Nachrichten vom 22.2.2010

Uni kürzt

In dieser Woche hat der Senat der Uni Tübingen eine neue Grundordnung veröffentlicht. Mit ihr tritt die lang diskutierte Neuordnung der Fakultäten in Kraft. Mit der neuen Struktur möchte die Uni die Verwaltungsprozesse verschlanken und die Kooperation zwischen den Disziplinen verbessern. Zum kommenden Semester wird es nur noch die Hälfte der Fakultäten geben. Bestehen bleiben die theologischen Fakultäten, sowie Jura und Medizin. Dazu kommen Großfakultäten für Geistes- und Kulturwissenschaften, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und Mathematik und Naturwissenschaften. Ob die Änderung wirklich die interdisziplinäre Kooperation verbessert und ob die Einzelbetreuung von Studenten unter den zu erwartenden Stellenstreichungen leiden wird, muss die Zeit zeigen.

Barrierefreie Klinik

Die BG-Klinik hat eine neue Station für Querschnittsgelähmte gebaut. Diese konnten jetzt von einem Nebentrakt in den Hauptbau umziehen. Die Rollstuhlfahrer haben jetzt Böden mit niedrigem Rollwiederstand, größere Nasszellen und DSL in Bettnähe. Die Zimmer sind heller und haben alle einen Deckenlift. Die 3 Millionen Euro teure Station mit zwei Chefärzten bietet 26 Patienten Platz.

Ein-Euro-Job zu teuer

Die Beschäftigungsgesellschaft InTro in Rottenburg organisiert Arbeit für Menschen mit Ein-Euro-Jobs und ähnlichen Beschäftigungsmaßnahmen und vermittelt diese in soziale Dienste. Unter anderem betreut InTro einen Rottenburger Senioren-Fahrdienst, der alte und kranke Menschen zum Arzt fährt, ihnen Essen bringt und sie zur Tagespflege bringt und wieder abholt. Neben anderen Einrichtungen ist nun auch dieser Fahrdienst in Rottenburg gefährdet, denn das Jobcenter hat die Mittel für diese Jobs gekürzt. Ein Drittel der insgesamt 52 Stellen bei InTro müssen somit wegfallen. Die Kürzungen betreffen alle Bereiche der Gesellschaft, aber nur der Fahrdienst muss ersatzlos gestrichen werden.

Big Brother fährt Zug

Fast alle Züge der Hohenzollerischen Landesbahn auf der Strecke Tübingen-Sigmaringen sind jetzt videoüberwacht. Vier Kameras in unscheinbaren Plexiglashalbkugeln sind in jedem Triebwagen. Sie zeichnen alle Ereignisse im Fahrgastraum auf und speichern sie im Schaltschrank des Wagens. Die Daten werden nach 72 Stunden automatisch gelöscht, sofern kein strafbares Verhalten angezeigt wird. Schilder an den Eingängen weisen auf die Zugüberwachung hin. Die 150 000 Euro teure Investition soll abschrecken und Sicherheit vermitteln. Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung gilt in der Hohenzollerischen Landesbahn nicht mehr. Insgesamt drei Mitarbeiter des Unternehmens sichten die Daten der gläsernen Fahrgäste. Diese wissen über den Schutz ihrer personenbezogenen Daten nicht Bescheid.

Kränkelnder Pharao

Reichtum ,Glück und Schönheit. Das strahlt die Mumie des Kinderkönigs Tutanchamun eigtenlich aus. Der Tübinger Humangenetiker Dr Carsten Pusch hat nun zusammen mit einem Forschungsteam etwas anderes herausgefunden: der junge König lief an Krücke, hatte Malaria und Knochennekrose und einen Klumpfuß.“Er ist eigentlich ein armer Junge“, so Pusch. Der Tübinger Genforscher ist der Leiter des Forscherteams in Kairo und hat anhand von DNA –Analysen viel Neues herausgefunden. Zum Beispiel wer die Mutter von Tutanchamun war, nämlich die Schwester des Vaters. Nun erforscht das Team die Stammbäume der Pharaos. Das Projekt ist also gerade erst am Anfang und soll noch eine ganze Menge neue Details zum Vorschein bringen.

Kontakladen hilft

Der Tübinger Kontaktladen, kurz Kola, ist die Anlaufstelle für Tübingens Drogenabhängige. Im vergangenen Jahr kamen über 10 000 Besucher. In diesem Jahr nun hat die Stadt ihren Etat für den Kola erhöht. Nun hat er auch Montags geöffnet und eine neue Mitarbeiterin ist hinzugekommen. Die Mitarbeiter haben jetzt die Möglichkeit, die Betreuung für die bis zu 80 Besucher täglich, zu verbessern. Ihre Hauptaufgabe liegt darin, die Leute zu integrieren, ihnen beim Drogenausstieg zu helfen und mit ihnen den Papierkram zu erledigen.

Lightshow im Steinlachtal

In zwei Gemeinden im Steinlachtal hat die Fair Energie Reutlingen eine Teststrecke für LED Straßenlaternen eingerichtet. Diese sind besonders energiesparend und umweltfreundlich im Vergleich zu herkömmlichen Straßenlaternen. Die weit verbreiteten Quecksilberdampflampen enthalten Giftstoffe und sind ineffizient. Gomaringen testet jetzt 12 LED-Lampen von sechs verschiedenen Herstellern in der Praxis. Die LED-Technik ist noch wenig erprobt und relativ teuer. Dafür leuchten sie hell, sind stromsparend und haben eine lange Lebensdauer. Für viele Gemeinden ist die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED deshalb ein Thema.

Spenden für Benin

Was bei uns als unbequem gelten würde, ist im westafrikanischen Benin ein begehrter Komfort: 30 Schulbänke hat die Kusterdingerin Birgit Kirchner für das Heimatdorf ihres Lebensgefährten organisiert. Bislang saßen die Kinder dort auf dem Boden. Mit Glühwein und Trödel sammelte sie 300 € Spenden und ließ von einem dort ansässigen Schreiner die Bänke fertigen. Wer Birgit Kirchner bei ihrem Engagement unterstützen möchte, kann sich an sie wenden: 07071 / 36 97 43.

Eltern gegen Kirche

Im September soll das neue Kinderhaus Mühlenviertel eröffnet werden. Wenn es nach der Stadt geht, soll die evangelische Kirche der Träger werden. Beworben hat sich unter anderem auch der freie Träger Kokon – eine gemeinnützige GmbH. Die meisten Eltern stellen sich aber gegen die Kirche, weil damit neue Betreuer in die Gruppe kämen, was sie den Kindern nicht zumuten möchten. Heute findet zum Thema eine Sitzung im Rathaus am Marktplatz in Derendingen statt. Um 17.30 wird es losgehen.

Klinisch rein

Völlig unbrauchbar findet der Betzinger Labormediziner Rudolf Seuffer den Reutlinger Muster-Hygieneplan für Schulen und Kindergärten. Er zeichnet ein alarmierendes Bild dieser, Zitat: “extremen Vermehrungszentren von Infektionskrankheiten.“ Zur Rettung fordert er Peressigsäure in Desinfektionsmittelspendern für alle Waschgelegenheiten. Nicht nur die Türklinken, alle Oberflächen, mit denen Personen in Berührung kommen, müssen täglich desinfiziert werden. Luftgüteampeln sollen außerdem den Zustand der Atemluft in den Räumen anzeigen. Zur perfekten Überwachung könnten Schüler und Lehrer den Hausmeister per PC informieren. Da wundert es doch, daß bislang noch keine Massenepedemien ruchbar wurden.