Nachrichten vom 10.02.2012

Monospektakel-Preis

Tonnella heißt der Preis des Monospektakels, das Theaterfestival für Ein-Personen-Stücke in der Tonne. Gewonnen hat das Solofestival Effi Briest, die einzige hauseigene Produktion. Die Regisseurin Karin Eppler hat den Roman von Theodor Fontane zum Erzähltheater umgeschrieben. Chrysi Taoussanis schlüpft dafür in alle Rollen. Die Jury lobte besonders die gekonnte Verbindung von Erzählung und Dramatik. Außerdem sei bei Effi Briest das Solistische am besten umgesetzt gewesen. Neben Effi Briest waren beim Monospektakel über zwei Wochen verteilt sechs Gastinszenierungen zu sehen. Die Tonne freute sich über die Hälfte mehr an Zuschauern im Vergleich zum ersten Monospektakel.

Bürgerbefragung

Sag´ Bürger, was hälst du von der Kultur? Diese Abwandlung der Gretchenfrage stellte das Tübinger Rathaus seinen Bürgern und Bürgerinnen. Vor allem letztere waren es, die auf die tausend Fragebögen reagierten, die im September verschickt wurden. Rund ein Drittel der Angeschriebenen antworteten, was als gutes Ergebnis zu werten ist. Auch bei der gleichzeitigen Befragung im Internet beteiligten sich mehr Frauen als Männer, hier meldeten sich aber mehr Jüngere, während auf die Fragebögen eher 45 bis 64jährige Kulturinteressierte antworteten. In beiden Befragungen zeigten sich rund 70% mit dem Kulturangebot zufrieden. Bemängelt wurden die Preise, die zeitliche Überschneidung vieler Angebote und das Angebot für Jugendliche. Aber auch am anderen Ende der Altersskala gab es Wünsche: Klassisches Theater und Ü 40 Tanzveranstaltungen. Das Angebot muß aber auch seinen Bürgern bekannt sein und da zeigte es sich, daß sich auch hier die Kleinen gegenüber den Goßen schwer tun: so ist der Club Voltaire weniger bekannt als das Sudhaus und das Filmfest Frauenwelten im Vergleich mit dem Bücherfest fast eine Unbekannte. Bestätigt fühlte sich OB Palmer durch den Bürgerwunsch nach einem Konzertsaal in der Stadtmitte, beispielsweise im alten Schlachthof. Dafür stimmten31,5% der Befragten, 22,8%, waren für einen Ausbau des Sudhaussaals. Literaturstadt und kulturelle Vielfalt sind die beiden Kernbegriffe für Tübingens Zukunft.

Kulturkeller

Bei einem Ortstermin trafen sich am Montag städtische Vertreter und Kulturschaffende im Gewölbekeller des Pfleghofs. Der Keller könnte als zusätzlicher Veranstaltungsort für Kultur aller Art dienen. Was fehlt, ist ein zweiter Fluchtweg und ein behindertengerechter Zugang. Wenn auch noch Heizung, Lüftung und Toiletten erneuert würden, blieben 75.00 Euro an der Stadt hängen. Der Rest käme aus Fördermitteln des Landes. Ein zweiter möglicher Keller ist direkt unter dem Rathaus. Dort wären die Kosten höher und es gäbe keine Förderung. Die Entscheidung für einen der Keller wurde vertagt und an den Gemeinderat zurück verwiesen.

Jugendengagement

Das Reutlinger Jugendcafé, in der Stadtmitte, ist schon lange eine Institution. Hier können sich Jugendliche nicht nur mit Speis und Trank versorgen, sondern auch soziale Kontakte pflegen. Sei es beim Dart spielen oder Tischkickern. Es kann hier auch im Internet gesurft werden. Falls man Probleme jeglicher Art hat, hier gibt es qualifizierte und kompetente Ansprechpartner. Der Jugend wird hier viel geholfen, jedoch konnte das Jugendcafé in letzter Zeit selbst Hilfe gebrauchen. Eine Clique machte vielen das Leben schwer, Personalprobleme gab es auch und zu allem Übel mussten die Räumlichkeiten auch noch saniert werden. Das Jugendcafé hat sich nach all dem eine kurze Verschnaufpause gegönnt, in der Probleme behoben wurden und viele Jugendliche nach Verbesserungen und Wünschen gefragt wurden. Mit neuem Elan und einem neuen Konzept, wird sich nun um alles gekümmert, was das jugendliche Herz begehrt.

Schulprojekt

»Deutschland im Spannungsfeld der internationalen Politik« steht auf dem Lehrplan, den der Kurs 3 der Jahrgangsstufe 2 des Friedrich-List-Gymnasiums in Reutlingen abzuvespern hat. Das Thema klingt knochentrocken und stinklangweilig. Doch 60 Schüler, die sich am Donnerstagabend im gerammelt vollen Multifunktionsraum des Gymnasiums drängen, sehen und hören etwas anderes: Geschichte ist spannend. Sie berührt, macht neugierig und betroffen, lässt einen staunen, manchmal lachen – auch wenn das Thema so spaßig nicht ist: Im Geschichtsunterricht haben Schüler des Abiturjahrgangs ein Zeitzeugeninterview zum Thema »Leben in der ehemaligen DDR« organisiert. Rede und Antwort stehen ihnen Annegret Claußnitzer und Claus Hönemann, Zeitzeugen, die zwei Stunden aus ihrem bewegten Leben im ehemaligen Arbeiter- und Bauernstaat berichten.

Zuwandererbiographien

Unter dem Titel “Eine Weltreise durch Herrenberg” wurde am vergangenen Freitag in der Mössinger Bücherei ein Buch aus Geschichten von Zugewanderten vorgestellt. Das Motto “Erzähl mir Deine Geschichte, dann versteh ich Dich besser” zieht durch die 79 Geschichten von Menschen aus 18 Nationen. Dabei waren von Schülern bis zu Senioren alle Generationen vertreten. Oft war es das erste Mal, dass sie ihre Geschichte erzählen konnten. Schirmherr des Herrenberger Schreibprojekts ist OB Thomas Sprißler: “Die Autoren lassen uns teilhaben an einem Stück ihres Lebens”, sagte er am Abend. In der anschließenden Diskussion war man sich einig: Ein solches Schreibprojekt soll bald auch in Mössingen selber entstehen.

Abfall-Forschung

An der Reutlinger Hochschule werden derzeit in einem ZIM-Projekt zukunftsträchtige Forschungen betrieben. ZIM ist die Abkürzung für das „Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie. Die Reutlinger Hochschule untersucht die Möglichkeit der Verwertung des Textilanteils von Autoreifen. Dieser wird bislang noch immer verbrannt, während der Stahl zurück an die Autofirmen geht und aus dem Gummi Granulat entsteht. Die aufbereiteten Textilfasern könnten beispielsweise für den Spritzguss zur Herstellung von Fahrzeugteilen, Sitzschalen und Radabdeckungen verwendet werden. Allerdings muß noch ein Verfahren zur besseren Reinigung der recycelten Fasern entwickelt werden, um Verstopfungen beim Spritzguss zu verhindern. Über 50 000 Tonnen wiederverwertbare Fasern könnten so gewonnen werden und teure Kunstoffe aus fossilen Rohstoffen ersetzen.

Neue Nutzung

Im Herbst 2010 wurde für den Tübinger Güterbahnhof ein Erhaltungsgebot ausgesprochen. Für die Entwicklung des gesamten Gebäudes mussten die Grundeigentümer Bahn und Bahntochter Aurelis bei Laune gehalten werden. Der Stadtverwaltung gelang dies, indem sie vorrechnete, dass ein erforderliches Bauvolumen an dem lang gestreckten Streifen östlich der Blauen Brücke unterzubringen sei. Das ist zumindest der aktuelle Stand. Die Stadt würde den Güterbahnhof kostenlos übernehmen können, müsse aber das Risiko des Erhalts und der Instandsetzung tragen. Ein von der Stadtverwaltung in Auftrag gegebenes Gutachten besagt, es sei durchaus wirtschaftlich, den Güterbahnhof für eine neue Nutzung umzubauen und zu sanieren. Bei der Expertise wurden drei verschiedene Nachnutzungen des Gebäudes untersucht. Sowohl als Stadtarchiv, für Wohnungen, sowie für Büros, Läden und Gastronomie käme die Nutzung aus wirtschaftlicher Sicht in Betracht. Entschieden wurde beim Planungsausschuss noch nichts, aber ein Favorit war das Städtearchiv.

Existenz bedroht

Die Existenz von InTRo (Integrations- und Tagesstrukturierende Betriebe Rottenburg) fürchtet um die Existenz, da nicht nur das Job- Center die Gelder kürzte sondern auch das Geld aus den europäischen Fonds entfiel. In erster Linie beschäftigt die InTRo ‚Ein- Euro‘ Jobber. Doch erhalten diese nicht mehr nur einen Euro Stundenlohn sondern zwei Euro. Das soll die Chancen für die Langzeitarbeitslose auf dem reellen Arbeitsmarkt erhöhen, da sie langsam wieder an den Arbeitsalltag gewöhnt werden. Doch Beginn des Jahres kam dann der Schock. Es fielen fast 50 000 Euro weg und somit viele Stellen. Letztes Jahr waren es 42 Beschäftigte, jetzt sind es 19. Es wird leider finanziell immer enger. Auch die Stadt wird kein Geld mehr geben können. Rainer Mirbach, der Leiter der InTRo, sagt, dass dieser Wegfall der finanziellen Mittel an der Politik liegt. Denn schon im Oktober letzten Jahres, sagte die SPD, dass es zu finanziellen Engpässen bei der Unterstützung von Langzeitarbeitslosen komemn könnte. Das heißt für die InTRo ein klares aus, wenn sich nicht bis Ende Juni neue Finanzquellen ergeben.

Unterstützerkreis

Nicht nur Pädagogen fordern ein Bleiberecht für Roma. Mit-Initiator ist Andres Foitzik aus dem Unterstützerkreis der Familie Avdijaj, die vor neun Jahren in den Kosovo ausreisen musste. Mit Unterstützung aus Gomaringen gelang es mittlerweile zwei Kindern der Familie ein Stipendium in Baden- Württemberg zu bekommen. Die Innenminister der 16 Bundesländer beschlossen bereits vor zwei Jahren 10 000 langzeitgeduldete Roma in den Kosovo abzuschieben. Dagegen wendet sich das „Netzwerk rassismuskritische Migrationspädagogik“ mit einem Aufruf. Unterzeichnet wurde dieser bereits von mehr als 600 Menschen, darunter Tübinger Pädagogik-Professoren Hans Thiersch und Barbara Stauber. Die rot-grüne Landesregierung verhängte einen Abschiebestopp für Roma. Ein Petitionsausschuss reiste in den Kosovo, um sich ein Bild von den Verhältnissen zu machen. Die Entscheidung für ein unbefristetes Bleiberecht ist noch nicht entschieden.

Hirnforschung

Sich kurzfristig an etwas zu erinnern ist eine scheinbar einfache und alltägliche Aufgabe. Wir nutzen unser Kurzzeitgedächtnis, um uns eine Telefonnummer zu merken, wenn wir nichts zu schreiben haben oder wenn wir irgendwas im Laden suchen, das wir gerade im Schaufenster gesehen haben. Doch trotz der scheinbaren Einfachheit ist das Kurzzeitgedächtnis ein komplexer Vorgang, der die Beteiligung von mehreren Hirnregionen benötigt. Ob und wie verschiedene Regionen während der Informationsspeicherung zusammenarbeiten, blieb bisher unklar. Forscher vom Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen haben nun rausgefunden, dass elektrische Schwingungen zwischen verschiedenen Gehirnregionen entscheidend sind, um sich über einen kurzen Zeitraum hinweg an Geschehenes zu erinnern. Es ist bekannt, dass die Regionen im vorderen Teil des Gehirns am Kurzzeitgedächtnis beteiligt sind, während die Verarbeitung von Sehinformation in erster Linie im hinteren Teil des Gehirns erfolgt. Um sich jedoch erfolgreich über einen kurzen Zeitraum hinweg an etwas Gesehenes zu erinnern, müssen die entsprechenden Regionen miteinander kooperieren und die Informationen zusammenführen.

Humor in der Psychiatrie

Lachen ist heilsam. Diese These vertritt Barbara Wild in ihrem Buch „Humor in Psychiatrie und Psychotherapie“. Bei der Buchvorstellung im Alzheimer Auditorium spracht Frau Wild davon, dass Humor ein Werkzeug sei, das den Menschen ermögliche freier zu sprechen. Hierzu zitiert sie auch Jean Paul: „Freiheit ist Witz und Witz ist Freiheit“. Im Rahmen der Buchvorstellung kamen auch andere Fachleute zum Thema Humor zu Wort. Christel Ruggaber, die Clowns für Kinderkliniken und Altenheime ausbildet, erklärt kurz und knapp: „kleine rote Nasen, große Veränderung“. Sollten sie sich also für das Thema Humor interessieren, Barbara Wilds Buch ist nun für 39,95€ im Handel erhältlich.