Kampf um die Hauptschule
Reutlingen spart. Und die Sarkasten unter uns wird es nicht überraschen, dass dabei zuerst mal die Schulen dran sind. Erst einmal drei, später bis zu fünf Hauptschulen sollen geschlossen und durch zwei Werkrealschulen ersetzt werden. Eine davon ist die Hermann-Kurz-Schule. Die ist zur Zeit noch eine kombinierte Haupt- und Werkrealschule, würde aber mit der baden-württembergischen Bildungsnovelle ihren Hauptschulstatus verlieren, da sie nur etwas über 100 Schüler im Hauptschulzug aufweisen kann. Somit würde sie sich dann nicht mehr rechnen. Damit wollen sich die Lehrer, Schüler und Eltern der Schule aber nicht zufrieden geben und protestierten am vergangenen Donnerstag: Mit Signalhörnern, wie man sie aus Fußballstadien kennt, lauten Sprechchören und Plakaten wie „Warum wir, wir bleiben hier“ sammelten die meisten der etwa 100 Schüler/innen erste Demo-Erfahrungen. Zur Aktion aufgerufen hatte der Elternbeirat der Grund- und Hauptschule. Das Konzept, das die Reutlinger Stadtverwaltung jetzt dem Gemeinderat vorlegen wird, sieht die Schließung von drei Hauptschulen („Kooperationsschulen“) vor: Hermann-Kurz-Schule, Schillerschule und Waldschule. Die Roßbergschule in Gönningen und die Mörikeschule in Sondelfingen sollen als einzügige Hauptschulen weiter bestehen. Der Gemeinderat und die zuständigen Beamten scheinen ihre Entscheidungen schon getroffen haben, aber die Betroffenen protestieren weiter. Und für die unverbesserlichen Optimisten: Vielleicht ist die Abschaffung einzügiger und die Neuschaffung kombinierter Schulen ja ein Schritt auf dem Weg zu einem Gesamtschulsystem. Glaubt’s wer ?
Stadtplaner am Werk
An der Mühlstraße Ecke Gartenstraße stehen provisorische Behelfsbauten. Diese Baracken am so genannten Germanen-Eck mit Dönerladen und Bäcker könnten jetzt fallen. OB Palmer wünscht sich einen „markanten Kopfbau mit einem Treppenabgang zur Mühlstraße hin“. Alle bisherigen Pläne scheiterten am Widerspruch der Burschenschaft Germania als Eigentümerin des Grundstücks. Unter bestimmten Bedingungen seien sie kooperationsbereit. Die Burschenschaft müsse im Besitz des Grundstücks bleiben und die Pachteinnahmen in Höhe von etwa 120 000 Euro dürften nicht sinken. Ein weiteres Haus unterhalb der maroden Treppe zum Österberg müsste für einen Neubau weichen. Doch die Eigentümer sind mit dem Angebot der Stadt nicht zufrieden. Jetzt warten alle auf den städtebaulichen Rahmenplan für eine realistische Kalkulation und eine eventuelle Investorengesellschaft.
Schöngerechnet
Ums mal vorweg zu nehmen die Gretchen Frage „soll die Mühlstraße für den Autoverkehr geschlossen werden?“ ließ OB Palmer offen, als er sich am Dienstag im Museum der Öffentlichkeit stellte. Im Gegensatz zum Tagblatt kam er auf 37 Prozent Mehrkosten statt den vorgeworfenen 50 Prozent, die die Mühlstraße gekostet haben soll. Wenn der Statiker recht gehabt hätte, wären es sogar nur 20 Prozent Mehrkosten gewesen. Leider wurden wegen dessen Fehleinschätzung die Sicherung der Stützmauer nur mit 50 000 € statt den tatsächlichen 330 000 € veranschlagt und auch die unvorhersehbare Ummantelung von Rohrleitungen haben Zusatzkosten von 24 000 € verursacht. Die 50 000€ die durch einen Messfehler entstanden sind werden laut Palmer wahrscheinlich von einer Versicherung übernommen.
Lücken im Netz
Es wurde heiß diskutiert in der Verwaltungs- und Technischen Ausschuss Sitzung am Donnerstag. Die Radwege im Kreis Tübingen sollen erneuert werden, so die Kreistags-Fraktionen. Als größte Missstände werden zum Einen die vielen Schlaglöcher und zum Anderen fehlende Verbindungen im Netzwerk angesehen. Die Untersuchungen seien jedoch noch nicht vollständig abgeschlossen, da Ofterdingen und das Regierungspräsidium ihre Stellungnahme bis jetzt noch nicht abgegeben haben, teilte der Kreistag mit. „Es wird eine Analyse des Landkreises in Auftrag gegeben, und es kommt eine Analyse der Gemeinden heraus“, bemängelt der Dußlinger Bürgermeister Thomas Hölsch die fehlende Ernsthaftigkeit der Städte, zu diesem Thema. Es sei außerdem zu prüfen wie sich die Erneuerung der Radwege für den Tourismus nutzen ließe, machte Eugen Höschele aufmerksam. So will man beispielsweiße eine Verbindung zwischen dem Mountainbike Weg der Schwäbischen Alb und dem des Schwarzwaldes konstruieren.
Schöne Aussichten
Seit 38 Jahren steht die Kunsthalle Tübingen. Seit sechs Monaten ist Daniel Schreiber geschäftsführender Kurator. Seine Vision für die Kunsthalle ist eine Mischung aus Zeitgenössischem, Klassischer Moderne und thematischen Schwerpunkten. Bis Januar noch verwandelt Anselm Reyle die Kunsthalle in ein psychedelisches Metakunstwerk. Unter dem Titel „Acid Mothers Temple“ erwartet die Besucher ein sinnliches Gesamterlebnis. Auf Reyle folgt mit Mel Ramos ein Pop-Art-Veteran mit Gütesiegel. Dann die Münchner Akademie-Proffessorin Karin Kneffel mit illusionistischen bis surrealistischen Werken. Außerdem präsentiert die Kunsthalle 2011 in Zusammenarbeit mit dem Kunsthistorischen Institut die Ausstellung: „Extrabreit – die 80er Jahre“. Eine echte Forschungsausstellung über den kommt der Zeitgeist von damals.
Heiße Luft
Biogas liegt voll im Trend. Daß ihnen nun aber schon drei Anträge für Biogasanlagen vorliegen, ist einigen Gemeinderäten Wankheims denn nun doch etwas zu viel. Nein, das Problem ist nicht der biogäsliche Geruch. Es geht eher um die dafür notwendigen Bauten. Denn, so war zu hören, während man bei der Ausweisung neuer Baugebiete enormen Einschränkungen unterliege, habe man bei landwirtschaftlich genutzten Bauten kein Mitspracherecht obwohl für die gewünschten Anlagen die Fläche eines ganzen Neubaugebietes benötigt würde. Dabei habe die Gemeinde doch eine eigene Fläche als Standort für eine gemeinschaftliche Biogasanlage angeboten. Jetzt soll das Landratsamt eine Stellungnahme abgeben. Dann hoffen wir mal, daß die auch zu Gunsten der Bürger ausfällt…
Come together
Der Theaterpädagoge Volker Schubert überzeugte am Dienstagabend die 20 Gäste schnell von seinem Projekt der Völkerzusammenführung. „Da mache ich mit“, entschied sich Mohamed Outaggarts vom Islamischen Kultur- und Begegnungsverein unwillkürlich. In den Pfingstferien 2011 soll das Camp für die acht- bis zwölfjährigen fertig sein. Man wird dort Workshops anbieten, die Kinder dürfen beim kochen helfen, spielen und auch Musik machen. Für das Projekt will Schubert unter anderem Pädagogik- und Lehramtsstudenten gewinnen. Es ist zudem eine gute Möglichkeit für den, mit Migrationshintergrund belasteten, Nachwuchs besser und vor allem mit Spaß Deutsch zu lernen, meint auch die Leiterin der städtischen Stabsstelle Integration, Susanne Omran. Oberbürgermeister Boris Palmer bot ebenfalls seine Hilfe an und versprach bei der Suche nach einem geeigneten Quartier zu helfen. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass es „die Räume nicht umsonst gebe“. In einem halben Jahr findet erneut ein Treffen statt, bei dem sich die internationalen Vereine austauschen können.
Mössingen spielt
Über hundert Laienschauspieler will das Theater Lindenhof für das Sommerkino in dem alten Fabrikgebäude der Pausa casten. Aufgeführt werden soll das Stück: „Die Schutzsuchenden“ von Aischylos , das älteste überlieferte griechische Theaterstück. Oliver Mourmouris möchte das Stück der Gegenwart anpassen und Menschenrechtsthemen mit einbeziehen. Die schlussendliche Konzeption des Mössinger Gesamtkunstwerks befindet sich noch in der Entwicklung. Bei einem Informationsabend am Mittwoch in der Kulturscheune waren 30 Spielwillige Mössinger anwesend. Noch bis Weihnachten ist Zeit sich zum mitmachen zu entschließen. Gesucht werden hauptsächlich junge Männer und Frauen.
Baumhaus in echt
Nein, das sei keine Ökoromantik und schon gar keine Alternative zur herkömmlichen Architektur, beharrt der Baubotaniker Ferdinand Ludwig. Dabei forscht er am Institut „Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen“ der Universität Stuttgart daran, die Entwürfe eines Gärtner namens Arthur Wiechula aus den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts umzusetzen. Durch das „Addieren“ von Einzelbäumen zu fachwerkartigen Konstruktionen, das Zusammenschrauben zweier Pflanzen und Metalleinschlüsse sollen tragfähige, begehbare geometrische Bauten aus lebenden Pflanzen wachsen. Allerdings denkt Ferdinand Ludwig dabei nicht an Wohnhäuser sondern eher an eine Art platzsparender Grünanlagen. Sein derzeit größtes Vorhaben ist ein vier Stockwerke hoher grüner Kubus aus Platanen für die Landesgartenschau 2012 in Nagold.
