Fairplay im Handel
Die Stadt Rottenburg erhält im März die Urkunde als Fairtrade-Stadt. Damit wäre sie die erste Stadt in Baden-Württemberg mit dem Fairtrade-Siegel. Bereits seit 1992 gibt es den gemeinnützigen Verein TransFair in Rottenburg. Sein Ziel ist es, benachteiligte Produzenten in der dritten Welt zu fördern und durch fairen Handel ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen zu verbessern. Eine Fairtrade-Stadt muss fünf Kriterien erfüllen: 1. in öffentlichen Sitzungen müssen Fairtrade-Produkte verwendet werden 2. Stadtverwaltung, Einzelhandel und verschiedenen Gruppen sollen eine Steuerungsgruppe bilden 3. die Stadt muss ein Mindest-Verhältnis zwischen Einwohnerzahl und verfügbaren Fairtrade-Produkten erfüllen 4. Je eine Schule, ein Verein und eine Kirche müssen die Idee des fairen Handels umsetzen und Aktionen veranstalten 5. Die Fairtrade-Stadt muss ihr dauerhaftes Eintraten für die Idee des fairen Handels immer neu belegen und durch Öffentlichkeitsarbeit dokumentieren Die lokale Agenda 21 sieht in der Auszeichnung Rottenburgs als Fairtrade-Stadt ihr Streben nach einem breiteren Einsatz fair gehandelter Produkte belohnt.
6 Jahre Poetry Slam
Im Zweimers in Tübingen wird seit 6 Jahren jeden ersten Montag im Monat gedichtet- und zwar bei sogenannten Poetry Slams. Das bedeutet, man muss selbst verfasste Texte vortragen, darf keine Requisiten verwenden und nicht länger als zehn Minuten die Bühne beanspruchen. Zum Jubiläum fanden sich Interessierte aus ganz Deutschland und sogar aus Österreich in Tübingen ein und am Ende des Abends wurde ein strahlender Sieger und eindeutiger Publikumsliebling gekürt: Christian Ritter, seines Zeichens amtierender Vizemeister der deutschen Poetry Slam Meisterschaft.
Kilchberger Scheunenkultur
Eine 250 Jahre alte Scheune in der Kilchberger Mitte fiel bisher dem Betrachter höchstens aufgrund ihrer Baufälligkeit ins Auge. Seit 2008 ist das Gebäude Eigentum der Stadt Tübingen und freiwillige Helfer machten sich erst einmal daran, das dort angesammelte Gerümpel zu entsorgen. Da die laut einer Inschrift 1745 erbaute Lehnsscheune zu landwirtschaftlichen Zwecken so oder so nicht mehr genutzt werden kann- und nun zudem unter Denkmalschutz steht- setzt sich der Verein “Pro Kilchberg” dafür ein, aus ihr einen Versammlungsraum mit Museumscharakter zu machen.
Nie mehr Hagebuttentee
Im neuen Speisesaal der Tübinger Jugendherberge können jetzt bis zu 170 Gäste bei einem drei-Sterne-Neckarblick tafeln. Das Frühstücksbuffet steht dem eines guten Hotels in nichts nach und zu den warmen Mittags- und Abendmahlzeiten werden unter anderem bis zu acht verschiedene Salate geboten. Dafür zahlen Inhaber eines Jugendherbergsausweises bis zur Schallgrenze von 27 Jahren 22.30 € für Bett und Frühstück, wer älter ist, zahlt den Seniorenzuschlag von 3 €. Nicht nur Eintopf und Hagebuttentee, auch die Schlafsäle gehören der Vergangenheit an. Die 148 Betten verteilen sich auf Einzel- Zweier- und Viererzimmer. Genutzt wird die Jugendherberge überwiegend von Gruppen. Baumärkte, Discounter, Baugeräte-Hersteller und kirchliche Institutionen bringen ihre Auszubildenden bei Seminaren unter. Zugenommen hat der Fahrrad-Tourismus – geschwunden ist dagegen der Zwangsaufenthalt zimmersuchender Erstsemester. So kommen nur etwa 2200 der rund 12 000 Gäste aus dem Ausland, vorwiegend aus dem europäischen und viele besonders aus den Partnerstädten. Einzelne Reisende aus Australien und Neuseeland, Japan und Korea finden sich jedoch auch ein. Einziges Manko ist derzeit der Wegfall der barrierefreien Zimmer durch den Umbau. Die sollen erst wieder in dem neuen nordwest-Anbau entstehen. Na wenn das nun nicht für einen Run auf die idyllisch gelegene echte Hotel-Alternative führt… Schlafsäcke muß nämlich auch schon lange keiner mehr mitbringen!
Bildungsmesse in Reutlingen
Diese Woche beginnt in Reutlingen die Bildungs- und Ausbildungsmesse „Binea“, auf der mehr als 90 Aussteller Berufsmöglichkeiten präsentieren werden. Darunter sind Schulen und Hochschulen genauso wie private Aus- und Fortbilder. Am Freitag wird der Schülertag sein, an dem Schulklassen die Möglichkeiten nutzen werden, ihre Berufschancen auszuloten. Doch der von den Veranstaltern sogenannte „Wuseltag“ ist nur ein Event von vielen auf der Messe. Den Veranstaltern ist es wichtig, auch die im Beruf stehenden anzusprechen und Interesse für Fortbildungen zu wecken. Laut den Messemachern ist es noch viel zu unbekannt, dass Menschen, die im Jahr weniger als 25.600 Euro Einkommen versteuern, seit diesem Monat Anspruch auf eine höhere Weiterbildungsprämie zu haben. Auch diesen Aspekt der Ausbildung in Deutschland hoffen sie, mit der Messe bekannter zu machen. Die Binea findet am Freitag, dem 15., und Samstag, dem 16. Januar jeweils ab 9 Uhr in der Listhalle in Reutlingen statt.
Digitalisiertes Standesamt
Reutlingen ist erste an einem Meilenstein der Amtsgeschichte. Als erste Stadt in Baden-Württemberg hat Reutlingen ein elektronisches Personenstandsregister eingeführt. Das bedeutet, daß künftig jedes Standesamt sowohl Reutlingens als auch der angeschlossenen Bezirksgemeinden Zugriff darauf hat und daraus Urkunden erstellen kann. Damit entfallen für die Bürger die bisherigen Laufereien von einem Standesamt zum nächsten, wenn z.B. für einen im Reutlinger Krankenhaus geborenen Gönninger eine Geburtsurkunde ausgestellt werden soll oder wenn ein Bronnweiler Brautpaar in der Sondelfinger Stephanuskirche heiraten möchte. Auch müssen keine gebürenpflichtigen Urkunden mehr von einem Amt zum anderen getragen werden. Und natürlich können auch die BeamtInnen selbst die Anträge schneller bearbeiten. Damit die Bezirksgemeinden allerdings keine Identitätskrise erleiden, muß noch ein Schönheitsfehler behoben werden: bisher sieht die Regelung nur vor, daß auf allen Urkunden als Ausstellungsort „Reutlingen“ angegeben ist.
Quote stimmt
Die Arbeitslosenquote blieb in der Region seit Oktober unverändert bei 4,8 Prozent. Weder der Wintereinbruch, noch das Quartalsende ließen die Quote steigen. Damit entwickelte sich der Arbeitsmarkt in der Region entgegen dem Landestrend. Laut Arbeitsagentur seien die Gründe dafür die Kurzarbeit und schwächere Auswirkungen der Krise auf die Region.
Altstadt vor Update
Tübingen ist stolz auf seine Altstadt. Und zu Recht. Doch in den letzten Jahren verfallen leider mehr und mehr Gebäude. Der Grund dafür ist meistens, dass sie sich zum Teil im Besitz der Stadt oder deren Baugenossenschaft GWG befinden und man sich mit den Mietern uneins darüber ist, wer für die Instandhaltung verantwortlich zeichnen soll. Ernst Gumrich von der Tübinger Partei WUT meint zu wissen, wie es geht. Und nach der von ihm initiierten privat organisierten Instandsetzung des alten Nonnenhauses sollte er wissen, wovon er spricht. Seine Idee ist es, eine Instandsetzungsvereinigung zu bilden, die privaten Investoren städtische Unterstützung für private Sanierungen zur Verfügung stellen soll. Seiner Ansicht nach können so bald alle fraglichen Häuser vernünftig saniert sein und durch die Übergabe in private Hände in fünf Jahren bis zu 20 Millionen Euro ins angeschlagene Stadtsäckel fließen. So können Interessierte mit geringem Risiko investieren und die Stadt kann auf die Art der Sanierung und die Auswahl der Käufer Einfluss nehmen. Nun muss die Zeit zeigen, was aus der Idee werden kann. Gumrich jedenfalls wünscht sich als nächsten Schritt einen Gemeinderatsbeschluss.
Lernen im Tandem
Lernen im Tandem, oder kurz “LeiTa”, ist ein Projekt, dass die Tübinger Autorin Christa Hagemeyer zuerst 2006 auf den Weg brachte. Die Idee war, jungen Menschen einen älteren „Paten“ zur Verfügung zu stellen, der sie in regelmäßigen Treffen begleitete. Die Paten mit langer Berufserfahrung sollten für Schüler den Einstieg in das Berufsleben bzw. die Suche nach einer Lehrstelle erleicherten. In der zweiten Runde des Projekts konzentrieren sich die Macher nun auf deutsche Paten, die Einwandererkinder beim Lernen in der Schule und dem Zurechtfinden in der neuen Umgebung unter die Arme greifen sollen. Zur Zeit sind es etwa 50 Tandem-Paare, die so regelmäßig zusammen arbeiten. Kossi, ein 17-jähriger Migrant aus Togo hat es mit Hilfe seines Paten Erich Fritz mittlerweile von der Haupt- zur Realschule und auf die Gewerbeschule gebracht. Eins bleibt aber beim zweiten Durchgang des Projekts gleich: Auch beim Übergang in die Berufswelt wird Fritz Kossi noch weiterhelfen.
Schmerzasyl
Vor 11 Jahren war Ayman Darwish noch leitender Angestellter der Wasserversorgungsbetriebe Kairos. Seither ist der 45jährige Ägypter arbeitsunfähig. Seine Kopfschmerzen rauben ihm die Konzentration, den Schlaf und die Lebensfreude. Der Medikamentencocktail, den er braucht um die Schmerzen halbwegs zu ertragen, hat inzwischen seine Nieren geschädigt und Diabetes und Bluthochdruck verursacht. Verschiedene Operationen fügten seinem Körper weiteren Schaden zu, die Ursache ermitteln konnte bislang niemand. Bei einem internationalen Kongress wurde der Direktor der Tübinger Neurochirurgie, Prof. Marcus Tatagiba empfohlen. In Tübingen wurde zumindest schon einmal ein schwerer Bandscheibenvorfall bei ihm diagnostiziert. Als Ursache für die Kopfschmerzen vermutet der Professor ein Aneurisma, die Ausbeulung eines Blutgefäßes im Gehirn. Doch schon für die bisherige Behandlung braucht Ayman Darwish sehr viel mehr Geld, als er bei seiner Arbeitsunfähigkeit aufbringen kann. Der Förderverein Deutsch-Ägyptischer Medizintransfer hat deshalb für ihn ein Spendenkonto eingerichtet: 28 421 25 bei der KSK Tübingen, Stichwort Ayman Darwish.
Der Herr Sekretär
Rot lackierte Fingernägel, enge Röcke und ein sorgfältig arrangierter Haarknoten. Ein Klischee, das man in Kusterdingen ganz bestimmt nicht bestätigt bekommt- denn seit kurzem ist das Vorzimmer des Bürgermeisters in Männerhand. Der Diplom-Verwaltungswirt Thomas Heusel und der ehemalige Student Andreas Bock setzen auf das Stichwort “Bürgernähe” und kümmern sich nun kompetent aber stets freundlich um die Verwaltung und Koordnation. Und eines, so bestätigen beide, wäre überhaupt nicht ihr Ding: selbst Bürgermeister zu sein…nicht verwunderlich, immerhin werden sie täglich damit konfrontiert, was das eigentlich alles so mit sich bringt.
Fliegende Kanaldeckel
Eine einzige Dohlenkolonie ist in Tübingen auf der Platanenallee heimisch. Der Bestand der intelligenten Rabenvögel ist um etwa 80 Prozent zurückgegangen. Früher galten Dohlen als Plage. Heute kümmert sich der Verein für Erhaltung bedrohter Tierarten und ihrer Lebensräume (kurz: VEbTiL) um die Nistplätze der Dohlen. Etwa 100 Dohlenpaare brüten in Tübingen. Sie gelten als Treue Tiere. Dohlenpaare bleiben zusammen.

