Was heißt hier Integration?
Der Reutlinger Gemeinderat verabschiedete am vergangenen Dienstag ein neues umstrittenes Integrationskonzept. Nach der komplizierten Abstimmung traten drei von vier Sprechern des Ausländerrates aus Protest zurück. Ihre Empfehlungen zur Ausrichtung des künftigen Integrationsrates fanden keine Mehrheit. Knackpunkt war die Forderung des Ausländerrates nach einem Sitz im Verwaltungs- Kultur- und Sozialausschuss (VKSA). Davon erhofften sie sich eine bessere Verzahnung der Gremien, mehr Dialog und Informationsfluss. Die Verwaltung dagegen wollte keine Doppelvertretung, weil Gemeinderäte schon im Integrationsrat seien, der dann noch einen Sitz im Ausschuss hätte. Auch die veränderte Zusammensetzung des Rates stößt auf Unverständnis. Weniger Ausländerräte werden gewählt, dafür andere und zusätzlich Sachverständige vom Gemeinderat benannt. Für viele jetzige Mitglieder im Ausländerrat ist die Entscheidung ein unüberbrückbares Hindernis für die gemeinsame Fortsetzung ihrer Tätigkeit.
Chaos bei der CDU
Bei der Landtagsnominierung der CDU soll nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein. Der Schloßsaal in Bühl war zu klein, so daß nicht alle Wahlberechtigten Platz fanden. Eingetragenen Mitgliedern wurden die Wahlzettel verweigert, dafür andere ungeprüft zugelassen. Wahlzettel lagen mehrfach aus. Mauschelei oder Schlamperei? Der CDU-Kreisvorsitzende Klaus Tappeser befand die Wahl als ordnungsgemäß.
Kein Sondermüll nach Dusslingen
Der Dußlinger Gemeinderat hat in einem einstimmigen Beschluss die neuen Pläne für die Abfallverwertungsstelle Dußlingen abgelehnt. Anfangs war nur von Glas-Schotter die Rede gewesen, der in Zukunft dort verarbeitet werden sollte. Dann stellte sich heraus, dass der Schotter zur Streckung von Giftmüll verwendet werden sollte. Eine Sondermüll-Mischanlage wollten die Dußlinger Bürger aber auf gar keinen Fall haben. In einer Sondersitzung stellten nun alle Fraktionen einen gemeinsamen Antrag, die neuen Pläne aufzugeben. Die gemeinsame Entscheidung hat wohl ein sicheres und langwieriges Bürgerbegehren in der Gemeinde unnötig gemacht.
Wenig Müßiggang
Die Kurzarbeit in den Kreisen Tübingen und Reutlingen ist stark zurückgegangen. In kaum einem Unternehmen müssen die Mitarbeiter noch zeitweise unfreiwillig zu Hause bleiben. Dabei blieb auch die regionale Arbeitslosenquote stabil und liegt nun in beiden Kreisen bei 4,6%. Der durch das Ende des Schuljahres und das Auslaufen vieler Ausbildungsverträge bedingte Anstieg der Arbeitslosigkeit blieb in diesem Jahr aus. Das IHK meldete auch einige neue Ausbildungsunternehmen in der Region. So wird zum Beispiel auch das Freie Radio Wüste Welle ab heute eine Medienfachfrau ausbilden.
Arbeiterbildung gesichert
Die kostenlose Sozialberatung des Vereins Arbeiterbildung ist fürs erste gesichert. Über private Spenden konnte sogar das Beratungsteam verstärkt werden. Dadurch ist ein neues Projekt möglich. Es soll Erwerbslose motivieren, ihre Lebenssituation durch Aktivitäten im Bereich Freizeit, Sport und Fitness zu verbessern. Weitere Projekte zur Selbstaktivierung von Erwerbslosen sind geplant. Zur weiteren Finanzierung seines Angebots hat der Verein Arbeiterbildung einen Antrag auf Bezuschussung von Sachmitteln an den Kreistag gestellt. Im November läuft ein Benefizabend im franz.K.
Was kostet die Planie 22?
Nachdem von mehreren Seiten Bedenken bezüglich der Kosten und Mehrkosten der geplanten Sanierung der Planie 22 geäußert wurden, erklärte sich nun die Stadtverwaltung Reutlingen. Durch den geplanten Umbau und Anbau des Theaters „Die Tonne“ und der Verwaltung und des Magazins des Naturkundemuseums entstünden keine weiteren Kosten für die Stadt. Die Entwicklung des Projekts soll einem Privatinvestor überlassen werden. Die Stadt würde die Räumlichkeiten dann wie gewohnt anmieten. Die Mietkosten würden in etwa gleich bleiben. Durch die neue Heizanlage würden die Energiekosten sogar sinken. Auch die Anwohner würden bereits in die Bauplanungen mit einbezogen werden.
Neue Räume
Die neuen Räumlichkeiten der Landesarbeitsgemeinschaft Theaterpädagogik in der Reutlinger Heppstrasse erlebten eine Premiere: die Kindertheatergruppe KSC führte ihr diesjähriges Stück „Insel zu erobern“ auf. Vier Schauspieler und -innen zwischen 9 und 14 Jahren stellten vier Staatsoberhäupter dar, die um eine Insel konkurrieren und durch ein Gewitter gezwungen werden, sich auf einander und ihre unterschiedlichen Kulturen einzulassen. Ab Oktober geht der Kinderspielclub in die nächste Runde. Bis dahin können sich neue Mitspieler und -innen zwischen 9 und 12 Jahren bei der LAG melden.
Tübingen Tanzt
Heute beginnt im Sudhaus das zweiwöchige Tübinger Inztanz-Festival. Das Ziel des Inztanz ist es, Kunst, Wissenschaft und Körpertechnik im Tanz zu verbinden. Das Festival wird von der Gastspielförderung des Nationalen Performance-Netzes finanziert. Neben Tübingen ist auch NRW Kultur und die Kinderland-Stiftung beteiligt. Es gibt unter anderem ein spezielles Angebot für Kinder, berichtet die Festivalleiterin Frau Mathis-Maszry. Hinter Masury steht der gemeinnützige Verein Tanz-Produktion Tübingen und das Internationale Zentrum für Tanz in Tübingen. Die Organisatorinnen des Inz-Tanz-Festivals können Sie am Freitag um 11 Uhr live im Lokalmagazin-Interview erleben.
Mittagessen gesichert
Nach der Bio-Catering Marbachshöhe hat nun auch die Vital-Catering GmbH Insolvenz angemeldet. Für die drei Tübinger Schulen, die sie mit Essen für die Mensen versorgt, soll das jedoch keine Konsequenzen haben. Der Vertrag werde weiterhin erfüllt. Das Geld, das von den Eltern im Voraus für Essenschips bezahlt werden muss werde durch eine Drittfirma treuhänderisch verwaltet. Die beiden insolventen Catering-Firmen sollen saniert werden, damit die Schulmensen nach den großen Ferien wie gewohnt beliefert werden können. Ein möglicher Anbieter ist die Klinikums-Tochtergesellschaft UDO, die bereits früher Interesse am Schulcatering bekundet hatte. Sie ließ verlauten, dass für sie auch heute noch die 700 Essen pro Tag kein Problem seien.
Haus der kleinen Forscher
Die Kinderkrippe “spatzennest” in Betzingen wurde von der IHK (Industrie und Handelskammer) Reutlingen mit dem Prädikat “Haus der kleinen Forscher” und der dazugehörigen Plakette ausgezeichnet. Die zwei und dreijährigen Kinder machen unter der Anleitung ihrer Erzieher spannende Experimente rund um das Thema Wasser, Luft und Sprudelgase.20 Experimente und 2 Projekte wurden Dokumentiert. Das Spielzimmer wurde zum Labor umfunktioniert. Viele Kindergärten in der Region folgen dem Beispiel und haben ebenfalls Forscher-Urkunden erhalten.
Rund um Egeria
Im Quartier “alte Weberei” in Lustnau sollen künftig rund 350 Wohnungen entstehen. Im Sommer 2011 ist die Erschließung und Bodensanierung vorgesehen.Im Frühjahr 2012 ist der Baubeginn geplant.Das Viertel soll eine Anbindung zum Ortskern bekommen und eine Anbindung an die Flussbereiche von Neckar und Ammer. Der ehemalige Egeria-Verwaltungsbau soll laut Architekt Mathias Hänig als Nahtstelle dienen. Der Obere Teil südlich der Weiherhaldenstraße ist für Einfamilienhäuser vorgesehen und den zentralen Platz werden vierstöckige Gebäude umgeben. Cafés, Dienstleistungen, Gewerbe und Läden sollen hier ebenerdig Raum finden. Die Oberen Stöcke werden Wohnungen. Das Viertel soll “Verkehrsberuhigt sein”. An der Westseite des Platzes soll ein Spielgelände entstehen. Das Gelände bei der Boccia-Bahn soll teilweise oberirdische mit Parkplätzen ausgestattet werden. Hier soll außerdem ein Übergang zum Neckar geschaffen werden mit “Stufen zum Fluss”.
Der Mann in der Werbung
In der letzten Woche sprach der Tübinger Medienforscher Professor Guido Zurstieg über das Missverständnis und die Wirkung der Männlichkeit in der Werbung. Zurstieg hatte eine Schöne-Männer-Galerie aus der Werbung mitgebracht,an der er die Unterschiede zur schönen Frau verdeutlichte. Der Hörsaal in der Neuen Aula war mit gut dreihundert Zuhörerinnen und ein paar Zuhörern besetzt. Professor Zurstiege zitiert den Soziologen Ervin Goffman, der in der Werbung einen systematischen Beobachter und eine wichtige Quelle zur Deutung der Gesellschaft sieht. Er erläutert, dass die Werbung den Mann als Augenfalle, Spetakel und Objekt lustvoller Betrachtung erfunden habe. Im Unterschied zu der Frau werde der Mann aber selten liegend dargestellt. In andere Beispielen werde der männliche Körper historisiert oder ästhetisiert. Zum Schluss fasst Professor Zurstiege zusammen: Die Werbung betreibe ein Spiel mit doppelten Zeichen. Der schöne Werbemann offenbare kein neues Rollenmuster, dieses sei immer noch vom homophoben Mainstream geprägt: Der neue ist der alte Mann, resümiert der Forscher.

