Kupferbau-Räumungsandrohung besteht weiter

Mit mehr 400 StudentInnen war der Hörsaal 25 im Kupferbau mehr als voll.

Mit mehr als 600 StudentInnen war der Hörsaal 25 voll belegt.

Am gestrigen Mittwoch Abend fand im Kupferbau das bisher bestbesuchte Plenum der BesetzerInnen statt. Anwesend war neben mehr als 600 Studierenden auch der Rektor der Uni Tübingen, Bernd Engler, mit einem kleinen Gefolge. Was die Räumung angeht wurde aber kein Ergebnis erzielt. Der Rektor besteht weiterhin auf sein Hausrecht und somit sind die BesetzerInnen immer noch von einer Räumung durch die Polizei bedroht.

Bis zu 700 StudentInnen der Uni Tübingen hatten sich im Kupferbau eingefunden, um mit Engler über die drohende Räumung des besetzten Hörsaals 25 zu verhandeln. Zu Beginn des Plenums überbrachte zuerst ein Gast aus Wien Grüße von der ersten der besetzten Universitäten. Der Audimax in Wien ist bereits seit dem 20. Oktober besetzt. Es wurden die bisher besetzten Unis aufgezählt und man nahm über Skype (eine Konferenzanwendung für das Internet) Kontakt zum Plenum an der neu besetzten Uni Basel in der Schweiz auf. Die Sprachqualität liess zu wünschen übrig, was aber der Stimmung im Saal keinen Abbruch tat. Inhaltlich wurde im Plenum über gesetzliche Neuregelungen für Lehramtsstudierende gesprochen, für die anderen AK’s blieb aufgrund des dringlichen Themas “Räumung” keine Zeit. Einen Großteil der Plenums-Protokolle der letzten Woche können Interessierte aber auch online nachlesen.

Rektor Engler nahm vor dem Plenum Stellung zum Hausverbot.

Rektor Engler verlas vor dem Plenum das Hausverbot und nahm Stellung dazu.

Den Großteil der Sitzung nahm die Diskussion über das Hausverbot für die Protestierenden ein, dass Rektor Engler ausgeprochen hatte und das um Mitternacht von Mittwoch auf Donnerstag in Kraft getreten ist. Bis zuletzt hatten die AktivistInnen gehofft, eine gemeinsame Lösung für das Problem mit dem Rektorat zu finden. Leider wurden diese Hoffnungen nicht erfüllt. Engler lobte zwar die BesetzerInnen dafür, dass sie in Eigenregie die “Umleitung” eines Großteils der Lehrveranstaltungen organisiert hatten, so dass nur wenige ausfallen mussten. Trotzdem sieht die Uni-Leitung den “reibungslosen Ablauf der Lehre gestört”. Im Lauf der Diskussion wurde wiederholt die Vermutung geäußert, dass vor allem finanzielle Zwänge hinter der Räumungsandrohung stehen. Die Universität hat für das kommende Wochenende den Kupferbau für die “SWR3-Partynacht” an den öffentlich-rechtlichen Sender vermietet und muss bei Nichteinhaltung des Vertrags nach Informationen aus den Kreisen der BesetzerInnen eine Vertragsstrafe befürchten. Der SWR allerdings stritt eine Verantwortung in einer Stellungnahme konsequent ab. Man habe sich “zu keinem Zeitpunkt in interne Universitätsangelegenheiten eingemischt”. Nachdem das Plenum mit deutlicher Mehrheit gegen den vom Rektorat vorgeschlagenen Umzug in die “Alte Physik” gestimmt hatte, da dort weder freier Zugang noch ausreichende hygienische und infrastrukturelle Begebenheiten herrschen, suchte die Rektoratsleitung einen rhetorischen Ausweg aus der Verhandlung. Diesen fand sie darin, dass das Plenum nicht bereit war, am Mittwoch abend für StudentInnen zu sprechen, die am kommenden Wochenende die Besetzung aufrecht erhalten würden. So verliessen Engler und seine Kollegen gegen 22.30 Uhr das Plenum, ohne einen Kompromiss ausgehandelt zu haben. Engler stellte zwar weitere Gespräche in Aussicht und versprach gegenüber AktivistInnen, dass die Universität keine Strafanzeige gegen BesetzerInnen stellen würde, aber das Hausverbot blieb in vollem Maße bestehen. Die StudentInnen hoffen nun auf zahlreiche Unterstützung besonders in den “Nachtschichten”, um der Polizei die Räumung, sollte sie kommen, so schwer wie möglich zu machen. Allerdings wurde auf dem Plenum seitens der BesetzerInnen nochmal bekräftigt, dass der Protest wie in der Vergangenheit auch in Zukunft frei von Gewalt gegen Personen oder Sachen abgehalten werden sollte.

Mehr Infos gibt es auch in Interviews mit VertreterInnen der Protestierenden auf der Webseite des Lokalmagazins. Die Interviews findet Ihr hier und hier. Wenn Ihr mehr über die Proteste erfahren möchte, könnt Ihr das auf der Webseite der FSVV und auf dem neuen Blog der BesetzerInnen oder beim Bildungsmagazin auf der Wüsten Welle 96,6 tun. Die Sendung Alterna wird am kommenden Freitag zwischen 20 und 21 Uhr ein Spezial zu den weltweiten Besetzungen an Unis bringen. Außerdem gibt es laufend Infos bei Twitter (Hashtag #unibrennt@tuebingenbrennt@bildungsmagazin).

Und hier ist der Abend des bisher größten Plenums der Tübinger Uni-Besetzung in Bildern: