Wer wird’s
Am heutigen Montag, den 1. März wählt der Tübinger Gemeinderat ab 16:30 Uhr einen neuen Baubürgermeister. Vier Bewerber mit unterschiedlichen Konzepten und Visionen präsentierten sich vergangenen Mittwoch der interessierten Öffentlichkeit. Ein wichtiges Thema in Tübingen war und ist Schutz und Entwicklung der Altstadt. Drei der vier Kandidaten halten einen Ensembleschutz zum Erhalt der historischen Bausubstanz nicht für notwendig. Albert Dischinger will „in der Altstadt ruhig ein bißchen auf den Putz klopfen.“ Zeljana Holowitz warnt davor, der Altstadt eine Käseglocke überzustülpen. Einzig Cord Soehlke äußerte Sympathie dafür, die gesamte Altstadt unter Schutz zu stellen. Der langjährige Stadtsanierer ist mit den baulichen und politischen Verhältnissen bestens vertraut. Weitere Themen waren der Europaplatz und der Umgang mit privaten Investoren.
Unvollständig
Der Senat der Uni Tübingen hat den Jahresbericht 2009 veröffentlicht. In ansprechendem Design führen hier Rektorat und Unileitung die Erfolge des Jahres 2009 auf, die Qatna-Funde finden genauso Erwähnung wie auch die Weltethosrede von Friedensnobelpreisträger Erzbischof Desmond Tutu. Die Studentenproteste, die bereits im Sommersemester begannen, kommen nur in einem Nebensatz vor, in dem die Uni dazu beteuert, die Kritik bereits im Voraus erkannt und mit geänderten Studiengängen darauf reagiert zu haben. Man darf gespannt sein, ob die Hörsaalbesetzungen, Strassenaktionen und die 72-Stunden-Vorlesung des Wintersemesters im nächsten Jahresbericht einen prominenteren Platz einnehmen. Die Formulierungen in der Veröffentlichung weisen nicht darauf hin. Auch viele Professoren und selbst einige Mitglieder des Uni-Rats fanden ihre Wahrnehmung der Realität an der Uni in der Hochglanz-Werbebroschüre nicht wieder. Man erfährt absolut nichts über Defizite, Überfüllung und Nicht-Erreichtes. Ein Rechenschaftsbericht sieht anders aus und viele ärgern sich darüber. Zum Ausgleich dieses Mangels hatten schon die prostierenden Studierenden eine Lösung vorgeschlagen: Einen internen Jahresbericht für Lehrende und Lernende. Die Antwort von Rektor Engler: Er warte auf eine Initiative aus der Studentenschaft. Aber, so die Studenten richtig, das ist ja wohl nun wirklich seine Aufgabe.
Kritisches Beäugen
Die Planungen für den neuen Campus zieht weite Kreise: Nun meldete sich die Bürgerinitiative Univiertel zu Wort. Sie traf sich am vergangenen Dienstag zum Austausch und meldete Bedenken an, vor allem wegen der Pläne bezüglich neuer Verkehrsführungen. Die Überlegung, die Wilhelmstrassen und die Hölderlinstrasse in beide Richtungen befahrbar zu machen, erntete Kritik: Die Bürgerinitiative sieht das als einen Staumagneten, besonders an kleinen Einfahrten wie dem Lustnauer Tor. Noch ist nichts entschieden. Aber, so eine Sprecherin, es ging auch erstmal darum, möglichst viele Menschen an den kommenden Entscheidungen zu beteiligen.
Auf Ausbildungskurs
Für jungen Erwachsene in schwierigen Umständen gibt es noch bis Ende 2011 eine besondere Hilfe bei der Berufsausbildung. Carpo heißt das „Transferprojekt für assistierte Ausbildung in Baden-Würrtemberg“ der Diakonie Württemberg. Frühe Elternschaft, Sprachprobleme oder geschlechtsuntypische Berufswünsche sind einige der Gründe, die eine Berufsausbildung erschweren können. Carpo hilft bei der Berufswahl, der Suche nach einer Lehrstelle und steht auch während der Lehre den jungen Leuten beratend und vermittelnd zur Seite.
Wie wird’s gemacht
2008 hat sich Reutlingen’s Gemeinderat zum Kauf von fair gehandelten Produkten bekannt. Die Grünen haben sich nun nach der Umsetzung erkundigt. Die Stadt erklärte, dass alle Produkte den Blauen Engel oder das Ökolabel der Eu besitzen müssen. Außerdem müssen alle Händler nachweisen, dass die Produkte nicht in Kinderarbeit hergestellt werden. Kann der Nachweis nicht erbracht werden, wird die Zusammenarbeit mit dem Händler beendet.
Ein nicht ganz neuer Oberbürgermeister
Gleich zu Beginn: Wir wollen hier weder Sorge noch etwaige Freude schüren: Der Tübinger OB Boris Palmer bleibt uns erstmal noch erhalten. Aber Rottenburg hat sich knapp zwei Jahren einen neuen Oberbürgermeister gewählt. Sein Name ist Stephan Neher und er verrichtet seine Amtsgeschäfte seit mittlerweile 20 Monaten. Am vergangenen Freitag leistete er seinen Amtseid. Seine bisherige Arbeit findet sowohl Kritik als auch Anerkennung. Er hat versucht, Entscheidungsprozesse in der Verwaltung zu beschleunigen und wird als modern, aber traditionsbewusst bezeichnet. Er redet nicht über Visionen, sondern über Versprechen und Entscheidungen. Wenn man ihm überhaupt ein erklärtes Ziel ans Rever heften kann, so ist das am ehesten sein Streben, Rottenburg als Bischofsstadt touristisch besser zu positionieren. Na dann mal viel Glück, Herr Neher…
Prämierte FH
Die Reutlinger FH ist die „Internationale Hochschule 2010“. Dazu wurde sie vergangene Woche von einer Jury in Berlin gekürt. Der Preis ist mit 50000€ dotiert und wurde dieses Jahr erstmalig verliehen. 26 Hochschulen hatten sich um den Preis beworben. Reutlingen’s Konzept der Internationalisierung hat überzeugt und schließlich zum Sieg geführt. Unter den Konkurrenten, war dies die einzige FH.
Reutlinger Verkehrsplanung
Nachdem die Pläne der Reutlinger Baubürgermeisterin Ulrike Hotz betreffs der Verkehrsführung in der Oststadt auf einigen Unmut gestoßen waren, diskutierte die Stadt jetzt die neuen Überlegungen mit den Anwohnern. Große Hoffnungen ruhen auf dem Scheibengipfeltunnel, durch den man den Durchgangsverkehr leiten möchte. Allgemeine Erheiterung erregte der Vorschlag aus dem Publikum, die bisherige Einbahnstraßen-Regelungen weiterzuführen, denn „da werden viele abgeschreckt, weil sie sich nicht zurechtfinden.“ Aber auch wertvolle Informationen zu den neuralgischen Punkten des Straßennetzes kamen von den Anwohnern. Spätestens im Juni soll das neue Konzept vorgeschlagen werden.
Unterstützung gesucht
Die Initiative Lillebror in Waldorfhäslach unterstützt Kinder bedürftiger Eltern. Seit 2008 sorgen die acht Mitglieder des Vereins für Kleiderspenden, Schulranzen und ein kostenloses Schulfrühstück. Damit nicht genug, mit Kino- und Schwimmbadbesuchen soll den Kindern auch eine Möglichkeit zur gesellschaftlichen Teilhabe gegeben werden. So werden noch Paten für Kinderwünsche gesucht. Auch zwei neue Räume wären vonnöten, als Treffpunkt, Anlaufstelle und Lager für die Spenden. Bislang trägt die Gründerin Nicole Müllerschön die Verwaltungskosten und stellt die Räume in ihrer Privatwohnung. Wer Lillebror unterstützen möchte, findet weitere Informationen unter wwww.initiative-lillebror.de .
Mehr Rechte?
Das aktuelle Ausländerrecht war Thema eines Vortrags von Hans-Peter Welte. Er ist Experte für Ausländer- und Asylrecht. Bis 1965 galt noch die Ausländerpolizeiverordnung der Nazis. Das Einwanderungsrecht wurde schrittweise liberalisiert. Seit zehn Jahren gilt ein neues Staatsangehörigkeitsrecht, seit fünf Jahren ein neues Zuwanderungsgesetz. Die Grundrechts-Charta des neuen Lissabon-Vertrags der EU verbessere angeblich die Rechtslage von Migranten.

