Kommt die Kunst zu kurz?
Paul Cézanne, Edgar Degas und Pablo Picasso zählten bereits zu den ausgestellten Werken in der Tübinger Kunsthalle auf der Wanne. Doch was ist aus dem städtischen Abteil geworden? Eine Stiftung die jährlich 465 000 Euro an Zuschüssen verschluckt und noch nicht einmal transparent genug ist, dem Steuerzahler gegenüber zu zeigen, was mit den Mitteln passert. Götz Adriani, der Leiter der Kunsthalle verneint die Nachfrage, ob das Geld zur Kapitalaufstockung verwendet wurde. Doch die AL-Gemeinderatsfraktion lässt nicht locker, es scheint, als würden mehr Staatsgelder in die Stiftung fließen als nötig seien und das wollen die Mitglieder ändern. Solange Adriani nicht offen genug über den Verbleib der städtischen Zuschüsse redet, drohen der Kunsthalle Kürzungen.
Filmtage unter neuer Regie
In den fünfziger und sechziger Jahren hatte Deutschland einen Star, der selbst in Hollywood neben Yul Brynner, Steve McQueen und Charles Bronson spielte: Horst Buchholz, genannt „Hotte“. Sein Sohn Christian Buchholz wurde nun zum neuen Leiter der Französischen Filmtage gekürt. Allerdings nicht ohne Aufruhr hinter den Kulissen: die Kulturamtsleiterin und der OB hatten Bedenken gegen den Kandidaten. Welcher Art diese waren, wurde nicht bekannt. Buchholz´ Vorgängerin Andrea Wenzek hatte den Trägerverein aus einer finanziellen Fast-Havarie wieder in ruhigere Gewässer geführt. Der neue Leiter will nun den Aspekt „Fest“ des Festivals mehr betonen. Es soll mehr Workshops und Diskussionen geben und das Ereignis soll hinausgetragen werden auf die Straßen und mit der Geschäftswelt und anderen Kulturinstitutionen in Verbindung treten. Christian Buchholz ist deutscher, französischer und amerikanischer Staatsbürger. Er arbeitet als Schauspieler und Filmemacher. Er hat eine kleine Produktionsfirma und viele Kontakte auch in der französischen Kinoszene.
Geschützte Gemäuer
Im Frühjahr 2010 wäre es fast soweit gewesen. Ein Bauherr wollte ein historisches Altstadtgebäude abreißen um es dann im alten Format wieder neu aufzubauen. Erst nach langen Verhandlungen und einem Zuschuss der Stadt konnten zumindest die alten Mauern erhalten werden. Gerichtlich hätte die Stadt keine Handhabe gehabt. Um sich nun besser rechtlich zu schützen, plant die Stadt eine neue Satzung nach dem Denkmalschutzgesetz. Alle Stadtbild-prägenden Gebäude sollen erfasst werden. Falls der Gemeinderat zustimmt kann die Änderung bereits dieses Jahr in Kraft treten.
Alternative Ansätze
Dass Frontalunterricht in großen Klassenverbänden nicht die wirksamste und beste Form von Schule ist, weiß mittlerweile fast jeder. Und auch ohne ein Pädagogikstudium kann man sich ableiten, woran das wohl liegen mag. Es sind eben nicht alle Kinder gleich und während der eine junge Mensch vielleicht Algebra ohne Probleme begreift, kann der andere damit Probleme haben. An der Tübinger Geschwister-Scholl-Schule wird nun individuell und gemeinsam gelernt und gelehrt. Erweiterte Kooperation, oder kurz „ErKo“ heisst dieser neue Schulversuch an mehreren Freien Schulen in Baden-Württemberg. Der Ansatz ist, individuelle Lernangebote innerhalb einer Klasse zu bieten, die sonst in Hauptschüler, Realschüler und Gymnasiasten aufgeteilt wäre. Mit ingesamt 100 Schülern in vier Versuchsklassen wird auf der GSG das Modellprojekt durchgeführt und zeigt bisher großen Erfolge. Doch dieses gezielte Lernen bringt auch höhere Betreuungskosten mit sich und wird somit auf mittlere Sicht nicht an vielen anderen Freien Schulen eingeführt werden können. Denn die Freien und privaten Schulen erhalten in Baden-Württemberg erheblich weniger Förderung als die öffentlichen. Deshalb gab es vergangene Woche auch wieder eine von vielen Demonstrationen von Lehrern, Schülern und Eltern in Stuttgart. Gefordert wurde hierbei vor allem, dass die Landesregierung aus CDU und FDP ihre Wahlversprechen einhält. Die haben in ihrem Koalitionsvertrag eine deutliche Erhöhung der Förderung stehen. Nur haben die Schulen davon bisher noch keinen Cent gesehen.
Neue Tagestätte
Auf dem Gelände der Sophienpflege in Pfrondorf wurde eine landesweit einzigartige neue Tagesstätte für Erwachsene mit Autismus eröffnet. Diese soll zukünftig jungen Erwachsenen mit schwerer autistischer Behinderung die Möglichkeit der Betreuung durch Sozialpädagogen und Honorarkräfte bieten. Doch erst, wenn sich sechs bis acht Teilnehmer finden, wird sich die momentan noch vorhandene Finanzlücke schließen können – weshalb finanzielle Unterstützung höchst willkommen ist. Wer mithelfen möchte, kann das über das Spendenkonto 131 61 33 bei der KSK Tübingen. Weiterhin ist man augenblicklich noch auf der Suche nach einem Kleinbus für die Anfahrt zur Tagesstätte. Wer einen solchen zur Verfügung stellen kann und möchte, kann sich per Email an info@verein-lebensraeume.de wenden.
Streikfusion
Der große Studentenstreik mit Besetzung des Kupferbaus ist nun seit kurz vor Weihnachten vorbei. Doch hinter den Kulissen wird weitergearbeitet. Auch wenn die Medienwirksamkeit abgenommen hat, wollen sich weder Schüler noch Studierende mit ihrer Situation im deutschen Bildungssystem abfinden. Nun haben sich nach einem längeren Vorlauf die Ex-Besetzer des Kupferbaus mit dem allgemeinen Bildungsstreik zusammengeschlossen. Durch diese Fusion wollen sie die mögliche Schlagkraft erhöhen und die Zusammenarbeit zwischen Schülern und Studierenden stärken. Die Plena des Unistreiks finden immer noch zweimal in der Woche im Clubhaus statt, doch nun trifft sich eine größere Bildungsstreik-Gruppe dazu noch alle 14 Tage, ebenfalls im Clubhaus. Die Aktivisten wollen keinesfalls aufgeben und werden auch in den nächsten Wochen und Monaten zielgerichtet weiter verhandeln und an ihren Forderungen arbeiten. Da die Prüfungszeit jetzt beginnt, ist allerdings wohl in diesem Semester keine erneute Besetzung des Kupferbaus vorhanden. Für politische Arbeit hat der Bachelor/Master-Student eben leider keine Zeit.
Überlebenskampf
130 Arbeitsplätze hängen am seidenen Faden. Automotive Lightning (AL) steht kurz vor einem Einstig in den Ausstieg. Die Produktion ist soweit zurück gegangen, dass sich die Preise einzelner Produkte fast verdreifacht haben. Dem könne man entgegenwirken, wenn die Produktion ins Ausland verlagert werden würde. Der Betriebsrat und die Gewerkschaft wehren sich dagegen mit einem Warnstreik am Dienstag und einer Urabstimmung am Donnerstag. Immerhin sollen in Reutlingen die Entwicklung, der Werkzeugbau, das technologische Kompetenzzentrum und die Zentralfunktionen bleiben. 720 minus 130, so könnte vielleicht bald das Ergebnis der Mitarbeiter des Konzerns lauten… Bleibt abzuwarten.
Hilfe für Haiti
An Dreikönig bebte in Haiti die Erde. Die Ärztin Anke Brügmann war mit einem Jungen aus dem Waisenhaus auf dem Weg nach Port-au-Prince. Von dort wollte sie weiter nach Kuba, um den Jungen operiern zu lassen. Zu ihrem Glück kamen sie erst nach dem Erdbeben an. Für die Unterstützung der Opfer erbat die Ärztin 40 000 Dollar von dem Vereinskonto „Pwojé men kontre Haiti-Deutschland e.V.“. Den Verein gründete sie selbst im Jahre 2002. In Beaumont (150km westlich der Hauptstadt) baute sie mit Hilfe des Vereins ein Waisenhaus und eine Schule auf. Mit gemieteten Lastwägen wurden mittlerweile 300 Leute aus Port-au-Prince gebracht. Aber es gibt immer noch Verletzte und weder Essen noch Trinken. Die Internetadresse des Vereins ist www.menkontre.de Wer spenden möchte findet dort weitere Informationen.
Audiomüll
Im Streit um das „Top Ten“ meldet sich nun der Betreiber zu Wort. Dirk Bamberger hat die Öffnungszeiten der Disko von sechs Uhr auf fünf Uhr früh zurückgestellt. Eine frühere Schließung, so sagt er, ginge in diesem Metier nicht. Außerdem stellt er fünf Sicherheitsleute, die in der Umgebung patrouillieren. Tatsächlich sind laut Auskunft der Polizei die Klagen über Lärm, Müll und Sachbeschädigungen zurückgegangen. Die Schlägereien an jedem Wochenende machen das Areal jedoch immer noch zum häufigsten Einsatzort der Polizei.
Eiszeit-Zoo
Die aus der Sammlung der Tübinger Uni stammenden Elfenbeinfiguren sind nun nach dem Ende der Austellung über Eiszeitkunst in Stuttgart wieder im Schlossmuseum untergebracht. Die 1931 von einem Team Prof. Gustav Rieks in der Vogelherdhöhle ausgegrabenenen Artefakte kann man sich seit dieser Woche dort wieder ansehen. Der Rest der Ausstellungsstücke, also die aktuellen Funde -wie beispielsweise eine aus Tierknochen gefertigte Flöte, die als vermutlich ältestes Musikinstrument der Welt gilt- soll ebenfalls bald im Museum zur Besichtigung ausgestellt werden. Damit für die Eiszeitkunst genug Platz ist, sollen kleinere bauliche Veränderungen vorgenommen werden. Für das künftige Unimuseum soll allerdings ein zentralerer Ort gefunden werden, damit noch weitere herausragende Objekte aus den Wissenschaftlichen Kollektionen, wie etwa europaweit einmalige Objekte aus der Sammlung der Tübinger Paläontologen, vorgezeigt werden können.

