Masse nach Klasse
Man kann wohl ohne Übertreibung sagen, dass die überfüllten Hörsäle Tübingens in diesem Semester kaum weniger voll sein werden: Die Zahl der Studienanfänger an der Uni hat zum Wintersemester 2009/2010 drastisch zugenommen. Hatten sich zum letzten Wintersemester noch etwas über 3000 neue Studierende an der Uni eingeschrieben, waren es in diesem Semester bereits fast 4000. Das ist eine Steigerung um mehr als 22%. Solche Steigerungsraten hat es an baden-württembergischen Universitäten noch nie gegeben. Fast 25.000 eingeschriebene Studierende hat die Uni Tübingen zur Zeit, damit sind Rekordzahlen zu vermelden, die es das letzte Mal Mitte der 90er Jahre gab, vor dem ersten Versuch der Landesregierung, an den Hochschulen Langzeitstudiengebühren einzuführen. Besonders die Neuphilologie ist betroffen, die Steigerungsraten lagen hier bei über 50%. Die in den letzten Semestern mit 700 und mehr Studierenden in einer Vorlesung überbordenen Hörsäle werden, wenn die Politik nicht eingreift, wohl bald vierstellige Hörerzahlen in den Vorlesungen verbuchen.
Reutlingen brennt
Auch die Reutlinger Fakultäten haben sich nun dem bundesweiten Bildungsstreik angeschlossen. Studenten der Pädagogischen Hochschule und der Business School demonstrierten am Donnerstag auf dem Marktplatz. Sie trugen einen schwarzen Sarg mit der Aufschrift „Bildung“ mit sich, um so symbolisch ihre Bildung zu beerdigen. Passend zum Anlass waren die Meisten schwarz gekleidet. „Als ganz normaler Student“, bezeichnet sich jedoch Markus Striedacher, Student an der PH Reutlingen. Er sei nie politisch aktiv vorangegangen, noch in der Studierendenvertretung Asta gewesen, doch jetzt reiche es ihm. „Wie sollen wir gute Lehrer werden, wenn wir aufgrund unserer Nebenjobs kaum Zeit haben, uns eine gute Allgemeinbildung anzueignen? Keine guten Lehrer bedeutet auch keine guten Schulen.“, ruft eine angehende Pädagogin aus der Menge und die stimmt ihr zu. Doch nicht nur gegen die Missstände in der Bildungs- und Sozialpolitik, für eine Überarbeitung von Bachelor und Master und gegen Studiengebühren wurde demonstriert. Es wurden auch Verbesserungsvorschläge vorgetragen. Zudem soll die Ende der 70er abgeschaffte Studierendenschaft wiederbelebt werden, da die Asta sich weder politisch äußern darf, noch über eigenes Geld verfügt.
Verhandlungsfortschritte
Während am vergangenen Donnerstag auch an der Forsthochschule Rottenburg 200 Studierende streikten, um sich mit den bundesweiten Studentenprotesten zu solidarisieren, machen die Besetzer des Tübinger Kupferbaus offenbar Fortschritte in Bezug auf ihre Inhalte und Forderungen. Um Mitternacht von Samstag auf Sonntag endete die insgesamt 78 Stunden lange Dauervorlesung, die von den Besetzern im Hörsaal 21 des Kupferbaus veranstaltet worden war. Der letzte Redner von 75 teilnehmenden Dozenten war Uni-Rektor Bernd Engler. Und er wird wohl bald wieder im gleichen Hörsaal stehen. Engler hat seine Teilnahme am Plenum der Besetzer am heutigen Montag Abend angekündigt. Er will bei der Plenarsitzung der streikenden Studierenden zu deren Forderungen an das Rektorat der Uni Tübingen Stellung nehmen. Die Besetzer hoffen nun auf rege Teilnahme von Studierenden an dem Plenum, das um 20 Uhr im Kupferbau beginnen wird. Sie hatten am vergangenen Dienstag ausformulierte Forderungen an das Rektorat übergeben, am Mittwoch dann mit Absprache der Besetzer der anderen Hochschulen des Landes auch an die Landesregierung und den Landtag. Derweil kommen auch von der bundesweiten Hochschulrektoren-Konferenz positive Signale. Deren Präsidentin regte einen “Bologna-Gipfel” an, bei dem Politiker, Hochschulvertreter und Studierende gemeinsam nach Wegen aus der Bildungskrise suchen sollen. Außerdem forderte sie die Bundes- und Landesregierungen auf, sich Gedanken zu machen, wie eine bessere Finanzierung von Bildung in der Republik möglich sei. Die HRK sei der Ansicht, dass ein erheblicher Anteil der Probleme in der bundesdeutschen Bildung auf deren katastrophale Unterfinanzierung zurückzuführen sei.
Zusammen-Schließung
Özlem Isfendiyar vom Kreisverband Bündnis 90 die Grünen in Reutlingen äußerte sich folgendermaßen zum Thema Werkrealschule: „Die Werkrealschulen sind ja nur ein Minischritt einer Schulreform und wir wissen nicht mal, ob es die richtige Richtung ist“. Sie ist nicht die einzige, die den Veränderungen kritisch gegenübersteht. Dennoch sind die Werkrealschulen ab dem Schuljahr 2010 beschlossene Sache.In Kusterdingen hatte sich Bürgermeister Jürgen Soltau energisch Gegen die Pläne des Kultusministeriums gewehrt, leider ohne Erfolg. Das heißt Kusterdinger Schüler müssen ab Klasse acht wahrscheinlich nach Kirchentellinsfurt pendeln. Reutlingen soll vom kommenden Schuljahr an fünf Werkrealschulen bekommen. Dazu gehören die jetzt schon zweizügige Eduard-Spranger- und die Gerhart-Hauptmann-Schule.Die Hoffmann-Schule in Betzingen könnte mit den Schülern, die bisher in Ohmenhausen in die Waldschule gehen ,die erforderliche Schülerzahl erreichen. Die Matthäus-Beger Schule hat eigentlich zu wenig Schüler. Weil sie Eninger Schüler anziehen könnte unddie Räume dafür hat, bekommt sie im Plan aber die Schüler der Hermann-Kurz-Schule zugeschlagen. In der Hauptschule im Bildungszentrum Nord sollen die Hauptschüler aus Orschel-Hagen unterkommen. In Gönningen und Sondelfingen soll es vorerst weiter Hauptschulen geben.
Arsenal Ade
Es herrscht Aufregung in der Tübinger Filmszene. Der Grund ist die Anstellung von Dieter Betz beim Kino Arsenal. Er soll als Mann fürs Marketing neue Konzepte gegen den Niedergang des Arthaus-Kinos entwickeln. Dieter Betz ist kein Unbekannter in Tübingen. Er war Leiter der französischen Filmtage und Geschäftsführer des Trägervereins. 2003 wurde ihm wegen undurchsichtigen Finanzgebarens fristlos gekündigt. Jetzt müssten die ehemaligen Gegner wieder gemeinsame Kino-Sache machen, weil der Filmtage-Verein seine zwei FilmFestivals auch im Arsenal zeigt. Doch dazu soll es nicht kommen. Der Filmtage-Verein möchte die Kooperation beenden, falls Betz längerfristig bleibt. Volker Lamm vom Kino Museum hat bereits angeboten, beide Filmfestivals ganz in seinen Kinos aufzunehmen. Die Zeichen stehen auf Konfrontation. Auch das Kneipen- und Kinopersonal des Arsenal hat sich mehrheitlich gegen Dieter Betz ausgesprochen.
Poetik-Dozentur
Vom 1.-5. Dezember läuft in Tübingen die 23. Poetik-Dozentur. Im Zentrum steht der amerikanisch-deutsche Literaturaustausch. Drei Dozenten wollen der Frage nachgehen, welchen politischen Stellenwert amerikanische Gegenwartsliteratur einnehmen kann und wie sich das Verhältnis zur deutschsprachigen Literatur gestaltet.“ Dazu gibt es in Tübingen vier Veranstaltungen in der Neuen Aula.
Fahrplanschlamassel
Aufgrund technischer Probleme der deutschen Bahn kann der NALDO zum Fahrplanwechsel keinen neuen Fahrplan vorlegen. Die DB kann die An- und Abfahrtszeiten der Züge nicht genau angeben. NALDO kann ohne diese Grundlage jedoch keinen Plan ausarbeiten der für die Pendler die auf Zug und Bus angewiesen sind, erstellen. Wie und bis wann das Problem gelöst wird, steht noch nicht fest.
Weniger holprig
Die im August 2008 begonnene Sanierung der Steinlachallee, die ursprünglich nur neun Monate dauern sollte, ist jetzt, nach einem Jahr und drei Monaten, wieder geöffnet. Grund dieser Verzögerung war der hartnäckige Winter 2008/2009, der die Bauarbeiter immer wieder zu Pausen gezwungen hat. Im Januar diesen Jahres mussten sie ihre Arbeit gleich für zwei Monate niederlegen. Um Rasern vorzubeugen, wurden insgesamt vier Verengungen gebaut, an denen die Straße nur knappe 5,25m breit ist. Ob das 2008 veranschlagte Budget von 930 000€ eingehalten wurde, ist noch nicht bekannt. „Die zuständigen Bauamts-Mitarbeiter seien alle zu sehr mit dem Problem Mühlstraße beschäftigt“, so die Pressestelle der Stadt. Bus- Rad und Autofahrer freuen sich jedenfalls über kürzere Wege und angenehmeres Fahren in der Allee.
Die unendliche Straße
Die Mühlstrasse kann nun endlich wieder befahren werden. Es gibt zwei Erneuerungen: Kein Schwerlastverkehr darf mehr durch die Mühlstrasse rollen. Busse und andere Verkehrsteilnehmer werden von nun an mit maximal 30kmh durchfahren. In einer Abstimmung sprachen sich nur die Grünen für Tempo 20 aus, da so der Verkehr besser rollen würde. Die Mehrheit jedoch stimmte für Tempo 30.
Einsichten
Manuela Ritz wurde 1969 in Mügeln geboren. Sie war das einzige schwarze Mädchen in der sächsischen Kleinstadt. Inzwischen ist sie Anti-Rassismus-Trainerin und bemüht sich, der weißen Mehrheit ihrer Umgebung ihre unbewußten Rassismen vor Augen zu führen. Am besten könnte ihr das jedoch mit ihrem Buch „Die Farbe meiner Haut“ gelingen. Letzten Montag hat sie im franz K. ihre Autobiographie vorgestellt. Sie läßt ihre Leserschaft in ihre dunkle Haut schlüpfen und von da sehen die zehn kleinen Negerlein im Kinderbuch auf einmal ganz anders aus.
Knallgebühr
Insgesamt 36 000 € Jagdsteuer bezahlen die Jäger im Kreis Tübingen zusätzlich zu ihrer Jagdpacht. Und dies ist wohl auch der Grund, der den Versuch, diese Steuer abzuschaffen, in der Abstimmung des Kreistags spektakulär scheitern ließ. Dabei sind die Jäger die Naturschützer vor Ort, so die Argumentation der Vertreter der CDU-Fraktion, die diesen Antrag einbrachten. Jetzt ließen die Mitglieder der Kreisjägervereinigung wissen, daß sie spätestens zum 24. Dezember ihre freiwillige Aufgabe der Wild-Entsorgung einstellen werden. Rund 450 Mal im Jahr rückten sie bislang aus, um Wild beiseite zu schaffen, das bei Verkehrsunfällen umkam. Etwa 49 000 Euro im Jahr, so hieß es, muss der Landkreis einkalkulieren, wenn er das Unfallwild selbst entsorgen muss oder jemanden beauftragt.
Beratungszentrum
Zwei Jahre hat es gebraucht, bis es tatsächlich zum Zusammenschluss kam. Jetzt sind die Suchtberatungsstellen aus der Hechinger Straße und die aus der Westbahnhofstraße in der Straße beim Kupferhammer unter einem Dach. Dekanin Marie-Luise Kling-de-Lazzer erklärt: Die Situation habe sich inzwischen geändert,weil es immer mehr Menschen mitmehreren Suchterkrankungen gebe.Finanziert wird das ganze sowohl vom Diakonischen Werk(45 000 Euro im Jahr), als auch vom Landkreis (32 500 Euro im Jahr).Zehn Mitarbeiter kümmern sich künftig um die Suchtkranken

viel zu lange nachrichten..