Nachrichten vom 25.01.2010

Überlebenskampf

130 Arbeitsplätze hängen am seidenen Faden. Automotive Lightning (AL) steht kurz vor einem Einstieg in den Ausstieg. Die Produktion ist soweit zurück gegangen, dass sich die Preise einzelner Produkte fast verdreifacht haben. Dem könne man entgegenwirken, wenn die Produktion ins Ausland verlagert werden würde. Der Betriebsrat und die Gewerkschaft wehren sich dagegen mit einem Warnstreik am Dienstag und einer Urabstimmung am Donnerstag. Immerhin sollen in Reutlingen die Entwicklung, der Werkzeugbau, das technologische Kompetenzzentrum und die Zentralfunktionen bleiben. 720 minus 130, so könnte vielleicht bald das Ergebnis der Mitarbeiter des Konzerns lauten… Bleibt abzuwarten.

Hilfe für Haiti

An Dreikönig bebte in Haiti die Erde. Die Ärztin Anke Brügmann aus Wurmlingen war mit einem Jungen aus dem Waisenhaus auf dem Weg nach Port-au-Prince. Von dort wollte sie weiter nach Kuba, um den Jungen operiern zu lassen. Zu ihrem Glück kamen sie erst nach dem Erdbeben an. Für die Unterstützung der Opfer erbat die Ärztin 40 000 Dollar von dem Vereinskonto „Pwojé men kontre Haiti-Deutschland e.V.“. Den Verein gründete sie selbst im Jahre 2002. In Beaumont (150km westlich der Hauptstadt) baute sie mit Hilfe des Vereins ein Waisenhaus und eine Schule auf. Mit gemieteten Lastwägen wurden mittlerweile 300 Leute aus Port-au-Prince gebracht. Aber es gibt immer noch Verletzte und weder Essen noch Trinken. Die Internetadresse des Vereins ist www.menkontre.de Wer spenden möchte findet dort weitere Informationen.

Untergang im Mainstream

Zum Themenfokus „Matriarchat“ des Terre des Femme Filmfestes „Frauenwelten“ gab es einen solchen Ansturm auf das Kino Arsenal, daß etliche knapp zu spät Gekommene draußen bleiben mußten. Aber das war eine Ausnahme. Im letzten Jahr spülte der werbegewaltige Mainstream 16 % mehr Zuschauer in die Kinos als im Vorjahr. Daß die Lammschen Lichtspielhäuser in Tübingen nur zum Teil von diesem bundesweiten Trend profitierten, lag an Volker Lamms zweitem Standbein: das Arthaus-Kino erlitt große Einbußen. Nur ein künstlerisch anspruchsvoller Film schaffte es zum Publikumserfolg: „Slum-Dog-Millionair“, die meisten anderen gingen in der Hollywood-Flut unter – vor allem zum Nachteil von Arsenal und Atelier. Aber es gibt einen Silberstreif am Horizont des Jahres 2010 : die preisgekrönte Sozialkomödie „Soulkitchen“ von Fatih Akim hatte in Tübingen bereits 7000 Zuschauer.

Aktionsbündnis regionale Bio-Milch

Das Aktionsbündnis regionale Bio-Milch setzt sich für ein neues Milchwerk in Tübingen ein. Mit-Organisator Christian Eichert rechnet damit, dass Ende des Jahres die Produktion steht. Die Verknüpfung von Stadt und Land ist eines der Hauptanliegen des Projektes. Es sei ein Gegengewicht zu den Entwicklungen auf dem Lebensmittelmarkt und schaffe Verständnis für die landwirtschaftliche Realität.

Geschützte Gemäuer

Im Frühjahr 2010 wäre es fast soweit gewesen. Ein Bauherr wollte ein historisches Altstadtgebäude abreißen um es dann im alten Format wieder neu aufzubauen. Erst nach langen Verhandlungen und einem Zuschuss der Stadt konnten zumindest die alten Mauern erhalten werden. Gerichtlich hätte die Stadt keine Handhabe gehabt. Um sich nun besser rechtlich zu schützen, plant die Stadt eine neue Satzung nach dem Denkmalschutzgesetz. Alle Stadtbild-prägenden Gebäude sollen erfasst werden. Falls der Gemeinderat zustimmt kann die Änderung bereits dieses Jahr in Kraft treten.

Darwin rocks!

Am Donnerstag wurde im Reutlinger Naturkundemuseum die Sonderausstellung “Evolution unterwegs” eröffnet. Und spätestens bei der anschließenden Vorführung des ebenso titulierten Videos wurde klar: “Darwin rocks!”. Das Ziel der aus einem Ideenwettbewerb anlässlich des vergangenen Darwin-Jahres hervorgegangenen Wanderausstellung ist es, die Evolutionstheorie so anschaulich und interessant wie möglich zu gestalten. So besteht sie nun aus zehn teils interaktiven Stationen und einem kleinen Kino- und man kann sich Original- Exponate von den Expeditionen des Forschers und Auszüge aus seinem Logbuch ansehen. Wer möchte, kann an der Station „Selektion und Adaption“ unter anderem sogar ein Computerspiel spielen. Doch es dreht sich nicht nur alles um die Entstehung der Arten sondern unter anderem auch um Evolutionsgedanken an sich- z.B. auch im Bereich der Technik. Bis 18. April kann die Ausstellung noch im Naturkundemuseum besucht werden- und für alle interessierten Lehrer hier noch ein kleiner Hinweis: Als Unterrichtsbegleitung für Schüler ab der 5. Klasse können sogenannte “Evolutionskoffer” mit entsprechendem Material ausgeliehen werden.

Studie für Schule

Neudeck, das ist der Name, den mittlerweile jeder mit Friedensmissionen in Verbindung bringt. Rupert Neudeck ist der Vorsitzende des Vereins “Grünhelme” und kam auf Einladung von Felicia Langer und Oberbürgermeister Boris Palmer nach Tübingen und berichtete über seine Mission in Afghanistan. Eine Schule kostet beispielsweise gerade mal 40000 Euro, soviel kostet in Deutschland gerade mal die Studie, die ermittelt, ob eine Schule überhaupt nötig wäre, erklärte Neudeck seinen circa 50 Zuhörern. Die Einstellung der Afghanen gegenüber den Deutschen sei äußerst positiv und die Erwartungen an die Bundesrepublick seien groß. Neudeck sagte: “Viele Afghanen reklamieren für sich sogar den Erfolg der deutschen Einheit – weil sie im Jahr 1989 die damalige UdSSR besiegt haben.”

Belohnung für Ehrenamt

Für ehrenamtlich tätige Schülerinnen schrieb der Zonta Club einen Wettbewerb aus. Der Zonta Club ist ein Zusammenschluss von berufstätigen Frauen. Dotiert wurde der Preis mit 250 €. Außerdem kann die Gewinnerin bei weiteren Wettbewerbs-Runden teilnehmen. Mitmachen können alle Schülerinnen zwischen 16 und 18Jahren aus den weiterführenden Schulen im Landkreis. In den Sekretariaten der jeweiligen Schulen gibt es die Unterlagen zur Anmeldung. Bewerbungsschluss ist der 30.Januar.

Hinter dem Vorhang hervor

Lange Jahre lag Albanien, wie der Rest des Ostblocks, von Westeuropa aus gesehen hinter einem Eisernen Vorhang. Und auch die Öffnung nach Westen hat für das osteuropäische Land lange gedauert. Erst im vergangenen Jahr ist Albanien in die Liste der Länder des Europäischen Freiwilligendienstes (EFD) aufgenommen worden. Dieses von der EU finanzierte Programm ermöglicht jungen Europäern zwischen 18 und 30 Jahren ein Jahr Aufenthalt im europäischen Ausland. Die jungen Leute engagieren sich in dieser Zeit in sozialen Projekten. Ziel des EFD ist, „die aktive Europäische Bürgerschaft sowie das gegenseitige Verständnis unter jungen Menschen zu fördern“. Das Jugendbüro Neustetten hat nun seit diesem Jahr eine junge Helferin aus Albanien. Die 24-jährige Elona hat Sozialarbeit studiert und musste einige bürokratische Hürden überwinden, um für ein Jahr Freiwilligenarbeit nach Deutschland zu gelangen. In ihrer Freizeit fährt nach Rottenburg oder Tübingen, trifft sich dort mit Freundinnen, geht ins Kino oder ins Café. Sie hat schnell Anschluss gefunden und fühlt sich sehr wohl hier. Nach dem EFD-Jahr hofft sie, hier in Deutschland ihren Master in Pädagogik zu machen und hier auch einen Job zu finden. Denn in ihrer Heimatstadt Tirana ist es sehr schwer, als Sozialarbeiterin eine Anstellung zu finden. Doch nun wird sie erstmal noch in Neustetten die Jugendarbeit unterstützen.

Spenden auf Augenhöhe

Eine neunköpfige Delegation des evangelischen Kirchenbezirks Tübingen war in Kamerun zu Besuch und erfuhr, dass sie nun zwei neue Partnerbezirke haben: East Mungo South und West. Außerdem wollten sie wissen, was mit den Tübinger Spendengeldern gefördert wird. Ein großer Teil floss in ein Projekt, das Witwen finanziell bei einer Existenzgründung unterstützt. Auch werden Gelder für den Bau von Schulen und Kirchen verwendet. Wichtig für die Spender war es, dass es bereits existierende Projekte sind, die gefördert werden. Die Menschen sollen nicht als bloße Hilfsempfänger dienen, sondern aktiv mitarbeiten, in ihren bekannten Strukturen. „ Man soll sich auf Augenhöhe begegnen“, sagte Klaus Dieter Nikischin, Leiter des Kamerun-Arbeitskreises.