Nachrichten vom 08.05.2010

Ins Abseits gestellt

Straßenhändlerinnen in Südafrika protestieren gegen die Zerstörung ihres Arbeitsplatzes. Im Zuge der Fifa Weltmeisterschaft 2010 soll genau dort ein modernes Einkaufszentrum errichtet werden, wo bislang die Straßenhändlerinnen ihre Stände haben. Der Warwick-Markt in Durban schafft circa 10.000 informelle Arbeitsplätze für vorwiegend weibliche Straßenverkäufer. Diese werden nun durch den Bau des neuen Einkaufszentrums zerstört. Dadurch würden die Frauen ihre einzige Einkommensquelle verlieren. Gerechtfertigt wird der geplante Bau dadurch, dass Afrika moderne Weltklasse-Städte braucht, wenn es ein internationales Großereignis, wie die WM 2010, ausrichtet. Sprich: Städte, die internationale Investitionen anziehen und wo man keine armen Menschen sieht. Der Warwick-Markt ist leider kein Einzelfall. Viele afrikanische Städte durchlaufen derzeit ein Modernisierungsprogramm. Dieser Politik wirken Organisation, wie StreetNet, entgegen. Sie fordern, die Armen nicht zu vertreiben, sondern zu integrieren. Denn viele Touristen kommen, um auf traditionellen Märkten einzukaufen. Nicht in Einkaufszentren. Außerdem liefern die Märkte den armen Menschen in der Umgebung frisches Obst und Gemüse zu erschwinglichen Preisen. Sie verursachen auch weniger Kosten und ökologische Probleme als ein modernes Einkaufszentrum. Die Kampagnen von Organisationen, wie StreetNet, haben bereits bei der WM 2002 in Korea dazu beigetragen, dass weniger Straßenhändler vertrieben wurden. Daher werden auch die afrikanischen Straßenhändlerinnen weiter protestieren.

Opfern eine Stimme geben

Aylin Korkmaz ist Überlebende eines Ehrenmordes. Allein diese Tatsache macht sie zu etwas besonderen. Denn kaum eine Frau überlebt ein solches Attentat. Am 21. Januar veröffentlichte sie jetzt ein Buch. „Ich schrie um mein Leben – Ehrenmord mitten in Deutschland“. Sie schreibt über das Thema Ehrenmord und ihre eigenen Erfahrungen damit. Über das, was ihr am 21. November 2007 widerfahren ist, als ihr Ex-Mann ihr nach der Arbeit aufgelauert hatte und sie mitten auf der Straße mit einem Messer lebensgefährlich verletzt hatte. Ihr Gesicht allein musste mit 230 Stichen genäht werden. Leider ist Aylin Korkmaz kein Einzelfall. Immer wieder kommt es in Deutschland zu Ehrenmorden an Frauen, die sich gegen die Unterdrückung der konservativen Familie und Ehemännern wehren. Denen missfällt der integrierte Lebensstil. Oft versuchen die Frauen sich aus Zwangsbeziehungen zu befreien. Das beleidigt in den Augen der Angehörigen die Ehre der Familie. Und oft wissen sie sich nicht anders zu helfen, als die Frau zu ermorden. Nur so kann in ihren Augen die Familienehre wieder hergestellt werden. Nach Schätzungen der UNO werden weltweit jährlich circa 5000 Mädchen und Frauen Opfer von Ehrenmorden. Die Dunkelziffer wird jedoch weit höher sein. Bis in die 90ger hinein galt der Ehrenmord nicht als Menschenrechtsverletzung. Erst nach Kampagnen wie „Ihre Freiheit – Seine Ehre“ wurde eine neue Perspektive erwogen. Aylin Korkmaz will mit ihrem Buch unterdrückten Frauen Mut machen und Opfern eine Stimme geben. Eine Lesung ihres Buchs findet in Tübingen am 15. April im Osiander in der Wilhelmstraße statt. Anschließend gibt es einen Vortrag zum Thema “Gewalt im Namen der Ehre”.

Neue Gesetze gefordert

Am 12. Februar verabschiedete der Bundesrat zwei Gesetzesentwürfe zu Zwangsheirat und weiblicher Genitalverstümmelung. Die Entwütfe sehen vor, dass sowohl Zwangsheirat als auch weibliche Genitalverstümmelung als eigene Tatbestände ins Strafrecht aufgenommen werden. Wenn man Zwangsheirat und Genitalverstümmelung hört, denkt man an islamische, indische und afrikanische Länder. Doch das ist ein Irrglaube. Denn auch in westlichen Ländern sind diese Verstöße gegen das Menschenrecht alltägliche Gefahren für Frauen. Studien zeigen, dass allein in Großbritannien jährlich 3000 Frauen gegen ihren Willen mit von der Familie vorherbestimmten Männern verheiratet werden. Die Genitalverstümmelung soll laut Gesetzesentwurf zusätzlich in den Katalog der Auslandsstraftaten aufgenommen werden. Damit könnten auch Genitalverstümmelungen strafrechtlich verfolgt werden, die während des Urlaubs im Ausland durchgeführt wurden. Um den illegalen Eingriff durchführen zu lassen, bringen Eltern ihre Töchter häufig in ihr Heimatland. Als Familienurlaub getarnt. Täglich werden 8000 Mädchen und Frauen an ihren Genitalien beschnitten. Sie werden lebenslang physisch und psychisch geschädigt sein. Weltweit sind etwa 150 Millionen Frauen betroffen. Der neue Gesetzesentwurf soll helfen, die circa 5000 gefährdeten Mädchen in Deutschland vor ihrem Schicksal zu bewahren. Es bleibt also zu hoffen, dass der Bundestag die neuen Gesetzesentwürfe akzeptiert und verabschiedet.

Vorbereitet zurück

Die Volkshochschule Tübingen bietet gezielte Kurse an, um Frauen den Wiedereinstieg in den Beruf nach der Familienpause zu erleichtern. In den Kursen erlangen die Frauen umfassende Computerkenntnisse und lernen moderne Büroorganisation, Buchhaltung und das richtige Bewerben. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt auf 12 Frauen. Das macht ein entspanntes Arbeitsklima und intensive Betreuung möglich. Schwierige Teilzeitmodelle und fehlende Kinderbetreuung erschweren den Wiedereinstieg in den Beruf. Frauen können sich durch diesen Kurs jetzt aber gewappnet fühlen, sich diesen Problemen zu stellen. Der nächste Kurs beginnt vorraussichtlich am 6. April. Nächere Informationen gibt es bei Susanne Christel an der Volkshochschule Tübingen.

Sportlicher Frauentag

Der heutige Internationale Frauentag steht in Tübingen ganz im Zeichen des Sports. Die Organisatoren haben ein Programm rund um das Thema Frauengesundheit, Bewegung und Gleichstellung der Geschlechter im Sport aufgestellt. Mit Volleyball und Stadtralley wird es den ganzen Tag sportlich zugehen. Der Abend endet mit einer Podiumsdiskussion zum Thema “Frauen im Männersport”. Zu Gast sind Frauen, die sich in Männersportarten etabliert haben. Mehr zum genauen Programm des Tübinger Frauentages gibt es nachher in unseren Veranstaltungstipps.