Nachrichten vom 15.02.2010

Die weiße Last

Jedes Jahr wünschen wir uns weiße Weihnachten und jeder von uns hat sich schon mehr als einmal darüber beschwert, dass es keine richtigen Jahreszeiten mehr gibt. Über einen zu milden Winter kann sich nun in diesem Jahr wirklich keiner beklagen: Seit Jahren hat Deutschland nicht mehr so viel Schnee gesehen. Was die Freude der Kinder mit ihren Schlitten ist, kann für den Autofahrer oder einen auf den Bus wartenden Pendler schon mal schwer an die Nerven gehen: Ein Problem mit diesem Winter, das in ganz Deutschland besteht, hat nun auch Tübingen erreicht: Die Salzvorräte gehen zur Neige. Noch etwa 300 Tonnen haben die Stadtbaubetriebe auf Lager, das reicht grade mal für drei weitere harte Wintertage. Wann Nachschub zu erwarten ist, weiß niemand so ganz genau. Die Salzpreise haben überall immens angezogen und viele Lieferungen bleiben aus. Aus diesem Grund werden nun in Tübingen nur noch Hauptstrecken gestreut, die Nebenstrassen bleiben außen vor. In Reutlingen, wo das bereits seit geraumer Zeit praktiziert wird, ist ein extremer Anstieg kleinerer Unfälle und Bagatellschäden zu verzeichnen. Bisher wurden aber keine Personen ernsthaft verletzt. Man kann nur hoffen, dass das auch in den kommenden Tagen, in denen weiterhin mit Schnee gerechnet werden muss, so bleibt. Solange können wir uns nur über einen teils anstrengenden, aber richtig schönen Winter freuen.

Neues Domizil

Das Gemeindepsychiatrische Zentrum in Reutlingen ist umgezogen. Das bisherige Domizil, das Krankenhäusle auf dem Bruderhausgelände war schon lange zu klein geworden, außerdem war die Nähe zur Stadthallenbaustelle untragbar für das lärmempfindliche Klientel. Im neuen Domizil in der Gustav-Werner-Straße 25 sind nun endlich alle Dienste unter einem Dach: das Kontaktcafé, die psychiatrische Institutsambulanz, der sozialpsychiatrische Dienst, sowie Angebote zur Tagesgestaltung und die Verwaltung der betreuten Wohn-Angebote der Bruderhaus-Diakonie.

Zocker statt Cowboys

Aus dem “Buffalo Bill” wird jetzt entgültig ein Zockerparadies. Das Western-Lokal gegenüber des Pfäffinger Bahnhofs soll zu einer Spielhalle umgebaut werden. Die Pächter Yvonne Di Censo und Uwe Strübing wollen mittlerweile auch raus, da der Beitzer monatlich 4500 Euro Pachtgebühr verlangt, sich aber nicht um die nötigen Sanierungen kümmere. Spätestens am 11. April wird das Lokal zum letzten mal geöffnet haben. Di Censo und Strübing planen einen Umzug, auf ein eigenes Baugrundstück. Zwischen Edeka-Laden und dem geplanten lidl-Markt in Pfäffingen soll das “Buffalo Bill” neu geöffnet werden. Mit Biergarten, Terrasse und Kinderspielplatz soll es noch schöner werden, sagte Di Censo. Ausserdem soll ein Bistro angeschlossen werden, das auch tagsüber geöffnet hat, und abends könnte es wieder live-konzerte geben.

Bye-Bye Egeria

Jetzt steht auch der Termin fest: Spätestens im April sollen die Abbrucharbeiten beginnen und bis Ende Juli soll es leer geräumt sein, das vier Hektar große ehemalige Werksgelände der Firma Egeria. Einzig das Verwaltungsgebäude nördlich der Nürtinger Straße soll in das neue Nutzungskonzept eingefügt werden. Die Abbruchfirma Teufel machte der Stadtverwaltung dazu ein teuflisch gutes Asngebot: mit 1,06 Millionen € blieben sie 400 000 € unter der veranschlagten Summe. Na dann bleibt ja zu hoffen, daß es so preisgünstig weitergeht für den krisengebeutelten Stadtsäckel …

Dörfer ins Netz

Wendelsheim und Rottenburgs Neckar-Stadtteile sind nun endlich auch in der Zukunft angekommen. Ab Mitte des Jahres, wenn alles klappt, sollen alle Einwohner an das DSL-Netz angeschlossen sein. Nach einer Ausschreibung bekam NeckarCom, eine Tochter von EnBW, den Zuschlag. Seit letzter Woche werden nun die technische Fragen geklärt und die Stadt hat bereits die Aufträge für die Tiefbauarbeiten ausgeschrieben.

Radio-Fasnet

Jugendliche Reporter waren am schmotziga Daurschdig, dem schmutzigen Donnerstag, in Rottenburg fürs Freie Radio unterwegs. Sie sammelten O-Töne und machten Interviews mit OB Stefan Neher, dem Jugendpolizisten Germann und mit dem AK Suchtprophylaxe. Exzessiver Alkoholkonsum bei der Fasnet und dessen negative Folgen kamen dabei genauso zur Sprache wie die Frage nach bekannten Fasnetsliedern und persönlichen Ritualen. Die Ergebnisse der Radiofasnet sind am Montag um 15 Uhr und am Mittwoch um 16 Uhr im Freien Radio zu hören.

Keine Gewalt

Wie man richtig streitet und Gewalt verhindert lernten Schüler der Mathilde-Weber Schule zwei Tage lang. Das EU-geförderte Projekt zur Gewaltprävention in Teenagerbeziehungen heißt Herzklopfen. Pädagogen der Tübinger Vereine Pfunzkerle und Tima diskutierten mit den Klassen gute und schlechte Verhaltensweisen im Streit. Die Jugendlichen sollen lernen, Warnzeichen für aufkommende Gewalt zu erkennen. Zum richtigen Streiten gehört eben auch, dass man sich wieder verträgt.

Streitkultur

Am vergangenen Dienstag wurde in der Aula des Mössinger Quenstedt-Gymnasiums kultiviert gestritten: Schülerische Debattierclubs sahen eine Sternstunde, als acht Schüler und Schülerinnen wortgewaltig um den Einzug ins Landesfinale von „Jugend debattiert“ stritten. Das Thema war „Sollen körperlich behinderte und nicht behinderte Kinder zusammen unterricht werden?“ Bei den Älteren gewann Emanuel Stützner knapp vor Ann-Kathrin Schewe, bei den Jüngeren hatten Micha Deutschmann und Fabian Bumiller die Nase, bzw. die Schnauze vorn. Alle vier dürfen nun auf eine „Bürgerfahrt nach Berlin“ gehen.

Metal in Mössingen

Vier Junge Musiker aus Mössingen organisieren seit letztem Jahr ein Metal-Festival im Jugendhaus M. Das „Dark Autumn Festival war der Erstling, im März folgt nun „Dark Spring“, mit regionalen sowie nationalen Bands. Die vier Jungs zwischen 16 und 19 organisieren alles selbst, vom Flyer bis zum Catering. Ein finanzielles Risiko tragen sie aber nicht. Die Stadt stellt nämlich ein Etat, mit dem die Kosten gedeckt werden.

Bericht aus Bangladesch

Ute Ludwig aus Hirschau engagiert sich jetzt seit acht Jahren für Bangladesch. Sie unterstützt seit 2002 das Projetzt “Ein Leben lang genug Reis”. Um sich selbst ein Bild zu machen, war die Musiklehrerin jetzt vor Ort. Ihr Bericht zeigt, wie genau man hinsehen muss, um die Wirkung der Entwicklungshilfe beurteilen zu können. Wohlstand kann in einem Land wie Bangladesch schon bedeuten, wenn eine Familie ein wasserdichtes Dach oder einen Sack Reis als Vorrat hat. In der Hirschauer Christuskirche zeigte Uta Ludwig Bilder von ihrer Reise. Die Entwicklung bestehe schon darin, wenn eine Familie ein Huhn hat, das Eier legt, sagte Uta Ludwig.