Nachrichten vom 19.10.09

1. Die Regelschulen bringen ‘s nicht

88 Bewerber auf 26 Plätze. Die Nachfrage nach einem Schulplatz auf dem Privaten Firstwald- Gymnasium in Mössingen ist hoch. Und das obwohl die Eltern der Schüler für die Schulausbildung ihrer Kinder in die eigene Tasche greifen müssen. 167 € kostet die Schule monatlich soll aber trotzdem keiner Elite vorbehalten sein. Mit einem Sozialfond ist dieses Jahr erstmals an die finanziell schwächeren Familien gedacht worden. Die Schule lege besonders Wert auf die individuelle Förderung und das angepasste Lerntempo so Schulleiter Helmut Dreher, außerdem gebe es ein funktionierende Ganztagsbetreuung. Der Aufbauzweig führt Realschüler nach 3 Jahren zum Abitur.

Auch auf den Katholischen Schulen St. Meinrad Gymnasium und der Mädchenschule in Rottenburg wird Wert auf diese individuellen Grundsätze gelegt. Schulleiter Pflaum-Borsi hebt für seine Mädchen Schule besonders hervor, dass es weder Gewalt noch Vandalismus gebe.

Auch Grund und Hauptschüler können in Rottenburg und Tübingen in den Genuss einer Privaten Ausbildung kommen. in Rottenburg an der Carl-Joseph-Leiprecht-Schule und in Tübingen an der Freien Aktiven Schule (FAS). Die Fürstwald-Schule in Mössingen hat seit diesem Jahr ebenfalls eine Grundschule im Angebot. Hierzu finde morgen am Dienstag den 20. Oktoober um 20.00 ein Informationsveranstaltung im Festsaal der Schule statt.

Als Ganzheitlich kann man das Konzept der Waldorfschule betrachten. In Tübingen befinden sich derzeit 843 Schüler in dieser Schulform. Das Schulgeld wird nach dem Einkommen der Eltern berechnet.

Öffentliche Schulen erhalten im Schnitt vom Staat rund 5100 Euro pro Schüler und Schuljahr, Private hingegen nur zwischen 2500 und 4300 Euro. Da bleibt Bildung wohl trotz ausgleichender Ansätze auch in Deutschland “eine Frage des Geldes”.

2. Den Riegel vor das Gartentor!

Sie kletterten sogar durchs Fenster in den überfüllten Saal. Mehr als doppelt so viele Anwohner als erwartet drängten sich letzten Dienstag im Saal der Jugendherberge. Sie alle wollten die Gartenstrasse vor der Verdichtung retten. Über 200 BürgerInnen erhofften sich letzten Dienstag Hilfe von OB Palmer. Fünf Baustellen sind geplant: Auf dem ungenutzten Stadtwerke-Areal zwischen Gartenstraßen-Park und Neckar sowie auf dem Parkplatz vor dem Tennisclub sollen 32 Wohnungen entstehen. 110 Wohneinheiten in 31 Häusern plant das Stuttgarter Siedlungswerk bis 2013 an der Hundskapfklinge am Österberghang. Der CVJM will einen Teil des Gartens verkaufen, um die Renovierung des Gebäudes in der Gartenstraße 81 zu finanzieren. Erste Pläne sehen einen Riegel aus einem vier- und einem siebenstöckigen Haus sowie Garagen vor. Ein viergeschossiges Haus mit fünf Wohnungen soll auf dem noch leeren Grundstück Gartenstraße 28 entstehen. Und das Haus Nr.44 soll durch einen Bau mit 132 Wohneinheiten ersetzt werden. Zumindest für den CVJM Garten wußte OB Palmer Rat: Die Gartensträßler sollten doch eine Initiative gründen und den Garten selbst kaufen. Und den Durchgangsverkehr durch eine Schranke draußen halten – diesen Publikumsvorschlag griff er bereitwillig auf. So schritten die Anwohner und -innen beruhigt von dannen, obwohl sich an den übrigen Bauplänen wohl kaum rütteln läßt.

3. Wogende WellenDer Hirschauer Baggersee schlägt zur Zeit hohe Wellen. Städtische Nutzungspläne erregen die Gemüter. Jetzt diskutierten Nutzer des Sees mit Vertretern der Stadt. Die größte Sorge der Umbaugegener ist ein höheres Menschen- und Müllaufkommen. Die Stadt will dagegen nur der Verwilderung der Seenlandschaft entgegenwirken. Alle Nutzergruppen sollen Teil eines „harmonischen Konzepts“ sein, mit dem man den aktuellen Zustand halten wolle. Investorenpläne, Wasserski oder Campingplatz seien kein Thema mehr. Für den Artenschutz wolle man die Schilfgürtel vor dem Betreten schützen. Die Angler bekommen eine neue Flachwasserzone und Familien eine Liegewiese. Nacktbader und Wildvögel sollen in eine Schutzzone. Beschlossen ist allerdings noch nichts.
4. Hochwasserschutz am Neckar

Drei Regenrückhaltebecken sollen den Hochwasserschutz am Neckar verbessern. Hemmendorf, Dettingen und Bad Niedernau sind Nutznießer des Hochwasserschutz-Systems. Der Rottenburger Gemeinderat stimmte mehrheitlich für den Bau der Becken. Diese sollen die negativen Folgen von Starkregen verhindern. Noch läuft eine Umweltverträglichkeitsprüfung. Natur- und Gewässerschutz sind zu beachten. Die geschätzten Kosten von mehr als 5 Millionen Euro wollen sich das Land und die Stadt Rottenburg teilen.

5. Auf den Stromschnellen des Erfolgs

Die Stadtwerke Rottenburg sind stolz auf ihren Jahresabschluß 2008. Trotz Subventionierung der Rottenburger Bäder freuen sie sich über gut 700 000 € Gewinn. Allerdings fußen die auf einer Steuerrückerstattung und einer außerplanmäßigen Lieferung an den hochwassergeschädigten Nachbarn Starzel-Eyach. Und für die Zukunft drohen neue Kosten durch den Hallenbad-Neubau und bei den Stadtbussen sowie der schärfer werdende Wettbewerb beim Stromverkauf. Doch gerade da hofft man sich zu bewähren, im Kampf um neue Kunden. In den Rottenburger Stadtteilen gibt es nämlich noch ein zu erschließendes Potential: etwa die Hälfte der Bürger ist noch nicht Kunde bei den Stadtwerken Rottenburg. Außerdem gab es im alten Haushalt diesen einmaligen Personalposten, diese Abfindung des vormaligen Geschäftsführers, man sprach von 300 000 €. Tja, in den Kategorien reichen halt keine sechs aus dem Biomüll geklaubten Maultaschen oder eine Boulette vom falschen Buffet, um einen teuren Mitarbeiter fristlos loszuwerden…

6. Europäischer Bürgerpreis nach Mössingen

Der Mössinger Grafiker Jochen Gewecke erhält den europäischen Bürgerpreis für ein besonderes Ausstellungs-Projekt. Er fotografierte in Gotteshäusern dreier Religionen und stellte die Bilder in den jeweils anderen aus. Architektonische Details von Synagogen, Moscheen und Kirchen sind auf den Fotos zu sehen. Bilder aus der Synagoge in der Kirche, die aus der Kirche in der Moschee und aus der Moschee in der Synagoge. Die Idee von Gewecke war: „Menschen gewinnen hinzusehen. Und zwar an Stellen, wo sie üblicherweise nicht hingucken.“ Dafür bekommt er jetzt den erstmals vergebenen europäischen Bürgerpreis. Er würdigt Aktionen, die gegenseitiges Verständnis und Integration in und außerhalb der EU fördern oder Werte der Gastfreundschaft, Solidarität und Toleranz umsetzen.

7. Solardorf Dettenhausen

Das Altenzentrum Haus im Park konnte in Dettenhausen schon Solarenergie-Technisch gewinnbringend eingesetzt werden für Für die Teilhaber der Fotovoltaikanlage . Jetzt ist eine Zweite Gesellschaft geplant. Diesmal soll die neue Schule unters Solardach kommen. bzw. Das Solardach auf die Schule. Attraktiv ist die Beteiligung an diesem Projekt, dass die Gemeinde als Eigentümer keine Nutzungsgebühr erhebt. Eine Gründungsversammlung mit ausführlichen Informationen über die geplante Anlage findet am kommenden Dienstag, 20. Oktober, um 20 Uhr im Kaffeestüble, Haus im Park, Einsiedelstraße 1 statt.

8. Naturverbundenheit

Die Schönbuchschule in Dettenhausen brachte letzten Donnerstag ihren Schülern den Wald näher indem sie sie in den Wald brachten.Im Schaichtal veranstaltete sie mit rund 200 Kindern die zweiten Waldspiele seit 2007. Die vielfältigen Aufgaben verlangten Geschicklichkeit, Kreativität und Wissen und verbanden Teamarbeit mit Naturerfahrung. Am Ende des Tages gab es eine große Siegerehrung, bei der letztlich keines der Kinder leer ausging.

9. Vorsicht Fascho

Zeichen und Symbole spielen eine große Rolle in der rechten Szene. Für Außenstehende ist es oft schwer, Anzeichen zu erkennen. Der Kreisjugendring schulte Mitglieder. Die rechte Zeichensprache ist umfangreich, aber unübersichtlich. Etwa der Code 168:1, der den rechten Selbstmordattentäter von Oklahoma glorifiziert. Die Zahlencodes 18 und 88 kennen viele – sie stehen für den ersten und achten Buchstaben des Alphabets, also die Initialen Adolf Hitlers und den Hitlergruß. Bekannt ist auch die Kleidermarke Thor Steinar als Erkennungszeichen für rechte Gesinnung. Auch Pullis von Dobermann mit dem Logo „Masterrace Europe“ zählen zur einschlägigen Klamottenmarken. Im Internet blüht der Versandhandel mit rechtslastigem Gut, von Kleidung bis Musik. Aber die Grenzen verwischen. Glatzen und Bomberjacken trägt heute jeder, ein rechtes Signal ist inzwischen der Palästinenserschal, den früher Linke getragen haben. Die neueste Entwicklungsstufe ist der „Nazi 3.0“ – in moderner und normaler Kleidung bieten sie sich als Partner für die Jugendarbeit an. „Wir tun etwas fürs Gemeinwohl, Herr Bürgermeister, und organisieren eine Sonnwendfeier!” Laut Referent Jürgen Jünger sind die Rechte heute in sämtlichen Jugendgruppierungen angekommen.“ Als Methode empfiehlt er: „Ansprechen, konfrontieren, nicht drüber hinweg gehen!“ Nichtstun sei das Schlimmste. Kein Fußbreit den Faschisten!!


10. Bauruine bewegt sich

Die Hauptgläubigerbank Archon Capital hat einen Insolvenzantrag gestellt gegen Yonathan Goenawan – so lautet der indonesische Name des Klavierpädagogen Wei Tsin Fu, der 1995 für umgerechnet 1,75 Millionen € das Foyer-Areal an der Blauen Brücke übernahm. Nach 15 Jahren ist von dem versprochenen Kulturtempel für 12,5 Millionen € eine bröckelnde Betonbauruine geblieben, für die der Münchener Hypo-Vereinsbank, damaliger Hauptgläubiger, beim letzten Versteigerungsversuch im Jahre 2004 nicht einmal mehr 1,3 Millionen € geboten wurden. Die faulen Kredite hat inzwischen die Archon Capital übernommen und diese hat nun das Insovenzverfahren angestrengt, das Ende September bereits eröffnet wurde. Es ist also wieder Spielraum geöffnet für neue Interessenten, einige davon hält OB Palmer für aussichtsreich. Der Insolvenzverwalter bestätigt zumindest zwei Anträge, genaueres wollten aber werde er noch der OB ausplaudern. Die Tübinger CDU fordert einen schnellen Abriss, rechtlich wäre das möglich, aber für OB Palmer kommt dies erst als letztes Mittel in Frage. Wei Tsin-Fu indes dürfte sich um die Zukunft seiner privaten Musikschule, der „Academy of Networked Thinking in Music“ sorgen. Bis zu einer bestimmten Pfändungsgrenze könne er weiter tätig sein, erklärte dazu der Insolvenverwalter.

11. Fette Förderung für Philosophen

400 000 Euro erhält Wolfgang Schröder vom Philosophischen Seminar für Forschung im Bereich Philosophie und Politik. Vor allem die europäische Sozialpolitik steht auf dem Prüfstand. Der Privatdozent wird mit einer Arbeitsgruppe Szenarien entwerfen, die zeigen sollen, wie eine nachhaltige und gerechte Sozialpolitik aussehen kann. Lösungen müssten mit gemeinsamen europäischen Instanzen erreicht werden, die es für Sozialpolitik noch nicht gibt. Eine harmonisierte Sozialpolitik berge allerdings auch viele Gefahren, so Schröder. Darum ist der Kern der philosophischen Forschungsarbeit die „Offene Methode der Koordinierung“ (OKM). Die europäischen Staaten suchen von sich aus die Kooperation, statt starrer Regeln im Europarecht zu verankern. Die mögliche Umsetzung ist eine Fragestellung des Projekts. Dabei geht es auch um politische Gerechtigkeit. „Solidarität würde langfristigen Nutzen für ganz Europa bringen und auch den Friedensprozess fördern“, so Schröder. Das Projekt zeige, wie praxisrelevant die Philosophie ist. Es gehe nicht nur um ethische Ideale, sondern um konkrete Gesetzesentwürfe für eine bessere Gesellschaft. Davon könne die europäische Sozialpolitik profitieren.

12.Schulsport und Leistungsport in Mössingen”"”

Neben der neuen Grundschule hat die Fürstwaldschule in Mössingen, ab September nächsten Jahres, auch eine neue Sporthalle zu bieten, welche auf dem ehemaligen Gelände des UnD-Festivals erbaut wird. Beim richtfest welches letzten Mittwoch stattfand sorgte sogar der Architekt Hans-Martin Rempfer eigenhändig für den musikalischen Teil und spielte zusammen mit Internatsleiter Rainer Gänzle Posaune. Nach Fertigstellung soll die Halle neben dem Schulsport zusätzlich noch als Leistungsstützpunkt für den Badminton-Verband in Baden-Württemberg dienen.