Nachrichten vom 16.08.10

Textilfirma insolvent

Die Kirchentellinsfurter Textilfirma Einhorn muss Insolvenz anmelden. Grund dafür ist der Verlust des wichtigsten Lizenzgebers Tommy Hilfiger. Dadurch brachen 60 Prozent des Umsatzes der Firma weg und machten sie zahlungsunfähig. Der Insolvenzplan betrifft auch die Belegschaft. Nachdem bereits sechs Mitarbeitern gekündigt wurde, sieht der Plan weiterhin Lohnkürzungen und Kurzarbeit vor. Während des Insolvenzverfahrens erhalten die Beschäftigten das so genannte Insolvenzgeld. Weitere 30 Kündigungen werden wahrscheinlich auf die Mitarbeiter zukommen. Die Chancen für einen Neustart stünden, laut Geschäftsführung, mit nur 50, der derzeitig 80 Mitarbeiter, gar nicht so schlecht.

Ki-Dojo vor dem Aus?

Die Stadt will das Ki-Dojo am Loretto-Platz so schnell wie möglich aufgeben. 92 000 € könne man damit einsparen. Nicht berücksichtigt wurde dabei, daß die Mieteinnahmen die Betriebskosten zwar nur knapp, aber doch übersteigen. Blieben noch die 61 000 € Personalkosten für den Diplomsozialarbeiter Niethammer, der ein Konzept zur Gewaltprävention erarbeitet hat und mit mehreren Schulen und Jugendorganisationen zusammenarbeitet. Die Kampfsportgruppen denken darüber nach, das Haus in Eigenregie zu übernehmen. Aber da bleibt ein Haken: die geschätzten 250 000 € für die anstehende Renovierung.

Laut gegen Stuttgart 21

Der Protest gegen das umstrittene Großprojekt Stuttgart 21 ist jetzt auch in der Region angekommen. In Reutlingen und Tübingen kommt es regelmäßig zu so genannten Schwabenstreichen. Die Gegner von Stuttgart 21 treffen sich beim Schwabenstreich zum gemeinschaftlichen Lärmen. Damit wollen sie auch auf die Auswirkungen auf die Region aufmerksam machen. Alle Kommunen im Land müssten über die Kreisumlage Millionen für Stuttgart 21 zahlen. Stattdessen fehlt das Geld an anderer Stelle. Die Kosten für das Milliardenprojekt explodieren immer weiter und die zukünftigen Verbesserungen sind mehr als ungewiss. Gutachten bescheinigen Stuttgart 21 sogar einen verkehrspolitischen Unsinn und der neue Bahnhof sei weniger leistungsfähig als der alte.

Therapie für Blinde?

Ein Forscherteam aus Tübingen und München hat einen neuen Therapieansatz entwickelt. Achromatopsie ist eine Genetisch bedingte Augenkrankheit, die zu einem Ausfall der Zapfen führt. Die Zapfen sind für das Farbsehen und die Sehschärfe verantwortlich. Ein Betroffener kann somit nur Graustufen unterscheiden und sieht sehr unscharf. An Tierversuchen mit Mäusen ist es den Wissenschaftlern nun gelungen die Sehschärfe wieder herzustellen. Ob dieses Modell auch auf den Menschen anwendbar ist, ist zur Zeit noch ungeklärt.

Geldspritze für Sportinstitut

Dank einer 3,2 Millionen Euro Finanzspritze des Zukunftsinvestitionsprogrammes des Landes kann die Sanierung des Sportinstituts der Uni Tübingen weiter gehen. Nachdem bereits die Schwimm- und Gymnastikhalle erneuert wurden, folgt jetzt die Spielhalle und ab Oktober dann die Turnhalle. Diese wird komplett abgerissen, um dann in doppelter Größe wieder aufgebaut zu werden. Die neue Turnhalle wir internationalen Standards gerecht werden, mit fest installierten Geräten und Schnitzelgruben. Auch ökologische Standards werden mit dem neuen Gebäude erreicht. Energieverbrauch und CO2 Ausstoß werden deutlich reduziert werden. In einem Jahr soll der Neubau beendet sein.

Neue Baustellen

Der Bauplaner und Investor Willi Schöller geht diesen Sommer den nächste Schritt seines Projekts. Die Planung läuft seit 21 Jahren. Von den 12 Bauabschnitten für das Reutlinger Quartier Obere Wässere wird jetzt der 9. Abschnitt angegangen. In der Albstraße, in der nähe der Färberei wird ein weiteres Geschäftshaus errichten. Laut Schöller sind große Teile des Gebäudes bereits an Kunden vergeben. Zusätzlich wird sich Schöller in diesem Jahr noch 2 weitere Abschnitte des Großprojekts vornehmen: In der Albstraße sollen 2 Gebäude abgerissen werden, um Platz für eine Parkfläche nahe der Markthalle zu schaffen. In der Seestraße soll ein 5-Stöckiges Gebäude entstehen, dass einen Elektronikmarkt beheimaten wird. Insgesamt verspricht sich Schöller eine stärkung des Reutlinger Einzelhandels, insbesondere eine Umsatzverbesserung für die Markthalle. Ein weiteres Ziel des Großprojekts ist die Einbindung der oberen Wässere in die Reutlinger Innenstadt.

Ökologisches Jahr

Am 1. September beginnt Annabell Desideri ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr im Reutlinger Naturkundemuseum. So ähnlich wie das Freiwillige soziale Jahr bietet das Freiwillige ökologische Jahr die Möglichkeit, einen Einblick in das Berufsleben zu bekommen. So können Jugendliche Erfahrungen auf dem Biobauernhof, im Umweltschutz oder im Reutlinger Naturmuseum sammeln. Hier organisiert Annabell Kinderprogramme, arbeitet an Sonderausstellungen mit und kümmert sich um Verwaltungsaufgaben. Etwa 110 solche Stellen gibt es in Baden-Württemberg. Voraussetzung für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr ist ein Schulabschluss und die Teilnahme an begleitenden Veranstaltungen. Gefördert wird das Jahr von der Landeszentrale für politische Bildung.

Neuer Bioacker

In Ergenzingen wächst jetzt auf einem halben Hektar Acker Bio-Weizen. Rund 20 Doppelzentner kann der Bauer demnächst ernten. Das ist etwa halb soviel wie konventionelle Sorten bringen würden. Die Umstellung auf Bio-Richtlinien begann vor drei Jahren. Ein Jahr Brachland und ein Jahr Klee und Erbsen für Nährstoffe und Stickstoff. Kunstdünger und Pflanzenschutzmittel sind im Ökolandbau tabu.

Pfadfinder aus Palästina

Der Verein Flüchtlingskinder im Libanon hatte palästinensische Pfadfinder als Gäste. Die Jugendlichen besuchten auch die Asylunterkunft in Weilheim. Dort erkannten sie Gemeinsamkeiten mit ihrer Lebenssituation. Die Lebensmittelpakete und die eingeschränkte Bewegungsfreiheit der Asylbewerber ist den Jugendlichen aus den palästinensischen Flüchtlingslagern bekannt. Die Pfadfinder waren Botschafter ihrer Kultur und erzählten ihre Geschichte mit Tänzen und Liedern.

Die Teelichtzange

Jeder zweiter Haushalt in Deutschland benutzt Teelichter. Leider ist das Auswechseln von Teelichtern in engen und schmalen Gefäßen oft kompliziert. Dies soll sich in Zukunft ändern. Thomas und Sascha Steudner aus Bodelshausen haben die Teelicht-Zange erfunden. Das neue an der Erfindung ist der Scherengriff, der sicherstellt, dass man sich die Hand nicht an der Flamme verbrennt. Die Erfindung ist beim Münchner Patentamt angemeldet. Zur großflächigen Vermarktung fehlen den Erfindern noch 30. Tausend Euro. Geschäfte, die Interesse am Verkauf der Teelicht-Zange haben, gibt es bereits.

Kunst aus der Partnerstadt

In der Reutlinger “Pupille” sind derzeit Werke von Künstlern aus der Partnerstadt Reading in den USA ausgestellt. Der Austausch erfolgte Via Post. Das Kunstzentrum “Goggle” in Reading/ USA ist ein Treffpunkt für kreatives Schaffen jeder Art. Hier haben Korbflechter, Öl-Maler, Fotografen und Textiler Ateliers nebeneinander. Die DinA 4 großen zugesandten Werke mit dem Thema ” Works on Paper” übermitteln ein sehr fröhliches Lebensgefühl. Sie sind noch bis zum 28. September in Reutlingen in der ” Pupille” zu sehen.

Ein Provinztheater mit bundesweitem Ruf

42 000 Zuschauer hatte das Melchinger Lindenhoftheater in der letzten Spielzeit. 16 000 davon kamen zum Sommertheater in der denkmalgeschützten Mössinger Bogenhalle. Auch die zweite Spielzeit im September gilt bereits als ausverkauft. Im kommenden Sommer werden die Melchinger turnusgemäß das Tübinger Sommertheater übernehmen. Doch dies sind noch längst nicht alle Projekte. Die Ruhr-Festspiele in Recklinghausen wünschen sich eine weitere Zusammenarbeit und für Stetten am Kalten Markt soll ein eigens für das dortige Kult-Kaufhaus „Pfeisser“ geschriebenes Stück inszeniert werden. Bürgerbeteiligung und die Einbeziehung des räumlichen Umfelds ist schließlich ein Markenzeichen der Melchinger. Die kommende Spielzeit wird unter dem Motto „Freiheit denken“ stehen. Eine Bühnenfassung des „Michael Kohlhaas“ wird erarbeitet, zuum Jahreswechsel soll es die abgedrehte Eigenproduktion „Schwabeninsel“ geben und „Uns Heiner“ – Heiner Kondschak werkelt bereits an seiner Fassung des „Don Quichotte“. Weiterhin im Programm sind gut ein Dutzend eigene und ebensoviele Koproduktionen. In der Tat, ein ganz besonderes Provinztheater.