Nachrichten vom 06.08.

Sicheres Essen

Im Jahr 2011 sollen die Essenszuschüsse an Reutlinger Schulen und Kindergärten wegfallen. Die Freiwilligkeitsleistung wurde vom Gemeinderat nur bis Jahresende bewilligt. Das Reutlinger Sozialforum äußerte sich besorgt über die Situation von Kindern aus finanzschwachenen Familien. Kinder aus bedürftigen Familien bekommen derzeit ein Mittagessen für einen Euro. Die Mitglieder im Sozialforum sind für einen Zuschuss zur Schulgrundausstattung, kostenlose Busfahrten zur Schule und ein kostenloses Mittagessen. In einer Unterschriftenaktion stimmten über 2 000 Bürger für eine kostenfreie Schule für alle Bedürftigten. Das Erreichte soll nun im Plenum abgesichert werden. Ganztagsschulen sollen so beworben werden, das viele Kinder aus finanzschwachen Familien sie besuchen können. Ziel seien gleiche Bildungschancen für alle, unabhängig von den Finanzen der Eltern.

Alter Knochen

Der Tübinger Archäologe Hannes Napierala hat einen Glücksgriff getan – in eine Kiste mit vor über 100 Jahren in einer schweizerischen Höhle gefundenen Knochen.Gleich der erste 14 000 Jahre alte Knochen entpuppte sich als der Oberkiefer eines Hundes. So lange ist der Hund also schon ein Begleiter des Menschen. Mindestens, denn die Zucht, so die Forscher, war zu dem Zeitpunkt schon fortgeschritten. Wann sich der Hund vom Wolf trennte und wie das alles begann, ist damit aber nicht geklärt. Die 30 00 Jahre alten Knochen, die Forscher in Belgien identifiziert haben wollen, würden die Tübinger eher einem Wolf zuordnen. Die bislang älteste Hauskatze wurde übrigens in einem 9 500 Jahre alten Grab in Zypern gefunden.

Rückstrom

Ende 2012 könnte Walddorfhässlach die Stromversorgung in Kommunale Trägerschaften einbinden. Nach 20 Jahren bei der Neckarwerke AG läuft der Vertrag aus.Der Geschäftsführer des Neckar-Elektrizität-Verbandes stellte ein Konzept vor, dass die Rücküberführung in kommunalen Besitz bedeuten würde. Mit der EnBW hat der NEV schon ein Modell ausgehandelt. Bei diesem würde das gesammte Stromnetz des früheren Neckarwerke-Verbunds nach 2012 für rund 500 mio Euro in eine neue gemeinsame Netzgesellschaft eingebracht. Den Gemeinden, die dabei mitmachen stehen verschiedene Möglichkeiten offen. Ein 20-Jahresvertrag mit der neuen Gesellschaft und verschiedene wirtschaftliche Beteiligungen wären möglich. Als Vorteil wurde außerdem genannt, dass keine Umbaukosten fällig würden. Und zudem gäbe es künftig Netzdurchleitungsentgelte. Der Gemeinderat und die Bürgermeisterin Silke Höflinger zeigten sich interessiert.

Tora und Tagblatt

Im Tübinger Stadtmuseum ist sei 16 Jahren eine Torascheibe zur Aufbewahrung. Jetzt hat man die rechtmäßigen Eigentümer gefunden. Avner Falk, wohnhaft in Jerusalem hat sich sehr über die Nachricht gefreut, dass eine Torascheibe seines Großvaters aufgetaucht ist. Auf der Scheibe steht eine Inschrift,die zum Stifter führte. Zuvor war sie im Privat-Besitz eines Theologie-Professors. Er ging davon aus, dass die Torascheibe ein Überbleibsel aus der niedergebrannten Tübinger Synagoge war. Wie sich aber durch Recherchen des Schwäbischen Tagblatts Herausstellte ist das eher unwahrscheinlich.Viel eher könnte sie als Beutestück eines deutschen Soldaten nach Tübingen gelangt sein. Josef Zwi Szpiro stiftete die Scheibe ursprünglich eine Synagoge in Zgierz / Polen mit einer Torarolle für seine versorbene Mutter versehen. Rivka Szipro galt als wohltätige Frau, die gerne Gäste bei sich aufnahm. Als die Deutschen Polen überfielen, nahmen sie sich auch das Haus der Familie Szipro. Als die Besatzer 1933 die Synagoge in Zgierz anzündeten konnten einige Nachbarn ein paar Torarollen aus dem Feuer gerettet werden. Dank der Frühzeitiger Auswanderung konnten 2 Kinder von Josef Szpiro einer Deportation in ein Vernichtungslager entkommen. Wann und wie die Torascheibe ursprünglich nach Tübingen kam, ist zum Bedauern der Nachfahren bisher ungeklärt.

Gestiftet

In Rottenburg ist eine neue Bürgerstiftung entstanden. Die Idee der „Bürgerstiftungen“ stammt aus den USA und existiert dort schon seit Beginn des letzten Jahrhunderts. In Deutschland ist die Stiftungskultur erst seit Ende des letzten Jahrhunderts vorzufinden. Die Stiftung ist eine unabhängige Organisation außerhalb von Partei und Kirche. Sie ist ein Engagement für gemeinnützige Aktivitäten und soll das Gemeinwesen Rottenburg stärken. So unterstützt der Initiativkreis die Kinderuni der Hochschule für Forstwirtschaft sowie die Entstehung eines Rottenburger Geschichtspfads und einen Rottenburger Kulturladen, der das kulturelle Zusammenleben in Rottenburg fördern soll. Am Samstag findet in der Zehntscheuer eine Auftaktveranstaltung mit lokalen Künstlern statt.

Tüftler am Werk

Zur modernen Umweltverschmutzung zählt auch die Lärmbelästigung. Was tun, wenn die Dezibel ein innenohrschädigendes Ausmaß annehmen? Watte ins Ohr? Jetzt gibt es den „Selec“, den individuell passformgenau angefertigten Hörschutz aus hautverträglichem Acryl. Dessen Modell 2010, ausgetüftelt vond em Hörakustiker Hans-Georg Kimmerle, wurde jetzt mit dem Innovationspreis der Reutlinger Kreissparkasse ausgezeichnet. Ausschlaggebend waren die guten Klangeigenschaften: die eigene Stimme wird nicht verzerrt wahrgenommen, Spracherkennung und Richtungshören sind nicht eingeschränkt. 122 € kostet das Paar, inklusive Aufbewahrungsbox und Reinigungsutensilien.

Parken in Reutlingen

Seit vergangenen Montag gelten in der Reutlinger Altstadt neue Parkregeln. Alle Parkplätze in der Altstadt sind nach 20 Uhr für die Bewohner mit entsprechendem Ausweis reserviert. Dieser kostet 30 Euro im Jahr. Damit soll der nächtliche Parksuchverkehr reduziert werden und das Wohnen in der Altstadt attraktiver werden. Das neue Konzept hatte der Gemeinderat im Februar verabschiedet. Es gibt reine Anwohnerzonen und Gebiete fürs Mischparken. Hier müssen tagsüber alle bezahlen und nachts dürfen die Anwohner mit Ausweis ihr Auto abstellen. Wer abends mit dem Auto nach Reutlingen fährt, sollte die altstadtnahen Tiefgaragen nutzen.

Gästedeutsch

Über 180 AkademikerInnen sind im August in Tübingen. Teilnehmen werden sie an den internationalen Sommerkursen der Uni Tübingen. Sie sind zwischen 18 und 79 Jahre und kommen aus 40 verschiedenen Ländern. Bei Aktivitäten, Gruppenarbeiten und Exkursionen sollen sie praxisnah die deutsche Sprache erlernen, aufbessern oder vertiefen. Das Motto der Sommerkurse: “Erfahren statt Pauken”. Für das Programm vergibt der Deutsche Akademische Austauschdienst 26 Stipendien. Auf dem Programm stehen Literatur, Philosophie, Wirtschaft, Politik und Umgangssprache, sowie Kultur, Sport und Tanzveranstaltungen, ein internationaler Chor und Brezelbacken in einer Bäckerei. Die Kurse kosten fast 600 Euro, hinzu kommen Miete und Lebenshaltungskosten. Das Organisationsteam setzt auf Teamarbeit, um den Gaststudenten einen angenehmen Aufenthalt zu ermöglichen.

Der erste Rektor

Johannes Vergenhans war im 15. Jahrhundert der erste Rektor der Universität Tübingen. Der Historiker Professor Sönke Lorenz weiß, was damals in Tübingen geschah. In der damaligen Mentalität war die Welt die Kirche. Für Lorenz hat der damalige Rektor hat dem Humanismus die Tür geöffnet, indem er mit der Universität neue Wege einschlug. Am Montagabend führte Professor Lorenz interessierte Zuhörer durch die Stadt. Das Thema der Stadtführung hieß „Kennen sie Tübingen“?. Professor Lorenz erklärte dabei den historischen und kulturellen Zusammenhang zwischen der Tübinger Stiftskirche und der Universität. Der Chor der Stiftskirche war die erste Aula der Hochschule. Die Rolle der Kirche wird auch dadurch deutlich, dass die ersten Professoren der neu gegründeten Universität sowie deren erster Rektor Johannes Vergenhans Kleriker der Kirche waren.

Sommerwerkstatt

Seit vergangenen Montag läuft das integrative Sommer-Medienspektakel der Kulturwerkstatt in Reutlingen. Über 40 Mädchen mit und ohne Behinderung können sich von ebenfalls jungen Mentorinnen in vier verschiedenen Workshops ausbilden lassen. Im Angebot ist der Dreh eines Videofilms, bei dem wohl ein Krimi mit Entführung entsteht. Im Workshop Musik und Computer produzieren die Mädchen HipHop-Songs. Beim Malen und Gestalten am PC gestalten die Mädchen Postkarten und Sticker und auch beim Zeichentrick denken sie sich eine Geschichte aus, die man am Ende anschauen kann. Das Sommer-Medienspektakel ist gefördert von der Aktion Mensch.