Stille Nacht
In der Sylvesternacht wurde auf dem Tübinger Marktplatz im Kerzenschein mit Sekt geprostet und Walzer getanzt – nach dem professionellen Feuerwerk bei der Augenklinik. Auf dem Marktplatz hatte es dafür ein ungefährliches Tischfeuerleuchten gegeben. Das Verbot wurde weitgehend eingehalten. Nur auf der Neckarbrücke wurde gegen die böllerfreie Zone aufbegehrt. Insgesamt mußten fünf Übeltäter die 75 € Buße zahlen und einem ganz Unbelehrbaren kostete seine Silvesterrakete 150 €. Schon Tage zuvor hatten die Ordnungskräfte über das Böllerverbot informiert. Nur über eines waren sie nicht glücklich: die Überwachung der Einhaltung des Verbots ist – wen wunderts – sehr zeit- und personalaufwendig.
Warme Zellen
Das Gefängnis in Rottenburg bekommt ein eigenes Blockheizkraftwerk samt Holzhackschnitzelanlage. Das Land finanziert die energetische Sanierung aus dem Konjunkturpaket. Baubeginn ist Anfang des Jahres. Das neue Wärmesystem kombiniere umweltschonende regenerative Energien mit effizienter Kraft-Wärme-Kopplung. Die Warmwasserversorgung übernehmen zwei gasbetriebene Blockheizkraftwerke. Für die Heizperiode ist eine Holzhackschnitzelanlage zuschaltbar. Neben der Heizleistung erzeugen die Kraftwerke als Koppelprodukt Strom für den Eigenbedarf. Der Rottenburger Knast wird nach dem Ende der Umbauarbeiten 75 Prozent weniger Kohlendioxid ausstoßen.
Mehr Platz für Moleküle
Tübingen erhält einen Neubau fürs Zentrum für molekulare Biologie der Pflanzen. Dort arbeiten Biologen, Chemiker und Pharmazeuten an der Entschlüsselung zellularer, molekularer und biochemischer Prozesse. Wie reagieren Pflanzen in ihrer Entwicklung auf äußere Reize. Zur Zeit ist das Zentrum dezentral in verschiedenen Gebäuden untergebracht. Das neue Zentrum wird die wissenschaftliche Kommunikation fördern und die methodisch-technologische Infrastruktur verbessern, so der baden-württembergische Finanzminister Willi Stächele. Land und Bund teilen sich die Kosten im Rahmen der überregionalen Forschungsförderung.
Schnellevolution
Die Masse machts: je mehr Individuen eine Art hervorbringt, desto schneller kann sie sich an Umweltveränderungen anpassen. Eigentlich logisch. Herausgefunden hat das jetzt ein Forschungsteam am Tübinger Max Planck Institut für Entwicklungsbiologie. Sie untersuchten 30 Generationen einer Pflanze mit den neuen Methoden der Genom-Erfassung und des Genom-Vergleichs. Bei durchschnittlich einer Neumutation väterlicher- sowie mütterlicherseits genügen, so heißt es, bei 120 Millionen Basenpaaren 60 Millionen Einzelpflanzen damit jede Stelle im Genom einmal mutiert. Jetzt wissen die Forscher endlich, warum Pflanzen so schnell resistent werden gegen neue Herbizide, die nur auf ein Gen wirken.
Aus dem Bett geschmissen
Durch die Einführung der sogenannten Fallpauschalen ist es den Kliniken möglich, die Patienten früher zu entlassen. Abgesehen davon bekommen sie von den Krankenkassen Geld für jeden Tag, den ein Patient dort verbringt. Am UKT wurden nun in fast allen Einzelkliniken ein Belegmanagement und ein Fallmanagement eingeführt. Damit soll gewährleistet werden, dass die nötigen Voruntersuchungen schon vor dem Klinikaufenthalt durchgeführt werden können. Zusätzlich wurden am UKT neue Stellen im Bereich des Sozialdienstes und der Pflegeüberleitung geschaffen.
Kandidat für Kultur
Die Tübinger Partnerstadt Perugia will im Jahr 2019 Europäische Kulturhauptstadt werden. Das Rennen um den begehrten Titel ist eröffnet. Bereits 2015 muss die italienische Regierung alle Bewerbungen beurteilt haben und der europäischen Kommission ihren Favoriten nennen. Konkurrenten von Perugia sind unter anderem Siena, Rimini und Venedig. Perugia versucht mit Kultur aus allen Zeiten zu punkten. Etrusker, Römer, Mittelalter und Rennaissance genauso wie ein internationales Jazz-Festival, Kunstakademie, Theater, Museen und Universitäten. Der Bürgermeister betont, wie in Perugia Geschichte, Kunst, Tradition, Natur, sozialer Zusammenhalt und Innovation ineinander wirken.
Benedikts Trauma
Ein neues Buch bringt es jetzt an den Tag: es war das Trauma des Tübinger Haifischbeckens, das den schüchternen Reformtheologen Josef Ratzinger vor Schreck zum Konservativen erstarren ließ. Der heutige Bendedikt lehrte von 1966 bis 1969 an der theologischen Fakultät in Tübingen. Es war die Zeit der Studentenrevolte und der heißen Diskussionen unter Professoren. Evangelische Theologiestudenten bezeichneten das Kreuz als Ausdruck sadomasochistischer Schmerzverherrlichung. Mit seinem Kollegen Küng traf sich Ratzinger anfangs noch einmal die Woche zum gemeinsamen Abendessen, gegen Ende sagte er zu seinem Assistenten, mit einem Menschen wie Küng könnten er und seine Mitarbeiter nur geistig verwildern. Der so Bewertete erfuhr davon 24 Jahre später. Ein Lehrauftrag im beschaulichen Bayern fischte den Harmoniebestrebten, zu spät, aus dem Haifischbecken. Inzwischen dürfte der vormalige Josef Ratzinger in Sicherheit sein. Nicht nur die Mauern des Vatikans umgeben ihn, auch die Unfehlbarkeit eines Papstes umhüllen seine Worte unüberwindbar für die Grausigkeit des Intellektualismus und moderne Technik überträgt seine sanfte segnende Stimme in die ganze Welt.
Trendsport Häkeln
Bei dem Gedanken an typische Sportstudenten kommt einem wohl eines am wenigsten in den Sinn: Häkeln. Was fünf Tübinger Sportstudenten angeht, ist das allerdings Routine. Aus Langeweile versuchte sich einer von ihnen daran- und wurde anfangs dafür belächelt- doch dann entstand aus diesem Hobby nicht nur ein eigenes Häkelseminar, sondern gleich eine richtige Firma. Inzwischen kann man die Mützen der Marke “Hatnut” sogar in allen möglichen Variationen im Internet erstehen- und, wenn es für die häkelnden Sportfreaks so rosig weitergeht, möglicherweise sogar bald mithilfe von Ausstattung größerer Firmen.
Langsam hoch auf die LeiTa
LeiTa, das steht für „Lernen im Tandem“. Und das wiederum ist ein Projekt, dass die Tübinger Autorin Christa Hagemeyer zuerst 2006 auf den Weg brachte. Die Idee war, jungen Menschen einen älteren „Paten“ zur Verfügung zu stellen, der sie in regelmäßigen Treffen begleitete. Die Paten mit langer Berufserfahrung sollten für Schüler den Einstieg in das Berufsleben bzw. die Suche nach einer Lehrstelle erleicherten. In der zweiten Runde des Projekts konzentrieren sich die Macher nun auf deutsche Paten, die Einwandererkinder beim Lernen in der Schule und dem Zurechtfinden in der neuen Umgebung unter die Arme greifen sollen. Zur Zeit sind es etwa 50 Tandem-Paare, die so regelmäßig zusammen arbeiten. Kossi, ein 17-jähriger Migrant aus Togo hat es mit Hilfe seines Paten Erich Fritz mittlerweile von der Haupt- zur Realschule und auf die Gewerbeschule gebracht. Eins bleibt aber beim zweiten Durchgang des Projekts gleich: Auch beim Übergang in die Berufswelt wird Fritz Kossi noch weiterhelfen.
Clowns im Dienst
Ihre Tochter war sechs Jahre alt und stand vor einer schweren Herzoperation, als Dorothee Mangold zum ersten Mal die rote Clownsnase aufsetzte und für sie am Krankenbett spielte. Das waren immer einige Minuten, die nur ihnen gehörten, dem Lachen, dem Durchatmen – und nicht der Krankheit und der Angst. Zur Clownsnase kamen irgendwann die rosa Häkelmütze, eine karierte Kutte und was ein Clown eben so braucht. So wurde aus Dorothee Mangold der Clown Rosina, der seit zehn Jahren einmal in der Woche auf der Kinderkardiologie im Crona-Gebäude Späße macht. Mit ihrem Kollegen Hupe tanzt sie bei jedem Auftritt zwischen weissen Kitteln durch die Flure der Kinderstation. Gefördert wurde die Idee der Klinik-Clowns insbesondere durch die Elterninitiative Herzkranker Kinder (Elhke), die auch die wöchentlichen Auftritte finanziert. Für das Clown-Projekt gibt es das Spendenkonto mit der Nummer 298348 bei der KSK Tübingen, Stichwort: Rosina und Hupe.

