Schrecken ohne Ende
Die Mühlstraße führt immer weiter bergab ins Haushaltsloch. Jetzt wurde die Fahrbahn zu weit zur Stützmauer hin verlegt. Um 15 cm, die´s in sich haben – 15 cm, die bei einer Begegnung der Stadtbusse dem mauerseitigen der beiden seinen Außenspiegel kosten würde. OB Palmer konnte gerade noch die Belagsarbeiten stoppen. Jetzt kommen voraussichtlich nochmals 50 000.- € und weitere zwei Wochen Bauarbeiten auf das Konto von Tübingens Dauerbrenner der Gemütserhitzung.
Bauruine bewegt sich
Die Hauptgläubigerbank Archon Capital hat einen Insolvenzantrag gestellt gegen Yonathan Goenawan – so lautet der indonesische Name des Klavierpädagogen Wei Tsin Fu, der 1995 für umgerechnet 1,75 Millionen € das Foyer-Areal an der Blauen Brücke übernahm. Nach 15 Jahren ist von dem versprochenen Kulturtempel für 12,5 Millionen € eine bröckelnde Betonbauruine geblieben, für die der Münchener Hypo-Vereinsbank, damaliger Hauptgläubiger, beim letzten Versteigerungsversuch im Jahre 2004 nicht einmal mehr 1,3 Millionen € geboten wurden. Die faulen Kredite hat inzwischen die Archon Capital übernommen und diese hat nun das Insovenzverfahren angestrengt, das Ende September bereits eröffnet wurde. Es ist also wieder Spielraum geöffnet für neue Interessenten, einige davon hält OB Palmer für aussichtsreich. Der Insolvenzverwalter bestätigt zumindest zwei Anträge, genaueres wollten aber werde er noch der OB ausplaudern. Die Tübinger CDU fordert einen schnellen Abriss, rechtlich wäre das möglich, aber für OB Palmer kommt dies erst als letztes Mittel in Frage. Wei Tsin-Fu indes dürfte sich um die Zukunft seiner privaten Musikschule, der „Academy of Networked Thinking in Music“ sorgen. Bis zu einer bestimmten Pfändungsgrenze könne er weiter tätig sein, erklärte dazu der Insolvenverwalter.
Fette Förderung für Philosophen
400 000 Euro erhält Wolfgang Schröder vom Philosophischen Seminar für Forschung im Bereich Philosophie und Politik. Vor allem die europäische Sozialpolitik steht auf dem Prüfstand. Der Privatdozent wird mit einer Arbeitsgruppe Szenarien entwerfen, die zeigen sollen, wie eine nachhaltige und gerechte Sozialpolitik aussehen kann. Lösungen müssten mit gemeinsamen europäischen Instanzen erreicht werden, die es für Sozialpolitik noch nicht gibt. Eine harmonisierte Sozialpolitik berge allerdings auch viele Gefahren, so Schröder. Darum ist der Kern der philosophischen Forschungsarbeit die „Offene Methode der Koordinierung“ (OKM). Die europäischen Staaten suchen von sich aus die Kooperation, statt starrer Regeln im Europarecht zu verankern. Die mögliche Umsetzung ist eine Fragestellung des Projekts. Dabei geht es auch um politische Gerechtigkeit. „Solidarität würde langfristigen Nutzen für ganz Europa bringen und auch den Friedensprozess fördern“, so Schröder. Das Projekt zeige, wie praxisrelevant die Philosophie ist. Es gehe nicht nur um ethische Ideale, sondern um konkrete Gesetzesentwürfe für eine bessere Gesellschaft. Davon könne die europäische Sozialpolitik profitieren.
Zwischen den Stühlen?
Die Ergebnisse des ersten Jugendbegegnungstages waren Thema im Ammerbucher Gemeinderat. Ganz oben auf der Mängelliste stehen der öffentliche Nahverkehr, fehlende günstige Essmöglichkeiten und mangelhafter Spaßfaktor im Entringer Freibad. Die Wunschliste dominiert das Bedürfnis nach Jugend-Treffpunkten in allen Teilorten von Ammerbuch. 140 Kinder und Jugendliche, immerhin 10 Prozent der 12-18-jährigen beteiligten sich am Jugendbegegnungstag. Vor allem die im Alter von 12-15 leiden unter der Situation: „Zu alt für den Hort, zu jung fürs Jugendhaus.“ Diese Lücke könnten Jugendcafés schließen. Dort könnten die jüngeren am frühen Abend quatchen, chillen oder einfach mal nichts machen, so Kreisjugendpflegerin Christa Hintermaier. Zur Entwickung eines Konzepts für die Jugendarbeit sei ein „runder Tisch“ hilfreich. Eine Koordinatorenstelle zur Vernetzung der Angebote in den Teilorten wäre wichtig. Welcher finanzielle und organisatorische Rahmen für den Ausbau der Jugendarbeit vorhanden ist, werden erst die Haushaltsberatungen zeigen. Die Entwicklung und Umsetzung des Ammerbucher Jugendkonzepts bleibt also weiterhin offen.
Collie-Pädagogik
Tiergestützte Therapie und Pädagogik ist ein neuer Weg in der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Collie Luca und Sozialpädagogin Kathrin leisten in Reutlingen aufsuchende Jugendarbeit, wie es im Fachjargon heißt. Der Hund wirkt „wie ein Katalysator“. Es fällt leichter, den ersten Kontakt zu knüpfen, denn der geht meist über den Hund. „Manche Kinder haben nie die Erfahrung gemacht, dass sie etwas kontrollieren können. Sie leben im Gefühl des Unvermögens. Wenn es aber beim Hund funktioniert, dann ist das für viele ein tolles Erfolgserlebnis. Ein Nebeneffekt ist, dass Kinder und Jugendliche die Angst vor Hunden verlieren. Ein Hund ist nicht gleich eine Bedrohung.“ Und sie lernen, wie wichtig ein freundlicher Umgangston und viel Lob sind. „Es ist ein soziales Kompetenztraining. Sie wissen: Wenn ich das mit dem Hund kann, kann ich es auch mit Menschen!“ Dem Hund macht die Arbeit Spaß, bedeutet aber auch Stress. Große, lärmende Kinderscharen überfordern schnell. Die Sozialpädagogin muss eben beides im Auge behalten, die Bedürfnisse der Jugendlichen und die des Hundes.
Licht am Ende der Kulturnacht
So lautete der Titel der letzten Stunde der Live-Übertragung der Wüsten Welle von der Reutlinger Kulturnacht. Nicht nur die Stadt war illuminiert – auch die Besucher glichen Glühwürmchen. Anhand der rot leuchtenden Eimntittskarten konnte man gut erkennen, wer alles auf Kul-Tour war. Und das waren ganz schön viele, die sich an diesem Samstag, den 11. Oktober, kollektiv durch die Reutlinger Kultur zappten. So titelte das schwäbische Tagblatt und durch die Kultur zappen war ein Begriff, der sich ziemlich schnell aufdrängte, wenn man sich durch die Fülle der Angebote bewegte. Mindestens 5000 zahlende Gäste waren nach ersten Schätzungen der Veranstalter in Bewegung. Von unserem Stand vor dem Rathaus aus konnten wir uns für Euch durch die Kultur zappen, ohne uns dafür vom Platz zu begeben. Ganz zu Beginn sprach Reutlingens Oberbürgermeisterin Barbara Bosch höchstselbst ein Grußwort für die Wüste Welle. Der Krimiautor Veit Müller schaute vor seinem Auftritt vorbei und verriet, daß er an diesem Abend auch sein musikalisches Talent zum Einsatz bringen würde, drei Jungs von der Patchwork Theater Truppe berichteten von den rosa Spermien in ihrer Menschwerdungsshow in der engsten Gasse der Welt, die Cyco Sanchez Super Group ließ uns an ihrer Erleuchtung teilhaben und Thomas Felder, der Barde, Komödiant und Vater von Johanna Zeul, gab für uns eine Sondervorstellung. Damit sind zumindest einige, wenn auch längst nicht alle der Gäste genannt. Für den einen oder die andere vom Team blieb daneben doch noch etwas Zeit fürs Zappen. Der Performance-Künstlerin Bridge Markland gelang es dabei, die Moderatorin im Osiander in amüsante Verwirrung über ihr tatsächliches Geschlecht zu stürzen. In einem aber dürften sich viele Besucher- und innen einig sein: die Reutlinger Synchronschwimmerinnen im Lichtbad waren ein Traum!
Mössinger und Melchinger
Die Mössinger blicken stolz auf ihr Bauhaus-architektonisches Schmuckkästchen, die Pausa. Architekt Martin Frank hat durch den von ihm konzipierten Deckendurchbruch in der Tonnenhalle für eine Erleuchtung gesorgt, die in selbst bei der baubesichtigung entzückte. Hier soll eine Rampe in die zukünftige Stadtbücherei Mössingen führen, wo der geneigte Leser dann am Panoramafenster mit Albblick schmökern kann. Derzeit läuft alles nach Wunsch: Zeit und Kosten „bewegen sich“, so der Bauleiter „im Rahmen“.Im Herbst 1010 wollen sie einziehen, die Stadtbücherei, ein Stadtwerkeladen, der Regionalverband Neckar-Alb und eine Diakonie- und Sozialstation. Während in der Tonnenhalle noch gebaut wird, erlebte die Bogenhalle bereits einen erfolgreichen Kulturherbst. Die Melchinger waren so angetan von der Kooperation, daß sie für das nächste Jahr die Mössinger Bürger ganz aktiv miteinbeziehen wollen in ein großes Theaterprojekt für die Bogenhalle. Über hundert Laiendarstellung sollen mitwirken bei der Inszenierung des wahrscheinlich altesten überlieferten griechischen Stückes, „Die Schutzsuchenden“ von Aischylos. Zur Finanzierung des Theater-Großereignisses werden allerdings noch Sponsoren gesucht.
Beginen-Preis vergeben
Zum sechsten mal wurde der mit 500 € dotierte Preis der Beginen-Stiftung vergeben. Der ausschließlich für Frauen vorgesehene Preis ging an die Kusterdingerin Rena Clara Junginger für ihr langjähriges soziales Engangement. Sie hatte Ehrenamtlich Förderunterricht für lernschwache Kinder gegeben und für die Kindergruppe Kusterdingen e. V. Jugenherrbergs -Wochenenden mit Familie geplant. Im Mädchencafé von „Görls e.V.“ (Reutlingen) hatte sie letztes Jahr die erste Reutlinger Lesenacht für Mädchen und Frauen organisiert, die auch diesen Sommer wieder stattfand. Die 23-Jährige Kusterdingerin studiert Englisch und Französisch auf Lehramt in Tübingen. Zur Preisübergabe und kleinen Feier im Frauenprojekte-Haus (Weberstraße) kamen unter anderem Susanne Omran, Beauftragte für Gleichstellung und Integration, sowie die Landtagsabgeordnete Monika Bormann (CDU). Die Schirmherrin der Tübinger Beginen-Stiftung Herta Däubler-Gemelin, konnte nicht kommen.
Vorsicht Fascho
Zeichen und Symbole spielen eine große Rolle in der rechten Szene. Für Außenstehende ist es oft schwer, Anzeichen zu erkennen. Der Kreisjugendring schulte Mitglieder. Die rechte Zeichensprache ist umfangreich, aber unübersichtlich. Etwa der Code 168:1, der den rechten Selbstmordattentäter von Oklahoma glorifiziert. Die Zahlencodes 18 und 88 kennen viele – sie stehen für den ersten und achten Buchstaben des Alphabets, also die Initialen Adolf Hitlers und den Hitlergruß. Bekannt ist auch die Kleidermarke Thor Steinar als Erkennungszeichen für rechte Gesinnung. Auch Pullis von Dobermann mit dem Logo „Masterrace Europe“ zählen zur einschlägigen Klamottenmarken. Im Internet blüht der Versandhandel mit rechtslastigem Gut, von Kleidung bis Musik. Aber die Grenzen verwischen. Glatzen und Bomberjacken trägt heute jeder, ein rechtes Signal ist inzwischen der Palästinenserschal, den früher Linke getragen haben. Die neueste Entwicklungsstufe ist der „Nazi 3.0“ – in moderner und normaler Kleidung bieten sie sich als Partner für die Jugendarbeit an. „Wir tun etwas fürs Gemeinwohl, Herr Bürgermeister, und organisieren eine Sonnwendfeier!” Laut Referent Jürgen Jünger sind die Rechte heute in sämtlichen Jugendgruppierungen angekommen.“ Als Methode empfiehlt er: „Ansprechen, konfrontieren, nicht drüber hinweg gehen!“ Nichtstun sei das Schlimmste. Kein Fußbreit den Faschisten!!
Streit der Religionen
Die Wirtschaftskriese sei 1987 der Auslöser für die Unruhen zwischen der Muslimischen und der Christlichen Bevölkerung in Nigeria gewesen. Das Berichtete Pfarrer Thomas Adamu vor 50 Schülern und Schülerinnen in der Sankt-Meinrad-Aula des Gymnasiums in Rottenburg. Der Ursprung lag aber in der Kolonialzeit. Die Britten führten 1914 die englischen Sprache als Amtssprache in Nigeria ein und handelten sich so den Unmut der traditionellen Muslimischen Bevölkerung ein. Der Anteil an Moslems in der in nigeriaischen Bevölkerung ist etwa gleich groß ist wie der der Christen. Seinen Vortrag schloss Adamu mit folgenden Worten ab„Verständigung ist nur dann möglich, wenn wir miteinander reden. Wir müssen lernen zu vergeben und in Frieden miteinander zu leben“. Mit diesem Fazit erntete er die breite Zustimmung der Rottenburger Schüler.
