Nachrichten vom 14.12.09

Miese Stimmung

Dicke Luft herrscht zwischen dem Ausländerrat und der Stadtverwaltung in Reutlingen. Grund ist die aktuelle Debatte um das Integrationskonzept. Dabei fühlt sich der Ausländerrat übergangen. Sie hätten vier Jahre am Konzept gearbeitet, das Verwaltung und Fraktionen auf einmal nicht mehr teilen würden. Geplant war die Umbenennung vom Ausländerrat in Integrationsrat, Aufnahme von Spätaussiedlern und häufigere Treffen. Außerdem wollte der Ausländerrat zwei jährliche Berichte dem Verwaltungs- Kultur- und Sozialausschuss des Gemeinderats vorlegen. Knackpunkt für die schlechte Stimmung war wohl die Forderung nach einem beratenden Sitz im Integrationsausschuss. Diesen will OB Barbara Bosch dem Ausländerrat nicht zugestehen. Die gewählten Räte befürchten auch, dass sie künftig ernannt werden könnten, was sie strikt ablehnen. Die für März 2010 geplante Ausländerratswahl ist schon mal abgeblasen. Erst nach Vorlage des Integrationskonzepts wird über eine weitere Wahl entschieden. Die Ausländerräte fordern von der Verwaltung mehr Respekt und eine öffentliche Vorstellung des Integrationskonzepts.

Eine Lehrwerkstatt des Alltags

Das ehemalige Gebrauchtwarenlager von Ivo Lavetti findet eine neue Bestimmung: Hier soll eine Nachsorgeklinik für psychisch Kranke entstehen. Die Räume sollen eine Balance bieten zwischen Schutz und Öffnung, um die Betroffenen wieder in ein selbstbestimmtes Leben zu begleiten. So werden im Erdgeschoss Räume für die tägliche, dreistündige Arbeitstherapie entstehen, aber auch Möglichkeiten für Freizeitangebote für das Viertel. Im Stockwerk darüber werden die schwerer zugänglichen privaten Unterkünfte liegen. In einem Anbau sind Verwaltungs- und Therapieräume geplant. In das Hauptgebäude werden auch andere einziehen, ins Erdgeschoss kommen ein Architekturbüro, ein Journalistenbüro und ein Kunstatelier, das Dachgeschoss wird zu Privatwohnungen ausgebaut. Da die Rehabilitationsklinik nicht öffentlich finanziert wird, muß der Trägerverein den Umbau teils mit Fördermittel, teils selbst bewältigen. Für die Innenausstattung ist man deshalb auf Spenden angewiesen. Die Küche wurde bereits durch die Weihnachtsaktion der Tagblatt-Leser vor zwei Jahren finanziert. Ein Sonderkonto ist bei der Kreissparkasse Tübingen unter dem Stichwort „Ausstattung Nachsorgeklinik“ eingerichtet. Die Konto-Nummer ist 581 725.

Ausgebrannt

Die Stadtverwaltung Rottenburg hat im Zuge der Verwaltungsrefom 2004 30 Stellen gestrichen. Die Mehrbelastung macht dem verbliebenen Angestellten nun mehr und mehr zu schaffen. Die Aktenstapel wachsen statt zu schmelzen und da das Durchschnittsalter inzwischen bei 47 liege, seien die eh nicht mehr so belastbar. Da soll nun Abhilfe geschaffen werden, die Stadt stellt ein – einen Psychologen, der die Mitarbeiter wieder leistungsfroh machen soll. Nun, zumindest von geplanten Workshops wie „Konflikte und Mobbing“ und der „psychosozialen Beratung“ dürften die Mitarbeiter auch privat profitieren.
Mössingen macht blau

In Sachen Schadstoffreduzierung nimmt Mössingen eine Vorreiterrolle ein. Die CO2-Ziele des Klimagipfels in Kopenhagen seien hier schon längst erreicht. Seit zehn jahren hat Mössingen einen Energieberater. Die Bilanz für das Energiemanagement verzeichnet deutliche Einsparungen bei überschaubaren Kosten.
Streetworker in Tübingen

Die mobile Jugendarbeit in Tübingen hat seit März zwei neue Gesichter; die der Streetworker Barbara Bertelmann und Dirk Steurer. Im vergangenen halben Jahres konnten die beiden feststellen, wo sich die Jugendlichen die meiste Zeit aufhalten, Kontakte mit ihnen knüpfen und eine direkte Anlaufstelle einrichten. Vor allem am Wochenende treffen sich die jungen Leute häufig zum “Vorglühen”, ein beliebter Treffpunkt ist dabei die Unterführung beim Epplehaus- was allerdings zu Problemen führt, wenn dort verschiedene Szenen aufeinander treffen. Bedenklich sei dabei aber vor allen Dingen die Tatsache, dass sich auch erwachsene Trinker unter die Jugendlichen mischen und ihnen Alkohol besorgen. Ein zentraler Beschwerdepunkt für die Jugendlichen, die zu einem Großteil auch aus Familien mit Mirgationshintergrund stammen, ist laut der Befragungsergebnisse der beiden Streetworker die Bevorzugung der Studenten in allen Bereichen. So gäbe es beispielsweise keine Orte, an die junge Leute gehen könnten, ohne Geld auszugeben. Daraufhin machte es sich das Team der mobilen Jugendarbeit zum Ziel, solche Umgebungen für die Jugendlichen zu schaffen. Dabei wollen sie diese von Anfang an in die Gestaltung der Räumlichkeiten und bei der Gesamtorganisation einbinden. Das wichtigste am Angebot der Streetworker sei jedoch, denjenigen Hilfe zu bieten, die sie auch wirklich möchten und von selbst auf das Team zu kommen. Denn nur wer Hilfe will, kann sie auch annehmen.

Projekt Cinema Jenin

In Jenin, einer Stadt im Westjordanland, wird ein altes Kino wieder aufgebaut. Und die Stadt Tübingen zögerte nicht, eine Projektpartnerschaft einzugehen. Das Projekt Cinema Jenin wird aus Spendengeldern finanziert- die mittlerweile schon über eine halbe Million Euro betragen. Das Auswärtige Amt hat bei der Realisierung des ganzen eine tragende Rolle übernommen und etwa die Hälfte der bisher eingegangenen Gelder zur Verfügung gestellt. Die Helfer hier in Deutschland arbeiten bisher ehrenamtlich, aber sobald über Stiftungen genug Drittmittel verfügbar sind, will das Tübinger Kulturamt ein “Backoffice” eröffnen: es soll also ein Vertreter des Projekts hier in Tübingen sein, der als Ansprechpartner und Projektmanager fungieren wird. Wichtig sei vor allem, dass man das Projekt nachhaltig unterstütze um auch nach dem Eröffnungsfestival des Kinos über lange Sicht einen Kulturaustausch und eine Partnerschaft mit Jenin gewährleisten zu können, erklärte die tübinger Kulturamtsleiterin Daniela Rathe. In diesem Sinne plant man in Tübingen also bereits internationale Filmprojekte und andere Vernetzungsarbeit, wie z.B. einen Jugendaustausch. Das Projekt Cinema Jenin ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie Kultur die Menschen verbinden und dazu anspornen kann, über alle Grenzen hinweg etwas gemeinsam zu erreichen- und das ganz friedlich.

Sex and crime in Perugia

Im November 2007 wurde die englische Studentin Meredith Kercher in tübingens Partnerstadt Perugia ermordet. Jetzt wirft er noch einmal ein schlechtes Bild auf die Stadt: Der Prozess gegen die 2 Täter, die Amerikanerin Amanda Knox und Raffaele Sollecito, ist ein Medienspektakel. Scharen weise stürmen die Reporter zum Gericht um Amanda Knox zu fotografieren. Sie ist das Gesicht der Verhandlung. Knox wurde zu 26, ihr Mittäter Sollecito zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt. Knox Familie wird in Revision gehen um ihre angebliche Unschuld zu beweisen: In Seattle wird sowohl im Fernsehen, als auch im Internet die Unschuld propagiert. Sogar prominente wie der Pulitzerpreisträger Timothy Egan, haben sich öffentlich auf Knox Seite gestellt. So schnell wird Perugia also nicht aus den Medien verschwinden, und das schlechte Image wird wohl auch noch eine Weile existieren.