Das beliebte Jugend-Politik-Festival Ract! muss in kommenden Sommer von seinem Veranstaltungsort im Anlagenpark weichen. Das hatte der Gemeinderat entschieden und damit dem WM-Park der Tübinger Gastronomen den Vorzug gegeben.
Das ist mittlerweile soweit bekannt und hat auch hohe Wellen in Tübingen geschlagen. Denn ein von Jugendlichen organisiertes politisches Musikfestival zu streichen, um einer rein kommerziellen Veranstaltung wie Public Viewing den Vorzug zu geben, liegt vielen Tübingern schwer im Magen. Einer der Gründe für die Entscheidung des Gemeinderats war eine Erklärung von Boris Palmer, dass es für das Ract! vielfältige Ausweichmöglichkeiten wie den Festplatz oder den Alten Botanischen Garten gäbe. Der Festplatz hat sich mittlerweile als unmöglich herausgestellt, da dort nicht ausreichend Infrastruktur zur Verfügung gestellt werden kann und er auch für die fragliche Zeit bereits voll ausgebucht ist. Somit beschränken sich die „vielfältigen Möglichkeiten“ nun auf eine einzige: den alten botanischen Garten. Auch dort kann aber das Festival nun nicht, oder nur unter sehr beschränkten Bedingungen stattfinden. Und diese sind teilweise bizarr: Dass im sogenannten „Bota“ weniger Platz zur Verfügung steht, ist klar. So könnte statt der gewohnten drei Bühnen nur eine aufgestellt werden und auch für Besucher wäre erheblich weniger Platz. Das Ract! hat in den letzten Jahren bis zu 30.000 junge Besucher angelockt. Bernd Selbmann, der Leiter des Bau- und Vermögensamts forderte dazu eine Einzäunung des gesamten Parks inklusive einer Sperrzone, die nicht für das Festival genutzt werden dürfte. Somit würden wohl mindestens zwei Drittel der zu erwartenden Gäste abgewiesen werden müssen. Und die Lösung dafür ist der eigenartigste Vorschlag überhaupt: Um weniger Gäste anzulocken, dürften die Veranstalter das Festival nicht mit dem etablierten Namen „Ract“ bewerben, sondern müssten es umtaufen. Für die jugendlichen Veranstalter des Festivals ist das natürlich absolut keine Option, womit das Stattfinden wieder grundsätzlich gefährdet ist.
Rainer Kaltenmark vom Tübinger Ordnungsamt will sich nun dafür einsetzen, das Festival doch wieder an den Anlagensee zu bringen – allerdings eine Woche früher. Woher dann die Helfer für das Festivalwochenende kommen sollen, ist den Veranstaltern allerdings noch unklar, denn der Termin liegt in den Schulferien und viele Schüler werden nicht da sein. Damit ist beim Thema „Ract! 2010“ wieder alles offen.
(Quelle: tagblatt.de)


