Nachrichten vom 26.07.10

Die Kindercard kommt

„Mehr Chance für Kinder“ ist einer der Schwerpunkte in der Arbeit der Familienbeauftragen Elisabeth Stauber und des Bündnisses für Familie in Tübingen. Die KinderCard ist ein Modell gegen Kinderarmut in Tübingen. Das Ziel ist eine Stärkung der Entwicklungschancen für Kinder aus einkommensarmen Familie. Mit der KinderCard bekommen die Kinder viele neue Ermäßigungen und Gutscheine im Bereich Bildung, Sport und Kultur. So beinhaltet die KinderCard beispielsweise Vergünstigungen für Kinderkurse und Musikunterricht sowie reduzierte Eintrittspreise. Auch Buchhandlungen und Spielzughändler beteiligen sich an der KinderCard. Für die Stadt Tübingen entstehen keine zusätzlichen Kosten, da die neuen Angeboten von externen Institutionen erbracht werden. Die KinderCard wird am 1. Oktober 2010 in Tübingen eingeführt. Berechtigt für die KinderCard sind alle Kinder, deren Eltern die BonusCard der Stadt Tübingen besitzen.

Neue Stadtteilprojekte

Drei neue Pilotprojekte in Tübinger Stadtteilen bieten vor allem Familien die Möglichkeit zum Austausch. Nach und nach wollen sich drei Kindertagesstätten in Richtung Familientreff erweitern und die Selbsthilfe unter den Besuchern fördern. In lockerer Athmosphäre können hier Eltern miteinander reden und bei Bedarf auch von Experten Rat bekommen. Wichtig sei auch, dass der Treffpunkt gut erreichbar ist und Raum für ein soziales Leben biete. Viele Familien mit kleinen Kindern klagen, dass sie isoliert zu hause säßen und kaum Kontakte nach außen hätten so die Sprecherin des Tübinger Bündnisses für Familien. Jeder der drei Treffs auf der Wanne, in Hirschau und in der Weststadt erhält aus dem Etat der städtischen Familienbeauftragten je 2400 Euro Anschubfinanzierung. Damit will die Stadt ihr Ziel „Mehr Chancen für Kinder“ weiter verfolgen.

Sommerferienprogramm in Mössingen

Nachdem es im vergangenen Jahr pausieren musste, ist das Ferienprogramm des „Haus Regenbogen“ in Mössingen diese Sommerferien wieder am Start. Vom 2. bis zum 24. August wird ein buntes Programm angeboten, das von Kreativworkshops über Sport bis hin zu Ausflügen reicht. Dazu kommt das neue Ferienprogramm des Jugendhauses „M“. Dieses wird vom 2. bis zum 6. August und vom 6. bis zum 10. September für Kurzweile bei den Kindern und Jugendlichen in Mössingen sorgen. Niederschwellig soll das Programm der Jugendeinrichtungen im Gegensatz zum Angebot der Stadt sein. Heißt: es kann jeder ohne Anmeldung und ohne Kosten mitmachen. So soll das Programm für alle nutzbar sein und die Jugendlichen von Dummheiten aus Langeweile abhalten.

Wertigkeiten

Der Tübinger Klinikchef Michael Bamberg hat auf die Kritik des Landesrechnungshofes an den Chefarzt-Gehältern reagiert. Natürlich sind in seiner Sicht die Bezahlungen angemessen, die Bedingungen sind schließlich hart, die Verantwortung gewaltig und man muß jeden Tag das Beste geben. Außerdem müssen die Kliniken konkurrenzfähig bleiben. Bis zu 800 000 € im Jahr verdient ein Chefarzt. Dazu kommt das Recht, Privatpatienten selbst abzurechenen. Damit kann schon mal ein Millionenbetrag zustande kommen.

Was kann man dazu sagen? Vielleicht: 1 Million Euro, damit könnte man die erhöhten Versicherungsbeiträge von 270 Hebammen bezahlen. Von denen müssen nämlich viele ihre Hausgeburtshilfe aufgeben, weil der erhöhte Versicherungsbeitrag von 3 700 € im Jahr ihre knapp bemessene Lebensgrundlage unterhöhlt. Aber was sind die harten Bedingungen, die Verantwortung und das Beste einer Hebamme schon gegen die eines Chefarztes. Schließlich muß eine Klinik konkurrenzfähig bleiben. Da läßt die Krankenkasse doch lieber die Hebammen für die teureren Krankenhausgeburten zahlen. Was interessiert da schon das Selbstbestimmungsrecht einer Schwangeren? Soll sie doch in die Klinik gehen, schließlich muß die ihren Chefarzt zahlen. Aber bitte nicht zu lange, wir müssen sparen. Daheim kann sich sie ja dann von der Hebamme betreuen lassen…

Werte

Nicht aufgeben wird die Hebammenpraxis in der Rottenburger Gartenstraße. Die feierte am Sonntag ihr 20jähriges Bestehen. 5 Hebammen teilen sich inzwischen die Räumlichkeiten. Sie bieten Kurse und Betreuung an. Zu den Geburtsvorbereitungskursen kamen in den letzten Jahren weitere Angebote wie Baby-Massage, Vorsorge und selbst Trauerbegleitung. Die kürzeren Klinikaufenthalte erfordern mehr häusliche Wochenbettbetreuung. Zwei der Hebammen bieten immer noch Hilfe bei Hausgeburten an. Etwa 10 000 jungen Rottenburgern haben die Hebammen der Praxis mittlerweile ans Licht der Welt geholfen.

Spätzle vor Gericht

Es begann wie ein schwäbisches Märchen: die Tübinger Hausfrau Susann Hartung erfand gemeinsam mit ihrem Sohn einen Spätzleshaker. Nach einem erfolgreichen Publikums-Debut mithilfe der örtlichen Presse und einigen Verbesserungen fand sich auch ein Vertriebsmann. Peter Weghorn gründete mit der Erfinderin eine Spätzleshaker Limited mit Sitz in England und räumte ihr gar 50 % Anteil ein. Marketingspezialist Weghorn machte sich auch gleich auf den Weg einer erfolgreichen Vermarktung, doch weh, er hatte nicht mit der Fürsorge einer Mutter für ihr geistiges Kind gerechnet. Sie wollte es nicht seinen Händen überlassen, Weghorn durfte seinen Weg nicht gehn, Hartung blieb hart und gründete gar eine eigene neue Spätzleshaker UG mit Sitz im Ländle. Jetzt wird über die Spätzle vor Gericht verhandelt.

Neuer Name zum Jubiläum

Das ZSG, das “Zweite Städtische Gymnasium” in Rottenburg, feierte in der vergangenen Woche sein zehnjähriges Bestehen. Mit einem Festakt für Schüler, Lehrer und Eltern, sowie geladene Gäste wurde allerdings nicht nur das Jubiläum begangen. Das ZSG erhielt im Laufe des Abends auch einen neuen Namen und heißt jetzt “Paul-Klee-Gymnasium”. Klee habe, so Wolfgang Stöhr, Fachberater für Bildende Kunst beim Regierungspräsidium, “die unverstellte Kinderzeichnung wiederentdeckt und stets um die Analogien zwischen Kunst, Poesie und Musik gewusst. Dieser Blick für eine ganzheitlich-schöpferische Kraft darf nun Leitbild der Schule sein”.

Schule ohne Rassismus

Das Isolde-Kurz-Gymnasium in Reutlingen ist seit vergangenen Dienstag Teil eines internationalen Schulprojektes gegen Ausgrenzung. „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ lautet der offizielle Titel. Ein Politik-Arbeitskreis hatte das Projekt ein Jahr vorbereitet. Schüler und Lehrer haben sich per Unterschrift verpflichtet, gegen Rassismus anzugehen. Aktiv wurden sie bei einem Aktionstag mit vielseitigem Angebot: auf dem Programm standen Workshops zu Themen wie Rassismus, Gewalt oder Behindertenfeindlichkeit. Die Schüler konnten aber auch die Begegnung mit einem Holocaust-Überlebenden oder ein Selbstverteidigungstraining wählen. Die Idee zur Schule ohne Rassismus stammt aus Belgien. In Baden-Württemberg sind inzwischen 51 Schulen Teil des Projekts.

Schulneubau kommt

Das akute Platzproblem am Karl-von-Frisch Gymnasium am Höhnisch wird nun endlich durch einen Neubau gelöst. Ab dem Schuljahr 2011 sollen acht neue Klassenzimmer zur Verfügung stehen. Drei davon werden als Fachräume und Lehrerzimmer verwendet werden. Die übrigen fünf werden den derzeitigen Wanderklassen ein neues Klassenzimmer bieten. Dank des zusätzlichen Raums kann das Gymnasium so auch wieder mehr Schüler aus Kusterdingen aufnehmen, die bisher hinter den einheimischen Schülern anstehen mussten. Nach 2012, wenn der doppelte Abi-Jahrgang den Abschluss hat und die rückläufigen Schülerzahlen spürbarer werden, werden die neuen Räume voraussichtlich mit der angrenzenden Realschule gemeinsam genutzt werden.

Bildungspodium

Redakteure der Schülerzeitung “Frischer Höhnig” luden am vergangenen Mittwoch zur Podiumsdiskussion in das “Karl-von-Frisch-Gymnasium” in Dußlingen. Das Thema: Bildung im Allgemeinen und das dreigliedrige Schulsystem im Besonderen. Nach dem Scheitern der Schulreform in Hamburg in aller Munde: Längeres gemeinsames Lernen. Politiker aller im Landtag vertretenen Parteien konnten im Gespräch ihre Meinung darlegen. Und sie waren sich grundlegend einig: Längeres gemeinsames Lernen ist eine gute Idee. Nur über das “Wie” gingen die Meinungen deutlich auseinander. Die grüne Abgeordnete Ilka Neuenhaus plädierte für gemeinsames Lernen bis zu den jeweiligen Abschlüssen. Das deutsche Schulsystem lehnt sie ab. Rita Haller-Haid von der SPD hätte gern eine Mischlösung, bei der das alte System und Gesamtschulen nebeneinander existierten. Inwiefern das eine Änderung bedeuten würde, behielt sie für sich. CDU-Mann Röhm hatte eine pragmatische Lösung für das längere gemeinsame Lernen: Man sollte nach wie vor nach der vierten Klasse teilen, nur würde das gemeinsame Lernen dann bereits im Kindergarten beginnen. “Bestimmte Nationalitäten” könne man dann ja zum Kindergartenbesuch verpflichten. Das dreigliedrige Schulsystem wäre “in alle Richtungen durchlässig”, man brauche nur “mehr Bildungsbewusstsein bei manchen Nationalitäten”. Das Traurige an der ganzen Diskussion: Während Neuenhaus und Haller-Haid nur Landtagsabgeordnete sind, ist Röhm dagegen Schulleiter in Münsingen.

Geld, Macht und Liebe Römisches Recht am Tübinger Uhland-Gymnasium

Terra Uh heißt der Staat, der vor wenigen Wochen am Uhland-Gymnasium feierlich gegründet wurde. Am luxuriösen Leben im römischen Staat kann man in Eisdielen, Cocktailbars und Schönheitssalons teilnehmen. Um Rechtsfragen kümmert sich der römische Senat und für Liebe und Freundschaften gibt es das Standesamt “Armor – Rund um die Liebe”. Wer in den römischen Staat einreisen will, benötigt ein Visum und muss bei der Bank sein Geld in Terrataler eintauschen. Das Bankenwesen spielt in Terra Uh eine wichtige Rolle. Cora Strobel vom Organisationsteam erklärt, dass es ein Steuersystem gibt und jeder Betrieb Umsätze erzielt, die Geld in die Staatskasse spülen. Am Ende des Projektes werden 70% der erzielten Gewinne in Euro zurück getauscht und für gute Ziele wie die peruanische Partnerschule „Fe y Alegria“ gespendet. Die restlichen 30 Prozent werden unter den Schülern zurückgetauscht. Das Projekt „Schule als Staat“ endet am Samstag mit einem feierlichen Festakt vor der Schule. Alle Staatsbürger sowie deren Familien und Freunde sind zu der Feier eingeladen.