Ende gut – alles gut?
„Da war ein Verrückter am Werk!“ erschallte es am letzten Freitagabend in der Mühlstrasse. Boris Palmer ließ zur Wiedereröffnung den Film „Der Blaumilchkanal“ aufführen – Ephraim Kishons Satire über die Baumaßnahme eines aus der staatlichen Nervenheilanstalt Ausgebrochenen. Der einzige, der das wahre Wesen dieser Baumaßnahme erkennt, landet im Film mit der Aussage „Da war ein Verrückter am Werk!“ seinerseits in der besagten Anstalt, weil man glaubt, er habe den Oberbürgermeister damit gemeint. Auf der Straße vor der Leinwand erhielt er Zustimmung und hier war tatsächlich der Oberbürgermeister damit gemeint. Was die Ladeninhaber dazu meinten, wurde nicht berichtet, wohl aber, die Baumaßnahmen seien für einige existenzbedrohend gewesen. Es ist nun zwar schöner und heller, aber nach wie vor eng in der Mühlstrasse: Die Busse müssen, um aneinander vorbeizukommen an den Rand der abgeschrägten Gehsteige fahren. Ob dieses Ende der Bauarbeiten auch ein Neuanfang für die Mühlstrasse ist, wird sich noch weisen.
Stadtpost privat
Die Deutsche Post AG verfolgt das Prinzip der Privatisierung von Filialen jetzt auch in der Tübinger Altstadt. Die Stadtpost soll im ersten Halbjahr 2010 an einen privaten Partner abgegeben werden. Noch ist ungewiss, ob Postdienstleistungen überhaupt am gleichen Ort möglich sein werden oder in der Nähe, wie es vage heißt. Klar ist, dass es dort keine Postbank-Leistungen mehr geben wird. Die Post will ab 2011 aus wirtschaftlichen Gründen keine Filialen mehr in Eigenregie betreiben.
Milch genossen
Die Schließung der Tübinger Bio-Molkerei ist beschlossen. Vor einiger Zeit hatten sich die tübinger Landwirte dem Verband Allgäu-Käsereien angeschlossen. Jetzt wollen sich nicht mehr an ihrem Standort in Tübingen festhalten, die fünf örtlichen Landwirte jedoch schon. Um den Erhalt der Bio-Milchproduktion zu sichern, müssten aber Investitionen von bis zu über eine Milliarde € getätigt werden. Zu viel für die Erzeuger. Deshalb wollen sie nun die Verbraucher in ihr Geschäft einbinden. Diese sollen durch Anteilsscheine ,die Naturalien als Zins haben, die benötigten Bankkredite verringern. Die Produktion könnte, falls alles klappt, in einem halben Jahr anlaufen.
Zusammen spielen
Zwei reuttlinger Kindergärten nehmen am Inklusionsprojekt teil. Das Projekt hat einen simplen Leitfaden: „Jedes Kind ist willkommen“. Kinder mit Handicap sollen in den gleichen Kindergarten gehen wie Kinder ohne. Aber auch sozial schwache Kinder sollen integriert werden. Um dies zu realisieren sind neue Strukturen und Kooperationen notwendig, sowohl in den Einrichtungen wie auch in der Gesellschaft. Berührungsängste müssen abgebaut und kompetente Betreuer eingestellt werden. Das zunächst auf drei Jahre angelegte Projekt wird mit Hilfe diverser Zuschüsse aus Stiftungen und kommunaler Mitteln finanziert.
Nazi schmollt
Der rechtsextremistische Tübinger Verleger Wigbert Grabert will ein Urteil wegen Volksverhetzung nicht akzeptieren. Er war vom Tübinger Amtsgericht Anfang 2007 zu drei Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Das Gericht hatte in einer Zeitschrift aus dem Grabert-Verlag einen volksverhetzenden Artikel erkannt. Darin seien rassistische Behauptungen enthalten, die zum Hass gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen aufstachelten. Seit Montag läuft vor dem Landgericht das Berufungsverfahren, das auch die Staatsanwaltschaft wollte. Ein zweiter Artikel aus Graberts Zeitschrift erfülle den Tatbestand der Volksverhetzung. Der Österreicher Herbert Schaller habe in einer abgedruckten Rede den Holocaust geleugnet. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.
Erste Erfolge
Bei den Studierendenstreiks in Tübingen wurden erste direkt sichtbare Erfolge erzielt. Eine der Forderungen der Besetzer an das Rektorat der Uni Tübingen war, die Anwesenheitspflicht für Verastaltungen im Bachelor und Master zu beenden, um ein wenig das enge Korsett der Verschulung von den Bachelor-Studiengängen zu lösen. In einer Rundmail an alle Studierenden und Lehrenden der Uni Tübingen schrieb nun Prorektorin Gropper am gestrigen Donnerstag: “Das Rektorat ersucht die Lehrenden der Universität Tübingen, während des Bildungsstreiks auch rückwirkend auf eine Kontrolle der Anwesenheitspflicht zu verzichten [...] Darüber hinaus sollte grundsätzlich auf die Kontrolle der Anwesenheit in Vorlesungen verzichtet werden. Leistungspunkte für die Vorlesung können auch ohne eine solche Kontrolle vergeben werden, sofern der Lerninhalt auch Gegenstand von Modulprüfungen ist.” Sicher wird wegen dieses Entgegenkommens die Besetzung nicht enden, aber dieser kleine politische Erfolg zeigt, dass immerhin das Rektorat mittlerweile beginnt, den Studierenden zuzuhören.
Alles wird bunt
30 Jahre nach der Besetzung sind die Bewohner der Ludwigstraße 15 auch die Besitzer. Eigentum verpflichtet, also gab es eine energetische Sanierung und auch die Fassade bekam einen neuen Anstrich. Das missfiel offenbar einigen Personen. Denn die gelbe Fassade der LU15 zieren jetzt die Flecken einiger Farbbeutelwürfe. In der Bekenner-Mail heißt es, das Wohnprojekt habe sich selbst „entfärbt“ und reihe sich makellos in die Konsumlandschaft der Südstadt ein. Damit stoßen die Farbenwerfer sogar auf das Verständnis der Bewohner. Von außen wirke das Haus wie ein Mehrfamilienhaus, als ob sie schick und spießig geworden seien. Die LU15 nimmt die Farbe als Denkanstoß, dass das Haus wieder bunt wird.
Verbesserungsfrei
Im Tübinger Busverkehr bleibt alles beim Alten. Der Verkehrsbeirat sah keine Lösung zur Erfüllung eines viel geäußerten Wunsches: es wird auch in Zukunft keine Möglichkeit geben, Fahrräder mitzunehmen. Beide angedachten Optionen wurden verworfen. Ein Anhänger für die Räder verlange eine Sicherung durch den Busfahrer, der dazu aussteigen müßte. Die Gelenkbusse würden ohnehin zu lange durch einen Anhänger. Auch die Option, einige Sitze auszubauen wurde nicht erhört. Durch die dadurch entstehenden Stehplätze seien die Busse überlastungsgefährdet, hieß es. Der Vorstoß des Jugendgemeinderates, einen erweiterten Nachtbusplan einzuführen, scheiterte ebenfalls. Dabei war der Probelauf in den Sommerferien ein Erfolg. Zusätzlich zu den nächtlichen Fahrten von Donnerstag bis Sonntag waren Busse in insgesamt zwölf Nächten auch Dienstag und Mittwoch Nacht unterwegs. Dabei transportierten sie mehr Gäste als erwartet, ohne daß das Nacht-SAM Einbußen vermerkte. Hier war die Antwort eindeutig: Tübingen könne sich das nicht leisten. Naja, wird ja sonst auch zu eng, in der Mühlstrasse.
Bundesweit ausgeböllert
Nach einem Brand im Dachstuhl eines Fachwerkhauses am Tübinger Marktplatz ist in Tübingen schon seit letztem Jahr das Abbrennen von Feuerwerkskörpern im Innenstadtbereich verboten. Nun hat der Bund mit eigener Gesetzgebung nachgezogen: Das Sprengstoffgesetz wurde zum 1. Oktober 2009 geändert. Nun ist das Böllern und Abschießen von Feuerwerk überall dort ganzjährig verboten, wo es Fachwerkhäuser gibt. Für Tübingen ändert sich damit nichts. Aber in vielen anderen Gemeinden dürfte jetzt eine hektische Betriebsamkeit ausbrechen. Denn das Gesetz will nun natürlich durchgesetzt werden. Und das heißt für die Städte und Gemeinden, dass entsprechend Ordnungskräfte organisiert werden müssen. Und bis Silvester sind es nur noch 27 Tage.
Gesund sparen
Dem Patienten möglichst wenig schaden, das ist wohl die Deviese der Wissenschafftler , die in Tübingen ein ethisch korrektes Spar-Modell mit dem Titel „Kostensensible Leitlinien“ entwickeln wollen. Dr. Georg Marckmann vom Institut für Ethik und Geschichte in der Medizin, ist einer von ihnen und will diesen Spagat wagen. Unteranderem sollen manchen Herzpatienten billigere Stents implantiert werden wenn nach einer, „Kosten-Nutzen-Analyse“ diese keien Nachteil für den Patienten bringen. Auch Defibrillatoren sollen nach Auswertung einer Studie eingespart werden können. Als Vorteil nennt Marckmann bei diesen fest formulierten Leitlinien, dass die Chance größer sei bestimmte Verfahren auch einzufordern.“ Natürlich sollen die Leitlinien nur Ethisch korrekt sein, wenn sie von den Göttern in weiß nach streng wissenschaftlichen Kriterien erarbeitet werden.
Grünes Karrieresprungbrett
Bei Jugendlichen Interesse zum Thema Naturschutz zu wecken, ist gar nicht so einfach. Wenn selbst das Internet in diesem Fall versagt, bleibt nur noch eines: Karrieremöglichkeiten als Lockstoff benutzen. Nun kann man sich also Schlüsselqualifikationen für einen Qualipass sichern, wenn man in einem Naturschutzprojekt aktiv ist und somit für spätere Bewerbungen Vorarbeit leisten. So bereits geschehen auch in Mössingen, wo Jugendliche in diesem Rahmen eigenhändig ein Schwalbenhaus bauten-und das mit viel Spaß an der Sache. Doch selbst wer kein Tierliebhaber oder Naturfreund ist, wird dieses grüne Karrieresprungbrett nutzen können, da sich jeder der Projektteilnehmer seine Arbeitsschwerpunkte selbst setzen darf- es sind also auch diejenigen durchaus gefragt, die lieber vor dem PC sitzen und an der Projekt-Homepage tüfteln möchten.
Viva Tübingen
Seit den 70er Jahren ist die allgemeine Lebenserwartung um etwa 10 Jahre gestiegen. Hier in Baden-Württemberg ist die Lebenserwartung deutlich höher als in allen anderen Bundesländern. Was die Tübinger an dieser Stelle allerdings ganz besonders freuen dürfte, ist die Tatsache, dass sie innerhalb Baden-Württembergs die Nase vorn haben- also im Schnitt älter werden als alle anderen Einwohner Deutschlands. Bereits im Zollern-Alb-Kreis liegt der aktuelle Wert etwa um zwei Jahre hinter dem von Tübingen- was laut des Statistikamtes in Stuttgart sowohl am hohen Bildungsniveau als auch am hohen Einkommen der Tübinger liegt, da der Akademikeranteil sehr groß ist.

