium St. Meinrad Rottenburg eine Initiative. Unter dem Slogan „Kaufe 2 – spende 1“ sammeln sie für die Rottenburger Tafel, die Lebensmittel an Bedürftige verteilt. Dafür bekommen sie allerhand frische Ware, aber zu wenig verpackte Sachen mit Haltbarkeitsdatum. Nudeln, Zucker, Mehl, Reis und Hülsenfrüchte, aber auch Kaffee, Tee und Schokolade sind dort Mangelware. Laut Schulseelsorgerin Ruth Mathey- Drumm ist die Initiative aus der „Jugendkirche Theoderich“ entstanden. Die Schüler sammeln jeden zweiten Mittwoch in der zweiten großen Pause. Auch bei Schulfesten und Tagen der offenen Tür ist die Initiative präsent. Vergangenen Samstag wurde mit Handzetteln vor dem Supermarkt geworben. Auf dem Rückweg von der Kasse spendeten Kunden Lebensmittel und Lob.

Kein Kulturkeller

Der Gemeinderat entschied sich vorerst gegen den Ausbau des Kellers unter dem Wohnheim Pfleghof. Tübinger Kulturschaffende und Behindertenvertreter wollten das 170 Quadratmeter große Gewölbe behindertengerecht ausbauen und zu einem „Schmuckstück der Tübinger Kultur“ umgestalten. Laut OB Palmer rechtfertige die Nutzung allerdings nicht den hohen Kostenaufwand. Mindestens 160.000 Euro würde es kosten, den Pfleghofkeller auf einen Standard zu bringen, der maximal 10 Veranstaltungen im Jahr erlaubt. Die Nutzung des Kellers als regulären Veranstaltungsort würde sogar Baukosten von einer halben Million Euro übersteigen. Um der Barcelona-Erklärung dennoch gerecht zu werden, in der sich Tübingen im Jahre 2010 zur barrierefreien Weiterentwicklung der Stadt bereit erklärte, denkt der Gemeinderat jetzt unter anderem über den Ausbau des Rathauskellers nach.