Nachrichten vom 28.9.09

Deutschland auf der Anklagebank

Der in Tübingen lebende Afrikaner Seyoum Habtemariam vertritt das „Äthiopische Menschenrechtskomitee in Deutschland“ . Er hat die Bundesrepublik bei der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe wegen folgenden Punkten angeklagt: Beihilfe zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit, zu Völkermord, Kriegsverbrechen gegen Personen und Eigentum.  Konkret geht es in der Anklage um die Rolle der Deutschen in Äthiopischen. Seyoum Habtemariam wirft Deutschland vor das amtierende Regime mit Mitteln zu unterstützen, welche unter anderem gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt werden. Dies alles geschieht laut habtemariam vorsätzlich. Seit 2005 ist die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und dem Äthiopischen Regime intensiviert worden.

Stadion runderneuert

Lange Zeit glich das Stadion des SV03 Tübingen mehr einer Ruine als einem Stadion. Nun wurde es rundum erneuert und am vergangenen Samstag in neuem Glanz und mit einer neuen blauen Bahn wieder eröffnet. Für die Fußballer des SV 03 endet eine lange Zeit der Wanderung. Den Großteil der vergangenen Saison mussten sie einen Bogen um die Baustelle machen, kickten entweder auf dem Nebenplatz oder auf dem Kunstrasen. „Jetzt aber haben die Spieler alles, was man sich von einem Verein nur wünschen kann“, sagt SV 03-Fußballtrainer Steve Trevallion. Der Umbau hat fast 2 Millionen Euro gekostet. Gestemmt wurden die Kosten von Sponsoren, aber besonders auch von der Stadt. Am Vereinsheim wird noch fleißig gebastelt.

Wahlsystem unter der Lupe

OB Boris Palmer empfing im Rathaus acht Politiker und Wahlverantwortliche aus Äthiopien, Burundi, Guinea und Ghana sowie der Afrikanischen Union. Das kommunale politische System und der Ablauf von Urnengängen standen auf dem Programm. Das Auswärtige Amt hatte die Delegation eingeladen, die vorgestern in Stuttgart eintraf. Die Besucher lernen die Ebenen und Abläufe der Bundestagswahl kennen. Palmer stellte Aufbau, Aufgaben und Rechte kommunaler Politik vor. Auch erläuterte er die Gemeinderats- und Oberbürgermeisterwahlen. Die frühere Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin begleitete die Delegation auf der Tour. Diese führte sie gestern noch zu einem Gespräch mit Landrat und Kreiswahlleiter Joachim Walter. Morgen besucht die Delegation Freiburg, zum Abschluss geht es nach Berlin.

So wählt die Jugend!

In Reutlingen haben sich 12 Schulen an der U-18-Wahl beteiligt. Klarer Sieger unter den 14 – 18-jährigen sind die Grünen mit 32 Prozent vor der SPD mit 21 Prozent und der CDU mit 16 Prozent. Es folgen die FDP mit 9, die Piraten mit 8 und die Linken mit 6 Prozent. Von fünf Gymnasien, zwei Realschulen, vier Hauptschulen und der Freien Waldorfschule nahmen über 2600 Schüler an der U 18-Wahl teil. Die Stimmverteilung unterscheidet sich deutlich nach der Schulart. Die Linke punktet an Hauptschulen, die bürgerlichen Parteien an den Gymnasien.

Freifahrt

Die B27 ist wieder frei,durch den Einbau der neuen Fahrbahndecke wurden viele Risse, Spurrillen und Verdrückungen im 20 Jahre alten Fahrbahnbelag auf dem rund 5 Kilometer langen Streckenabschnitt zwischen Tübingen und Kirchentellinsfurt beseitigt. Die Kosten der Belagserneuerung belaufen sich auf ca. 1.000.000,- € und werden vom Straßenbaulastträger Bund getragen.

Interkulturelle Woche

Vom 26. September bis zum 4. Oktober läuft die bundesweite Woche der ausländischen Mitbürger. Das Thema lautet „Misch mit!“. Die Organisatoren der interkulturellen Woche in Reutlingen wählten angesichts der Heimattage allerdings das Thema „Heimat und Migration“. Was bedeutet Heimat für ausländische Mitbürger und Flüchtlinge? Welche Schwierigkeiten haben sie beim heimisch werden? Mit diesen Fragen setzt sich das Programm der interkulturellen Woche auseinander und bezieht kritisch Stellung zum Thema „Heimat und Migration“

Zimmertür bleibt offen

Das Tübinger Zimmertheater ist einer drohenden Insolvenz nur knapp entgangen. Das Sommertheater an der Jahnallee ist der Grund für die nun verhinderte Pleite. Die Ballade vom großen Makabren war in wirtschaftlicher Hinsicht ein totales Fiasko. Das Publikumsinteresse an dem aufwändigen Spektakel blieb weit hinter den Erwartungen der Intendanten zurück. Außerdem erhöhten sich die Ausgaben für Gagen, Zelt, Bühne und Maske. Das schwarze Loch in der Kasse des Zimmertheaters summierte sich schließlich zu sagenhaften 95 000 Euro. Lebensbedrohend viel angesichts eines Jahresetats von etwa 300 000 Euro. Ohne städtische Finanzspritze hätte das Zimmertheater den Spielbetrieb einstellen und Insolvenz anmelden müssen. In nichtöffentlicher Sitzung hat der Gemeinderat zweierlei beschlossen: Die Stadt hilft ihrer Tochtergesellschaft mit einem Sofortkredit über 45 000 Euro aus der Patsche. Über den von Palmer beantragten weiteren Zuschuss in Höhe von 50 000 Euro wird im Kulturausschuss beraten und im Ratsplenum entschieden. Jetzt kann die neue Spielzeit wie geplant am 1. Oktober beginnen. Als Reaktion auf die Situation setzen die Intendanten verstärkt auf Kostengünstiges, Bewährtes und Zuschauerträchtiges. Außerdem wurde eine Dramaturgenstelle eingespart. Inhaltlich solle sich das aber nicht negativ auswirken.

Reutlinger Vetterleswirtschaft

Ein Rathausmitarbeiter steht in dringendem Verdacht, seine eigene Firma mit Aufträgen eingedeckt zu haben. Der im städtischen Gebäudemanagement Beschäftigte betreibt auch eine Gebäudereinigungsfirma. Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe von Reinigungsarbeiten beschäftigen jetzt die Staatsanwaltschaft. Anscheinend habe der Mitarbeiter seiner eigenen Firma den Vorzug gegeben. Ein Ermittlungsverfahren wurde eingeleitet und ein Durchsuchungsbeschluss erlassen. Die Schadenshöhe müsse noch ermittelt werden. Bei der Auftragssumme soll es sich allerdings um einen Betrag von mehreren hunderttausend Euro handeln. Möglicherweise ist der Schaden aber geringer.

Knast bleibt Knast

Zu zweit auf achteinhalb Quadratmetern abzüglich durch Vorhang abgetrenntes Klo und Waschbereich. Diese Zustände sollen in Rottenburg jetzt der Vergangenheit angehören. Aber Einzelzimmer stehen immer noch nicht für alle Insassen zu Verfügung. Auch geschlossene Sanitärzellen mit Entlüftung gehören in mehrfach belegten Zimmern immer noch nicht zum Standart.Für 1,2 Millionen wird nun aber eine Notrufanlage installiert über welche das Personal schnell verständigt werden kann. Aus Angst vor Flucht der Inhaftierten werden in Rottenburg nicht alle Arbeitsstellen im offenen Vollzug besetzt.Baden-Württemberg plant einen vierjährigen Modellversuch mit der elektronischen Fußfessel. Sie würde für Leute angewendet, die eine Freiheitsstrafe als Ersatz für eine nicht bezahlte Geldstrafe antreten müssten, oder für zuverlässige Gefangene am Ende ihrer Haftzeit. Ob Rottenburg in diesen Modellversuch kommt, ist noch offen. Die Abschiebehäftlinge die in einem gesonderten Gefängnis eingesperrt waren werden von Rottenburg Ende September nach Mannheim verlegt.

Neues aus der Grabkammer

Seit acht Jahre graben sich nun mittlerweile Teams von Archäologen aus Syrien und Tübingen durch die Ruinen von Qatna. Schon vor 7 Jahren hatten sie sensationelle Funde gemacht und nun, nur vier Wochen vor der Eröffnung der Landesausstellung über Qatna in Stuttgart, haben die Archäologen noch mal eins draufgelegt: Sie entdeckten unten dem Königspalast eine ganz neue Gruft. Diese wurde mittlerweile als Grabkammer für Sekundärbestattungen identifiziert, dort wurden vielleicht Angehörige der Königsfamilie oder des Hofstaates bestattet. Besonders wichtig für die Forscher war, dass sie diese Kammer offenbar als erste gefunden haben: Sie ist nie geplündert worden, insofern also im Originalzustand erhalten geblieben. Neben den Knochen, die vorerst am Ruinenhügel bleiben, enthielt die Gruft zahlreiche Grabbeigaben. Kunstgeschichtlich von Bedeutung ist insbesondere eine Figurine aus Elfenbein mit fein geschnitztem Gesicht. Vermutlichhandelt es sich dabei um die Darstellung eines Gottes. Dieser Tage fanden die Ausgräber die zugehörige Kopfbedeckung, eine Hörnerkrone – die typische Kopfbedeckung aller Götter im Alten Orient. Bei der Figurine könnte es sich um eine Darstellung des obersten Gottes Baal handeln.

Stockach sucht Bio-Bürger

Renquishausen bei Tuttlingen macht es vor, genauso wie viele andere kleine Dörfer in Deutschland. Auch Stockach könnte sich bald selbst mit Bioenergie versorgen. Vorrausgesetzt über 50 Prozent der Bürger machen mit und es findet sich ein Landwirt, welcher die benötigte Bio-Gas-Anlage betreibt. Innerhalb der Nächsten 15 Jahre könnte dann das gesamte Dorf einschließlich Straßenbeleuchtung mit eigener Bioenergie versorgt werde. Auch das Dorf Grosselfingen bei Balingen strebt diese Art der Energieversorgung an.

Erleuchtung für Reutlingen

Die 2. Reutlinger Kulturnacht möchte die Stadt zu einem einzigen Lichtkunstwerk machen. Das Überthema Licht verbindet die 98 Veranstaltungsorte mit über 250 Programmpunkten. Am 10. Oktober bietet die Kulturnacht viel Musik, Literatur, Bildende Kunst, Theater und eben Licht. Die Kulturnacht ist ein Netzwerk-Projekt und damit eine Plattform für alle Kulturschaffenden aus Reutlingen und der Region. Das Organisationsteam will einen Querschnitt durch die regionale Kunstszene präsentieren. Die Veranstaltungsorte konzentrieren sich auf die Reutlinger Innenstadt. Sieben Touren erschließen die Kultur-Stadt. Mit Lichtkunst, Illuminationen, Projektionen und leuchtenden Objekten soll ein Zauber entstehen. Das Angebot der Kulturnacht ist breit gefächert. So ist die Wüste Welle erstmals mit einer Liveübertragung dabei. Am 10. Oktober hört Ihr die Kulturnacht von 19:00 – 24:00 Uhr auf der 96,6.