Zimmertür bleibt offen
Das Tübinger Zimmertheater ist einer drohenden Insolvenz nur knapp entgangen. Das Sommertheater an der Jahnallee ist der Grund für die nun verhinderte Pleite. Die Ballade vom großen Makabren war in wirtschaftlicher Hinsicht ein totales Fiasko. Das Publikumsinteresse an dem aufwändigen Spektakel blieb weit hinter den Erwartungen der Intendanten zurück. Außerdem erhöhten sich die Ausgaben für Gagen, Zelt, Bühne und Maske. Das schwarze Loch in der Kasse des Zimmertheaters summierte sich schließlich zu sagenhaften 95 000 Euro. Lebensbedrohend viel angesichts eines Jahresetats von etwa 300 000 Euro. Ohne städtische Finanzspritze hätte das Zimmertheater den Spielbetrieb einstellen und Insolvenz anmelden müssen. In nichtöffentlicher Sitzung hat der Gemeinderat zweierlei beschlossen: Die Stadt hilft ihrer Tochtergesellschaft mit einem Sofortkredit über 45 000 Euro aus der Patsche. Über den von Palmer beantragten weiteren Zuschuss in Höhe von 50 000 Euro wird im Kulturausschuss beraten und im Ratsplenum entschieden. Jetzt kann die neue Spielzeit wie geplant am 1. Oktober beginnen. Als Reaktion auf die Situation setzen die Intendanten verstärkt auf Kostengünstiges, Bewährtes und Zuschauerträchtiges. Außerdem wurde eine Dramaturgenstelle eingespart. Inhaltlich solle sich das aber nicht negativ auswirken.
Reutlinger Vetterleswirtschaft
Ein Rathausmitarbeiter steht in dringendem Verdacht, seine eigene Firma mit Aufträgen eingedeckt zu haben. Der im städtischen Gebäudemanagement Beschäftigte betreibt auch eine Gebäudereinigungsfirma. Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe von Reinigungsarbeiten beschäftigen jetzt die Staatsanwaltschaft. Anscheinend habe der Mitarbeiter seiner eigenen Firma den Vorzug gegeben. Ein Ermittlungsverfahren wurde eingeleitet und ein Durchsuchungsbeschluss erlassen. Die Schadenshöhe müsse noch ermittelt werden. Bei der Auftragssumme soll es sich allerdings um einen Betrag von mehreren hunderttausend Euro handeln. Möglicherweise ist der Schaden aber geringer.
Darmstadt Tübingen
Darmtransplantationen bei Kindern wurden bisher in Europa nur in Paris oder Birmingham durchgeführt. Seit Neuestem ist jetzt auch Tübingen in diesem illustren Kreis vertreten. Denn kürzlich wurde hier die erste Darmtransplantation bei einer Dreijährigen mit Kurzdarmsyndrom durchgeführt. Kurzdarmsyndrom bedeutet, dass der Darm der Betroffenen nicht über Nervenzellen verfügt und somit seine normalen Funktionen nicht erfüllen kann. Betroffene müssen künstlich ernährt werden und auch die Verdauung muss mit Maschinen durchgeführt werden. Nur wenige Stunden am Tag können diese Menschen abgekoppelt von den Maschinen verbringen. An der Operation sind insgesamt mehr als 40 ChirurgInnen, FachärztInnen und PflergerInnen beteiligt. Die kleine Patentin der komplizierten Operation ist mittlerweile in der Lage, selbst zu essen. Das erste Mal in ihrem Leben. Am Tübinger Transplantationszentrum wird jetzt ein Darm-Transplantations-Programm aufgebaut. So sollen dann in Zukunft auch hier in Tübingen alle Bauchorgane verpflanzt werden können.
Neues aus der Grabkammer
Seit acht Jahre graben sich nun mittlerweile Teams von Archäologen aus Syrien und Tübingen durch die Ruinen von Qatna. Schon vor 7 Jahren hatten sie sensationelle Funde gemacht und nun, nur vier Wochen vor der Eröffnung der Landesausstellung über Qatna in Stuttgart, haben die Archäologen noch mal eins draufgelegt: Sie entdeckten unten dem Königspalast eine ganz neue Gruft. Diese wurde mittlerweile als Grabkammer für Sekundärbestattungen identifiziert, dort wurden vielleicht Angehörige der Königsfamilie oder des Hofstaates bestattet. Besonders wichtig für die Forscher war, dass sie diese Kammer offenbar als erste gefunden haben: Sie ist nie geplündert worden, insofern also im Originalzustand erhalten geblieben. Neben den Knochen, die vorerst am Ruinenhügel bleiben, enthielt die Gruft zahlreiche Grabbeigaben. Kunstgeschichtlich von Bedeutung ist insbesondere eine Figurine aus Elfenbein mit fein geschnitztem Gesicht. Vermutlichhandelt es sich dabei um die Darstellung eines Gottes. Dieser Tage fanden die Ausgräber die zugehörige Kopfbedeckung, eine Hörnerkrone – die typische Kopfbedeckung aller Götter im Alten Orient. Bei der Figurine könnte es sich um eine Darstellung des obersten Gottes Baal handeln.
Strom aus Strömung
Tübingen beteiligt sich nun mit 10 Millionen Euro an einem Windpark und an einer Flusskraftwerk. Bis zu 5 Prozent des Tübinger Strombedarfs soll von dem in der Nordsee gelegenen Windpark abgedeckt werden. Durch die erhoffte Eigenkapitalrendite von 7 – 12 Prozent könnte Tübingen sogar finanziell von dem Projekt profitieren. Beim Neckarkraftewerk in Horb werden allerdings vorerst keine Gewinne erwartet. Der Gemeinderat gab hierzu hauptsächlich aus ökologischen Gründen seine Seegen. Ziel der Tübinger Statdwerke ist es die Eigenproduktion von derzeit etwa 30 Prozent auf 50 Prozent zu steigern.
Stockach sucht Bio-Bürger
Renquishausen bei Tuttlingen macht es vor, genauso wie viele andere kleine Dörfer in Deutschland. Auch Stockach könnte sich bald selbst mit Bioenergie versorgen. Vorrausgesetzt über 50 Prozent der Bürger machen mit und es findet sich ein Landwirt, welcher die benötigte Bio-Gas-Anlage betreibt. Innerhalb der Nächsten 15 Jahre könnte dann das gesamte Dorf einschließlich Straßenbeleuchtung mit eigener Bioenergie versorgt werde. Auch das Dorf Grosselfingen bei Balingen strebt diese Art der Energieversorgung an.
Mit dem richtigen Schwung
Aus 25 Stücken wurden in je 25 Minuten von 25 ehemaligen Schauspielern und Regisseuren die beliebtesten Szenen gezeigt. Denn – das Kinder- und Jugendtheater des LTT wurde 25 Jahre alt. Am letzten Samstag wurde das groß gefeiert. Die Kinder übten sich darin, sich Erdnüsse mit dem gleichen coolen Schwung in den Mund zu werfen wie Detekiv Muldoon, die Wanze, sie bekamen Airbrush-Tatoos oder ließen sich von den Maskenbildnern verwandeln. Die Erwachsenen ließen sich filmisch an vergangene Zeiten erinnern und waren sich einig: das Theaterspielen machte nicht nur den Kindern Spaß, die Eltern genossen auch das Ergebnis, die Aufführungen. Heiner Kondschaks Band brachte Geburtstagsständchen und der neue Leiter Michael Miensopust blickte in die Zukunft. Er ist überzeugt, daß das Theater eine entscheidende Rolle im Umgang mit Jugendlichen spielen kann. Ein neues Stück soll sich mit dem Thema Gewalt auseinander setzen. Man darf gespannt sein.
Unvergeßlich
Allen, die ihn in als Lehrer am Tübinger Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft erleben durften, ist er in guter Erinnerung geblieben. Utz Jeggle wollte den Dingen auf den Grund gehen und sein Humor erwuchs aus seinem Verständnis des Menschlichen. Und er ging den Dingen auf den Grund in seinen Arbeiten zur deutschen Erinnerungskultur. Das Unbewußte im Volksleben und in der Wissenschaft interessierte ihn; was wird verdrängt und was wie nicht, wagte er zu fragen. 1969 promovierte er mit einer Arbeit über “Judendörfer in Württemberg”. Die Veröffentlichung “Kiebingen – eine Heimatgeschichte. Zum Prozeß der Zivilisation in einem schwäbischen Dorf.” im Jahre 1977 wurde seine Habilitationsschrift. 2001 mußte er sich aufgrund seiner Parkinson-Erkrankung mit 60 Jahren aus der Lehre zurückziehen. Letzten Freitag ist er im Alter von 68 Jahren in Tübingen gestorben. Die Trauerfeier findet morgen, am Samstag, den 26. September um 15.00 in der Tübinger Martinskirche in der Frischlinsstraße 35 statt.
Kampf ums Kreuzerfeld
Der Ärger um das Neubaugebiet Kreuzerfeld im Süden Rottenburgs nimmt kein Ende. Nun soll mitten in dem Gebiet ein großer Supermarkt gebaut werden. Nachdem die Firma LIDL aufgrund von Ärger mit den Anwohnern bereits von dem Projekt abgesprungen war, ist jetzt REWE mit an Bord und will ein 1700 qm großes Areal mit fast 100 Kundenparkplätzen mit einem Supermarkt bebauen. Unter anderem muss dafür eine Straße, die grade erst fertiggestellt wurde, weichen. Aber es sind nicht mal solche Planungsfehler, die besonderen Ärger unter den Anwohnern hervorrufen. Besonders gespalten sind die Bewohner wegen der Größe des Marktes. Direkten Anliegern hatte man beim Grundstückserwerb versprochen, es werde höchstens eine Ladenzeile mit kleinen Einkaufsläden und Arztpraxen entstehen. Die fühlen sich nun betrogen, wenn vor ihren Terrassen die Anlieferrampe eines Großsupermarktes gebaut werden soll. Andere, die nicht direkt an dem Areal wohnen, sind froh, dass nach langen Versprechungen in dem Gebiet nun endlich Einkaufsmöglichkeiten geschaffen werden. So wird der Streit um das Kreuzerfeld wohl nicht in absehbarer Zeit abklingen. Der nächste Schritt steht allerdings laut dem Rottenburger Oberbürgermeister schon fest: Man habe sich mit REWE auf ein Konzept geeinigt. Und da die Anwohner Einkaufsmöglichkeiten gefordert hatten, werde dieses Konzept nun auch dem Gemeinderat zur Abstimmung vorgelegt werden.
Knast bleibt Knast
Zu zweit auf achteinhalb Quadratmetern abzüglich durch Vorhang abgetrenntes Klo und Waschbereich. Diese Zustände sollen in Rottenburg jetzt der Vergangenheit angehören. Aber Einzelzimmer stehen immer noch nicht für alle Insassen zu Verfügung. Auch geschlossene Sanitärzellen mit Entlüftung gehören in mehrfach belegten Zimmern immer noch nicht zum Standart.Für 1,2 Millionen wird nun aber eine Notrufanlage installiert über welche das Personal schnell verständigt werden kann. Aus Angst vor Flucht der Inhaftierten werden in Rottenburg nicht alle Arbeitsstellen im offenen Vollzug besetzt.Baden-Württemberg plant einen vierjährigen Modellversuch mit der elektronischen Fußfessel. Sie würde für Leute angewendet, die eine Freiheitsstrafe als Ersatz für eine nicht bezahlte Geldstrafe antreten müssten, oder für zuverlässige Gefangene am Ende ihrer Haftzeit. Ob Rottenburg in diesen Modellversuch kommt, ist noch offen. Die Abschiebehäftlinge die in einem gesonderten Gefängnis eingesperrt waren werden von Rottenburg Ende September nach Mannheim verlegt.
Gegen 5000 Jahre Patriarchat
Am 16. September berichteten Eren Keskin und Sudan Güven im Franz K vor rund hundert Zuhörern und -innen über die Frauenbewegung in der Türkei und den kurdischen Gebieten. Eren Keskin ist Rechtsanwältin und Leiterin der Istanbuler Sektion des Menschenrechstvereins IHD. 1994 wurde sie von einem türkischen Gericht zu zwei Jahren Haft verurteilt, weil sie in einem Brief an das belgische Parlament das Schweigen der internationalen Öffentlichkeit zu den Menschenrechtsverletzungen an Kurden kritisiert und dabei das Wort „Kurdistan“ benutzt hatte. 1997 gründete sie ein Rechtshilfeprojekt für vergewaltigte Mädchen und Frauen. Ihr Engagement brachte ihr vorübergehend ein Berufsverbot und mehrere Morddrohungen ein. Nachdem sie bei einer Podiumsdiskussion in Köln der türkischen Armee vorgeworfen hatte, bei der Bekämpfung der PKK kurdische Frauen sexuell mißbraucht zu haben, wurde sie wegen Beleidigung des Türkentums zu zehn Monaten Haft verurteilt. Ihre Kritik am Einfluss des Militärs brachte ihr ihre letzte Verurteilung im März 2008 ein. Eren Keskin, die mit verschiedenen Friedenspreisen ausgezeichnet wurde, bleibt bei ihrer Kritik. „In der Türkei“ so Keskin, „gibt es keine zivile Politik, sondern einen Militarismus.“ Die türkische Verfassung sei noch immer die 1980 von den Militärputsch-Generälen installierte, faktisch sei die Armee auch im Besitz der Finanzen. Dadurch, daß die Armee eine Zivilisierung und Demokratisierung nicht wolle „unterdrückt sie auch die Frau“. Sudan Güven, die Vorsitzende des Frauenvereins Selin und der Demokratischen Freien Frauenbewegung sieht auch Erfolge: Die Repressalien haben die Frauen einander näher gebracht, Grenzen wurden überschritten. „Die kurdische Frau existierte gar nicht,“ so Güven. „jetzt ist sie in allen Bereichen zu finden.“
Erleuchtung für Reutlingen
Die 2. Reutlinger Kulturnacht möchte die Stadt zu einem einzigen Lichtkunstwerk machen. Das Überthema Licht verbindet die 98 Veranstaltungsorte mit über 250 Programmpunkten. Am 10. Oktober bietet die Kulturnacht viel Musik, Literatur, Bildende Kunst, Theater und eben Licht. Die Kulturnacht ist ein Netzwerk-Projekt und damit eine Plattform für alle Kulturschaffenden aus Reutlingen und der Region. Das Organisationsteam will einen Querschnitt durch die regionale Kunstszene präsentieren. Die Veranstaltungsorte konzentrieren sich auf die Reutlinger Innenstadt. Sieben Touren erschließen die Kultur-Stadt. Mit Lichtkunst, Illuminationen, Projektionen und leuchtenden Objekten soll ein Zauber entstehen. Das Angebot der Kulturnacht ist breit gefächert. So ist die Wüste Welle erstmals mit einer Liveübertragung dabei. Am 10. Oktober hört Ihr die Kulturnacht von 19:00 – 24:00 Uhr auf der 96,6.
