Nachrichten vom 30.10.09

Nepper, Schlepper, Knöllchenfänger

Parken in Tübingen ist eine echte Herausforderung. Die Plätze in der Innenstadt und den angrenzenden Gebieten sind knapp und wahrscheinlich besteht ein Gutteil des Innenstadtverkehrs aus Fahrern, die auf Parkplatzsuche sind. Auch die Gebühren werden zumindest im Innenstadtring mit 1,50 pro Stunde relativ teuer empfunden. Das geht aber noch teurer: 2 Euro kostet die Stunde in Heidelberg, 2,40 € muss man in Stuttgart dafür berappen. Und da Tübingen ja immer vorne dabei sein möchte, überlegt die Stadt nun, die Parkgebühren entsprechend anzupassen. 2 Euro für die Stunde in der Innenstadt sind angedacht, darüber hinaus sollen die Zonen mit Parkgebühren im Norden, Süden und Westen Tübingens erweitert werden. Wegfallen soll die Außenzone, in der die Stunde nur 50 Cent kostet und die inneren Zonen entsprechend erweitert werden, so dass das Parken in Tübingen dann min. 1 Euro pro Stunde kostet.
Entsprechend soll das Team von 11 Knöllchenpolizisten in Tübingen um 3 neue Leute aufgestockt werden. Die Stadt verspricht sich unter dem Strich von all diesen Entscheidungen Mehreinnahmen von mehreren hunderttausend Euro. Naja, billiger als am Stuttgarter Flughafen mit 6 Euro pro Stunde ist es ja immer noch und irgendwie müssen die Mehrkosten des Mühlstrassenumbaus ja gegenfinanziert werden.

Kino mit Untertiteln

Seit gestern Abend sind die Französischen Filmtage offiziell eröffnet die Wüste Welle berichtete live von 18-20.00 Uhr aus dem Foyer des Kino Museum am Stadtgraben.
Zum Auftakt sah man Sandrine Bonnaire die auch den Weg nach Tübingen fand in “Joueuse – Die Schachspielerin”. In dem Film spielt sie eine Haushälterin, die in den Bann des Schachspiels gerät.
Mehr Informationen zum Festivalprogramm erfahrt ihr auf der Seite www.filmtage-tuebingen.de/

Lang lebe das Lesen

Zum 10 Jährigen Jubiläum des Büchereivereins Mössingen hielt das Tübinger Urgestein der Sozialwissenschaften Professor Hermann Bausinger, welcher selber zusammen mit Ehefrau Andrea Mitglied des Vereins ist, eine Rede und lobte dabei die vielen Lesungen und wissenschaftlichen Vorträge, sowie die Angebote für Kinder und Jugendliche welche  der Verein regelmäßig veranstaltet. Als ein „beharrliches Medium“ bezeichntete er die Bücher und vom vielfach prophezeiten Aussterben der Selbigen wollte er nichts wissen. Gewisse Veränderungen des Literaturkonsums mit „Bestseller-Schinken, Ratgebern und reichlich dubioser Esoterik“  räumte er aber dennoch ein. Die Unterhaltsame Rede wurde mit viel Beifall aufgenommen.  Auch  Oberbürgermeister Werner Fifka war anwesend und lobte die Bücherei und den Förderverein. Er bedankte sich namentlich bei dem Vorsitzenden Dieter Schmidt. Ende nächsten Jahres, werde die Bücherei aufs Pausa-Gelände umziehen können, so die optimistische Prognose des Bürgermeisters.

Boris an Guido

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hat sich in einem offenen Brief an den neuen Vizekanzler und Außenminister Guido Westerwelle gewandt. Allerdings geht es in dem Schreiben nicht um seine neue Rolle und Palmer bietet auch keinen Englischunterricht an. Vielmehr wendet er sich an den FDP-Parteichef Westerwelle und beklagt sich über die Pläne der Partei, kommunale Entsorgungsbetriebe in Zukunft ebenfalls mit der Umsatzsteuer zu belasten.
Palmer hält diesen Schritt für widersinnig. Ziel der FDP sei es, im Entsorgungsbereich Konkurrenz herzustellen. Das sei aber sinnlos, solange die Kommunen weiterhin die Entsorgungspflicht haben. Privatunternehmen würden somit nur in den wirtschaftlich lukrativen Gebieten Angebote machen und den staatlichen Entsorgern würden die anderen Gebiete bleiben. So würden unter dem Strich die Kosten für die Bürger steigen und zwar unabhängig von deren monatlichen Einkommen. Das sei letztlich nur ein weiterer Schritt in die Richtung, mit den finanziellen Erleichterungen für die Besserverdienenden die Schlechterverdienenden zu belasten. Abschließend bat Palmer darum, wenn die Koalition sich doch anders entscheiden sollte, wenigstens dann nicht die Kommunen für die resultierenden höheren Preise verantwortlich zu machen.

Löchriges Netz

Das Tübinger Arbeitsamt mutet einer Krankenschwester zu, ihren an Diabetes erkrankten Partner nicht nur den Lebensunterhalt zu finanzieren. Nein, sie muss auch noch die Krankenversicherung ihres Partners mit übernehmen. Mit 1500 € netto verdient sie laut Arbeitsamt genug um ihn rundum mit zu versorgen.
Das die Umstände unter welchen ein Krankenschwester heutzutage ihr Geld verdient nicht die besten sind, sprich das es sich um hart verdientes Geld handelt dürfte sich auch beim Arbeitsamt herumgesprochen haben. Aber um explizit auf die Situation von Peter A. Einzugehen. Entweder kennt der Sacharbeiter, der dieses Urteil in unfreundlicher Art und Weise verkündetet hat keinen Diabetiker und die damit verbunden Kosten oder er ist Teil einer unmenschlichen Ignoranz die einem moralischen Bankrott gleich käme. Sonst hätte im ein solches Urteil die Schamesröte ins Gesicht getrieben. Das die Verantwortung für derart unmenschliches Verhalten beim Gesetzgeber liegt, mag eine gern gewählte Ausrede der Sachbearbeiter sein. Aber das der Taxifahrer Peter A. wohl im Rechtsbewusstsein der Bevölkerung als Taxifahrer über 20 Jahre lang bis zu einer Krebserkrankung, einer weitaus ehrenvolleren Beschäftigung nachgegangen ist als jener Unrechtsvollzieher im Arbeitsamt, davon möchte jemand der noch ans Gute im Menschen glaubt wohl ausgehen. Es liegt als in der Pflicht der Ausführenden sich an den Gesetzgeber zu wenden um Ihren ruf als Menschen und soziale Helfer wieder herzustellen.

Zeitzeugen berichten

Die Gedenkstätte fürs ehemalige KZ  Hailfingen/Tailfingen entsteht in Arbeitsteilung der Kommunen von Rottenburg und Gäufelden. Die Stadt Rottenburg stellt das Mahnmal, Gäufelden richtet einen Ausstellungsraum ein. Das Ausstellungskonzept möchte die Geschehnisse im Lager mit hoher Authentizität vermitteln. Dafür stehen elf Monitore und drei Video-Stelen zur Verfügung. Hier können sich Besucher in Interviews mit Zeitzeugen erzählen lassen, was damals passiert ist. Es werden nur Menschen zu sehen sein, die persönlich mit dem Lager zu tun hatten, seien es nun überlebende Häftlinge oder Leute aus der Umgebung. Zusätzlich gibt es großflächige Text- und Bildtafeln für die historischen Hintergrundinformationen. Die Kosten werden sich auf etwa 200 000 Euro summieren. Und das ohne Gedenkstättenförderung vom Bund. Dem Ort fehle der „nationale und internationale Stellenwert“. Das Ausstellungskonzept mit entwickelt und vorbereitet hat der Verein gegen das Vergessen. Die Eröffnung im alten Tailfinger Rathaus könnte im Sommer 2010 stattfinden. Hoffentlich gemeinsam mit der Einweihung des KZ-Denkmals.

Der Luxus beider Meinungen

Zeitzeugen suchte auch der Journalist und Autor Martin Schäuble. Er wollte mit Palästinensern und Israelis aus allen Generationen darüber sprechen, wie sich der Nah-Ostkonflikt seit dem ersten Weltkrieg auf sie und ihre Familien auswirkte. Deshalb setzte er sein in Berlin begonnenes Politik-Studium an israelischen und palästinensischen Universitäten fort.
Die ersten, die sich für seine Ergebnisse interessierten, waren die Familien, bei denen er jeweils wohnte. Man war sehr neugierig, wie es „auf der anderen Seite“ zuging. Nur er hatte, so Schäuble, „den Luxus beider Meinungen“. Seine Gastgeber durften nicht in das Gebiet der jeweiligen „anderen“ reisen.
Am letzten Freitag hat er sein Buch über seine Recherchen im Rahmen der Jugendbuchwoche im LTT vorgestellt. „Die Geschichte der Israelis und Palästinenser“ ist im Hansa-Verlag erschienen. Derzeit schreibt er eine Doppelbiographie über zwei militante Islamisten.

Projekt Wohnen

Selbstverwaltung hat Tradition in Tübingen. Viele Wohnprojekte haben über Jahre hinweg für diese etwas andere Art des Zusammenlebens gekämpft. Die Ursprünge liegen in den 70er Jahren, als Häuser wie die Münzgasse 13, die Ludwigstraße 15 oder die Schellingstraße 6 besetzt wurden. Später legalisiert dienten sie auch rein studentischen Wohnheimen als Vorbild für die Selbstverwaltung. In der Hausversammlung können alle Bewohner Vorschläge einbringen und stimmen gemeinsam ab. Ob über Anschaffungen oder den Termin fürs nächste Hausfest. Die Hausbar ist offen für die Bewohner und ihre Gäste. Ein Ort für anregende Diskussionen, politischen Veranstaltungen, Konzerte und günstige Getränke. Das Zusammenleben in Selbstverwaltung geht übers Wohnen hinaus und lebt vom Engagement der Beteiligten.

Gedanken schaffen Realitäten

Der Titel läßt es nicht ahnen, aber Thoughts-Making-Things ist ein deutschsprachiges Musical. Ob nun auf deutsch oder neu-deutsch – der Titel ist Programm. Die Autorin und Regisseurin Angelika Bastians möchte damit jungen Menschen helfen, ihr Potential zu leben.
13 – 25 Jahre alt sind die Darsteller, die seit einem Jahr zusammen proben. Am Mittwoch war Premiere im LTT, weitere Aufführungen finden  am 1., 2. und 3. November statt. Das Projekt wurde u.a. realisiert vom Verein für Musikkultur „Move“ e.V.. Für die geplante Tournee werden noch Sponsoren gesucht.

Theater im Test

95 000 € betrug das Defizit, das das Zimmertheater bedrohte. Nach dem beinah Weltuntergang werden nun Theatertester gesucht. Einen pro Woche läßt das Zimmertheater kostenlos eintreten. Als Gegengabe wird ein Bericht in Form eines Blogs erwartet. Bewerben kann sich jeder unter  info@zimmertheater-tuebingen.de oder per Post mit dem Stichwort „Theatertester“.
Wem das zu aufwendig ist, der kann bei den kostenlosen Werkeinführungen vorbeischauen. Die erste ist diesen Sonntag um 11.00 zur „Braut von Messina“. Butterbrezeln gibts auch.

spielend sprechen lernen

Zwei neue Projekte sollen Kindern mit Migrationshintergrund helfen, sprechen zu lernen. 15 Zweitklässler der Grundschule am Hechinger Eck werden für zwei Jahre an einem Improvisationstheaterprojekt teilnehmen. Ebenfalls zwei Jahre dauert die Sprachförderung für SchülerInnen der fünften bis achten Klasse des Carlo-Schmid-Gymnasiums. Beide Projekte werden von der Stadt gefördert.