Thema verfehlt?
Am Montag war Internationaler Frauentag. Die Wüste Welle zelebrierte dies, indem die Frauen den Sender für den gesamten Tag übernahmen. In Tübingen wurde dieser ganz im Zeichen des Sports begangen. “Frauen: Bewegung” war das Motto. Der Gedanke dahinter war, sich einem Thema zuzuwenden, das bisher weniger Beachtung gefunden hätte. Immernoch wird Frauen im Sport weniger Aufmerksamkeit geschenkt, als ihren männlichen Kollegen. Selbst wenn sie diesen leistungsmäßig längst vorraus sind. Mann muss sich nur einmal die Statistiken der gerade zu Ende gegangenen Olympischen Winterspiele anschauen. Doch das sportliche Motto stieß auf jede Menge Kritik. Viele Frauengruppen beklagten, dass der internationale Frauentag ein politischer Tag sei und das zu legere Thema Sport von den tatsächlichen Problemen ablenke. Diskriminierung, Altersarmut und familiäre Gewalt rückten so in den Hintergrund.
Verbindungen schaffen
Für die Karriere sind Kontakte unerläßlich. Männernetzwerke funktionieren dabei über Verbindlichkeit, Frauen lassen sich durch berufliche und private Pflichten leichter von der Kontaktpflege abhalten, befand Tübingens Gleichstellungsbeauftragte Susanne Omran. Zum Frauentag wurden die vielfältigen Tübinger Anknüpfungspunkte für weibliches Netzwerken vorgestellt: 2 Orte dafür sind der Frauenbuchladen Thalestris, aber auch der Second-Hand-Laden „Trouvé“. Von Donnerstag bis Samstag abend hat das Frauencafé „achtbar“ im Fraurenprojektehaus geöffnet und einmal im Monat gibt es die Women After Work Veranstaltung. Unternehmerinnen und Frauen in selbständigen Berufen finden im Frauenwirtschaftswunder gemeinschaftliche Unterstützung. Der Härtengesundheitstag wird alljährlich von einem Netzwerk von Frauen, die im Gesundheits- und Pflegebereich tätig sind, organisiert. „Miss Marple´s Schwestern“ pflegen den bundesweiten Austausch. Für gemeinschaftliches Wohnen setzt sich die Beginenstiftung ein. Und dann ist da noch die Wüste Welle, die mit Frauenworkshops, Frauenhour und Frauenratschlag die Frauen ans Mikro holt. Genaueres gibts unter http://frauen.wueste-welle.de .
Nicht gierig genug ?
In einer aktuellen Umfrage geben 40 % der Frauen an, nichts mit Geld zu tun haben zu wollen. Das berichteten zumindest die beiden Autorinnen des Buches „Frauen und Geld“ bei ihrem Vortrag. anläßlich des Frauentages in der Rottenburger Kreissparkasse. Um dies zu ändern sei es wichtig, gekonnten Umgang von Frauen mit Geld sichtbar zu machen. Die Schere zwischen dem Einkommen von Männern und Frauen geht weiter auf – im Ländle sind es derzeit 28%. Die Ursachen lasteten die Referentinnen auch der mangelnden Frauenbewegung an.
Häuser für Frauen
Das Tübinger Frauenhaus feiert in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag. Seit März 1980 existiert der Verein „Frauen helfen Frauen“, der im gleichen Jahr das Tübinger Frauenhaus gründete. Mittlerweile ist es Tübingens einziges verbleibendes Frauenhaus – sein Ort ist natürlich streng geheim. Tausenden von Frauen haben sie in diesem Dritteljahrhundert geholfen, sei es nur für eine kurze Krise oder beim Beginn eines neuen Lebens. Bürokratie ist heute das größte Hindernis der Helferinnen – Frauen, die nicht Hartz4 beziehen, müssen heutzutage für ihren Aufenthalt selber zahlen, denn für sie gibt der Staat keine Zuschüsse mehr. Während die Gewalt an Frauen in den letzten 30 Jahren leider nicht abgenommen hat, nimmt die Zahl der Wohnungslosen in Deutschland stetig zu. Und so auch die Zahl der wohnungslosen Frauen. Hier möchte die Reutlinger Arbeiterwohlfahrt AWO nun Abhilfe schaffen. Geplant war das Projekt „Frauenzimmer“ schon lange, aber nun wird es Realität: In der Reutlinger Färberstrasse entsteht ein Haus, in dem wohnungslose Frauen Beratung und zeitweise Aufnahme erhalten können.
Neuer Fokus
Das Tübinger Institut für Frauengesundheit erschließt eine neue Zielgruppe für ihre Arbeit und Forschung. In den vergangenen Jahren hat es erfolgreich zu der Enttabuisierung von Themen wie Gebärmutterkrebs beigetragen und bei der Erforschung der Unterschiede zwischen Mann und Frau im Verlauf vieler Krankheiten mitgewirkt. Der neuen Fokus liegt jetzt auf Migrantinnen und älteren Frauen. Geplant sind Informationsbroschüren in den jeweiligen Muttersprachen der eingewanderten Frauen. Auch Genitalverstümmelung spielt im Zusammenhang mit Einwanderung eine große Rolle. Die Ärzte hier in Deutschland sollen beim Umgang mit diesem Thema Unterstützung erhalten.
Stammzellen gesucht
Für eine leukämiekranke Frau startet die Gemeinde Gönningen eine große Typisierungsaktion. Dabei wird hilfsbereiten Freiwilligen Blut entnommen. Die Blutproben könnten dann zu den Gewebemerkmalen der Leukämiepatientin passen. Wenn alles passt, kommt es zur Stammzellenspende. Das ist die einzige Überlebenschance bei Leukämie. Die Typisierung ist am 27. März in Gönningen.
Leider auch hier
Der ehemalige Nachhilfelehrer kann sich nicht recht erinnern an die paar Spielereien, die den Jungen vielleicht ja auch ganz recht waren. Eine große Freude waren ihm die Wallfahrten mit den Jugendlichen. Einer dieser Jungen lebt inzwischen im Kreis Tübingen und leidet mit 57 Jahren noch immer an den seelischen Folgen dieser Freuden. Er hatte Priester werden wollen und der ehrenamtliche Jugendamtsleiter der Gemeinde sollte ihm auf dem Weg zum dazu nötigen Abitur helfen. Strafrechtlich ist der Mißbrauch verjährt. 23 Verdachtsfälle sind der zuständigen Kommision der Diözese Rottenburg-Stuttgart bekannt. Die Betroffenen müßten selbst das Gespräch mit der kirchlichen Stelle suchen, erklärt der Vorsitzende der Kommission. Der Kirche mag der 57jährige aber nicht mehr vertrauen. Der Rottenburger Bischof Fürst argwöhnt eine Instrumentalisierung der Vorfälle, um die Stimme ders Christentums als eine im historischen Impuls und in der Botschaft humane, friedensstiftende und zum Frieden befähigende Religion zu verdrängen – nachdem es seinen Monopolcharakter bereits verloren hat. Dazu wäre zu bemerken, daß wer als Garant für Moral und Werte auftritt, die Überprüfung der Einhaltung dieser Vorgabe auch aushalten muß. Verpackungsschwindel ist auch bei anderen Firmen ein Fall für den Verbtraucherschutz.
Bildung statt Beton
Der Schülerrat der Freien Georgenschule in Reutlingen hat eine Bittschrift an Oberbürgermeisterin Barbaraq Bosch geschrieben. In dem Brief bitten die Schüler die Bürgermeisterin den jahrelang gewährten Zuschuss der Stadt an die freie Schule nicht erstatzlos zu streichen. Grund für die Einsparungen der Stadt ist ein erhebliches Loch im Haushalt durch den Ausfall von Steuern. Die Streichung des Zuschusses hätte eine Erhöhung des Schulgelds an der Georgenschule zur Folge. Die Schüler bitten die Bürgermeisterin daher zu bedenken, ob in junge Menschen zu investieren nicht zumindest ebenso wichtig ist wie in Beton.
Schulkunst in Reutlingen
In der Reutlinger Volkshochschule läuft seit vergangenen Freitag eine regionale Schulkunst-Ausstellung. Zu sehen sind Exponate rund ums Thema Begegnung. An der Ausstellung sind 22 Schulen beteiligt, auch Förder- Haupt- und gewerbliche Schulen.
Erstmal abreißen
Das Hörsaalzentrum auf der Tübinger Morgenstelle liegt in den letzten Zügen: Im Mai wird es zur Großbaustelle werden. Fast 7 Millionen Euro vom Land sind für den Umbau bewilligt worden. Die geplanten Umbauten sollen die Energieeffizienz und den Brandschutz verbessern. Wann die Bauarbeiten abgeschlossen sein werden, ist zur Zeit noch nicht bekannt.
Patenschulen in Nepal
Der Förderkreis Patenschulen unterstützt seit zehn Jahren Kinder in Nepal und Afrika. Ohne die Hilfe aus Kirchentellinsfurt könnten die Kinder nicht zur Schule gehen. Die Paten übernehmen das Schulgeld in Höhe von 40 Euro im Monat. Mitglieder des Fördervereins liefern das Geld direkt bei der Rektorin in Kathmandu ab.
Neues vom Boris
Boris Palmer wird uns Tübingern wohl als OB noch für eine Weile erhalten bleiben. In einem öffentlichen Statement verneinte er nochmals alle Gerüchte, das Amt des Oberbürgermeisters in der Landeshauptstadt Stuttgart anzustreben. Derweil wird wohl sein Arbeitstag eher noch länger werden: Er wird Aufsichtsratsvorsitzender der Windpark-Gesellschaft der Südweststrom GmbH. Bleibt zu hoffen, dass er sich mit Wind besser auskennt als mit Kohle. Dass er sowohl für saubere als auch für heisse Luft Experte ist, hat er ja schon bewiesen.

