Nachrichten vom 20.11.09

Mietspiegel beschlossen

Nachdem der alte Gemeinderat im Frühjahr noch die Einrichtung eines offiziellen Mietspiegels für Tübingen abgelehnt hatte, haben sich die politischen Vorzeichen dieser Debatte nun gewendet. Gegen den weiter bestehenden Widerstand von CDU, FDP und der Linken segnete die neue rot-grüne Mehrheit den von der Verwaltung vorgelegten Vorschlag nun ab. Die Mietspiegelgegner sprachen sich erneut gegen das Projekt aus, Stadtrat Brenner von der Linken sagte, die Mieten in Tübingen würden nach Ansicht seiner Fraktion steigen. Dass die Linken sich weiterhin gegen den Mietspiegel stellten ist besonders verwunderlich, da Mieterbund, Kreisarmutskonferenz und auch der Tübinger Arbeitslosen-Treff (TAT) vehement für das Instrument eingetreten sind. Der neue Mietspiegel wird nun von einem externen Institut erstellt. Die Umfragen und Berechnungen werden etwa 65.000 Euro kosten und im Frühjahr nächsten Jahres wird jeder Tübinger seine Miete selber vergleichen können.

Nazis raus!

Beamte der Beratungs- und Interventionsgruppe gegen Rechtsextremismus (BIG Rex) bieten Neonazis Hilfe zum Ausstieg aus dem Rechtsextremismus an. Sie besuchten 20 polizeibekannte Neonazis und ermumterten sie in einem Gespräch,  mit Hilfe von BIG Rex den Absprung aus  rechten Szene zu schaffen. Die Ermittler wollen damit aber auch Präsenz zeigen: “Sie sollen wissen dass wir sie im Auge haben”, sagte Tübingen’s Polizeisprecher.
Die BIG Rex besteht aus erfahrenen Kriminalbeamten des LKA sowie jungen Mitarbeitern der Bereitschaftspolizei und werden von Diplom-Pädagogen unterstützt.
Seit Beginn des Programms wurden bereits 1742 Rechte angesprochen, 314 Aussteigewillige wurden betreut.

Korruption in Tübingen

Das Tübinger Hochbauamt hat seinen Bestechungsskandal. Eine Mitarbeiterin soll mit dem Einkauf überteuerter Leuchtstoffröhren Steuergelder veruntreut haben. Die städtische Angestellte sei in ein groß angelegtes Betrugsmanöver einer Kölner Firma verwickelt. Sie habe seit zwei Jahren Leuchtstoffröhren für 10 Euro über dem Marktpreis gekauft und außerdem deutlich mehr als benötigt wurden. Im Gegenzug habe die Mitarbeiterin Geschenkgutscheine für Elektrogeräte bekommen. Wegen der erdrückenden Beweislage hat ihr OB Palmer jetzt fristlos gekündigt. Ein externer Gutachter soll jetzt die exakte Schadenshöhe ermitteln. Klärung bedarf auch, wie die Schutzvorkehrungen gegen Korruption und Betrug umgangen werden konnten.

Bauen für die Bildung

Schon seit geraumer Zeit stellt die Stadt erhebliche Beträge zur Verfügung, um die alten Bauwerke Tübingens zu renovieren. An erster Stelle stehen hierbei jedoch die Schulen. Für die Modernisierung des Wildermuth-Gymnasiums beispielsweise, hat die Stadt ca. 3,3 Millionen Euro ausgegeben. Als nächstes auf der Liste stehen unter anderem ein paar Grundschulen, noch ein Gymnasium und zwei Sporthallen. Finanziert werden sollen die Aufarbeitungen zum Teil durch zinsgünstige Kredite und gesparte Nebenkosten.
Zudem soll, die in den 60er Jahren erbaute Außenstelle der Innenstadt-Grundschule, abgerissen und neu errichtet werden. Die Stadtverwaltung teilte mit, dass der Neubau wahrscheinlich größer wird, da nicht nur die Grundschule wieder dort untergebracht, sondern auch Platz für einen neuen Kindergarten und Hortplätze zur Verfügung gestellt werden sollen, die derzeit in anderen Gebäuden untergebracht sind. Durch den Verkauf der Objekte soll ein Teil der Kosten getilgt werden, die derzeit auf rund acht Millionen Euro geschätzt werden. Geplant ist außerdem ein vom Hochbauamt organisierter Architekten Wettbewerb, der im nächsten Frühjahr stattfinden soll.
Deutlich höhere Priorität hat allerdings der Anbau des Uhland-Gymnasiums, der die Schule aus ihrem derzeitigen Platzmangel führen soll. „Es ist unser fester Wille, das Projekt voranzubringen“, teilte OB Boris Palmer mit. Den Zuschlag für die Planung des Projektes bekam das Ludwigsburger Büro „agn“ im Sommer. Für den An- und Umbau werden schätzungsweise weitere acht Millionen benötigt.

Phänomene des Spitzensports

Ansgar Thiel, Professor vom Institut für Sportwissenschaften der Uni Tübingen, ist der Meinung, dass der immer wachsende Leistungsdruck viele Sporttreibende dazu bringt, Verletzungen oder Krankheiten gar nicht oder nicht richtig auszukurieren, um an den Wettkämpfen teilnehmen zu können. In einer Studie untersucht Thiel zusammen mit seinen Kollegen Jochen Mayer und Professor Helmut Digel, wie Sportler mit ihrem Wohlbefinden umgehen. Viele klagen über Depressionen, unter Kraftlosigkeit und Epochen der Ausgebranntheit leiden rund 50 Prozent und von 100 Befragten erzählen ca. 30, dass sie mindestens einmal im Monat unter Schlafstörungen leiden. Das Ergebnis für die drei nicht überraschend. „Problematisch ist, dass diese Schwierigkeiten aufgrund der Fokussierung auf die körperliche Leistungsfähigkeit weitestgehend tabuisiert werden. Gesundheit wird mit Leistungsfähigkeit gleichgesetzt. Bei der Jagd nach dem sportlichen Erfolg ist kein Platz mehr, um Schwäche zu zeigen“,  erklärt Ansgar Thiel. „Falls den Sportlern die Diagnose bei dem einen Arzt nicht gefällt, gehen sie direkt zum nächsten und lassen sich dort behandeln“, ergänzt Jochen Mayer. Doch es fehlt nicht an guter Betreuung, denn Spitzensportlern stehen nicht nur, die von Verbänden und Vereinen gestellten, Allgemeinmediziner, sondern auch Physio- und Psychotherapeuten, sowie Ernährungsberater zur Verfügung. In der Realität jedoch zählt alleine die sportliche Leistung. Das Problem ist, dass nicht etwa nach dem „Warum“ gefragt wird, wenn die Leistung nachlässt, es wird einfach nur noch mehr trainiert.
Wilfried Kindermann, der viele Jahre als Mannschaftsarzt in der Deutschen Fußball-Nationalmannaschaft tätig war, sagte gegenüber dem „Stern“, „Schmerztabletten würden von den Sportlern wie Smarties eingeworfen.“ Dieser Äußerung schließt sich auch das Ergebnis der Studie an: Die Medikamente würden genommen, „ohne dass groß über die langfristigen Folgen nachgedacht wird.“
Laut Thiel lässt sich das Problem nicht so leicht lösen, „man müsse die Trainer und Ärzte mehr in die Pflicht nehmen, aber auch dafür sorgen, dass die Athleten ein besseres Verhältnis zu ihrer Gesundheit bekommen.“

Mitmachen Ehrensache

Mitmachen Ehrensache bietet Schülern und Studenten die Möglichkeit einen Tag in einem Unternehmen zu arbeiten um Geld zu verdienen. Das besondere hierbei: Der Lohn wird für einen guten Zweck gespendet. In Tübingen geht der Großteil an das Projekt „Clowns im Dienst“ das versucht, den Alltag in Kinderkliniken und Altenheimen abwechslungsreicher zu gestalten. Außerdem wird noch an den Verein „Studieren ohne Grenzen“ gespendet. Die Mitglieder versuchen jungen Menschen aus Krisengebieten eine bessere Bildungschance einzuräumen.
Wo die Teilnehmer von Mitmachen Ehrensache arbeiten wollen, entscheiden sie selber und müssen dies auch eigenständig organisieren.
Dass Studenten auch teilnehmen ist eine Besonderheit die es so nur in Tübingen gibt.
Stattfinden wird dann alles am 4. Dezember.