Nachrichten vom 18.9.09

Private Abrüstung

Nach dem Amoklauf von Winnenden wurde am 25. Juli das Waffengesetz geändert: Inhaber von illegalen Waffen können ihre Kanonen nun bis Jahresende bei den Waffenbehörden abgeben, ohne Strafen fürchten zu müssen. Diese Amnestie läuft am 31. Dezember ab. Das Landratsamt sowie die für Waffen zuständigen Ordnungsämter der Städte Tübingen, Rottenburg und Mössingen raten Waffenbesitzern „dringend von der Amnestie-Regelung Gebrauch zu machen“ und illegale Waffen abzugeben, damit sie vernichtet werden. Ansprechpartner für die Waffensammlung gibt es beim Landratsamt und bei den Stadtverwaltungen Tübingen, Rottenburg und Mössingen.

Tierversuch Light

Für ein schonendes Verfahren für Tierversuche erhielt die Tübinger Ärztin Lusine Danielyan einen vom Landes Baden-Württemberg mit 25 000 € dozierten Preis. Bislang mussten bei der Forschung mit Stammzellen den Tieren die Stammzellen ins Gehirn eingepflanzt werden. Nun müssen die Tiere nur noch einen Tropfen der Zellsuspension durch die Nase einatmen und schon gelangen die Stammzellen über die Nasenschleimhäute ins Gehirn. Laut Danielyan bereitet dies den Tieren keine Schmerzen. Nicht nur zur Forschung könnte dieses Verfahren nützlich sein, sondern auch für Therapien zum Beispiel bei Erkrankungen des Nervensystems.

Aufstand im Viertel

In Tübingen wächst der Wohnungsbedarf. Aber woher soll man die Bebauungsfläche nehmen, will man nicht komplett in die Peripherie abdriften? Nachverdichtung ist das Zauberwort, das momentan die Gemüter der Anwohner auf der Wanne und in der Gartenstraße erregt. Betroffene diskutierten vergangene Woche mit Stadträten und OB Palmer. Die Protestierenden wollten weder eine weitere Bebauung städtischer Brachflächen, noch unausgegorene Verkehrsprojekte, die Teile Tübingens in eine Stadtautobahn verwandeln würden. Besonders sorge man sich um die Gebiete Hundskapfklinge, das Lustnauer Baugebiete Egeria und das Queckareal. OB Palmer versuchte zu beruhigen, aber maßgebliche Veränderungen wird es wohl geben, trotz des Protestes.

Baggersee Ade

Auch In Hirschau gingen erneut Menschen auf die Straße, um ihrem Unmut Luft zu machen. Rund 80 Demonstranten vor dem Hirschauer Rathaus protestierten gegen die Umgestaltungspläne für den dortigen Baggersee. Bereits seit 2007 existiert ein Konzept für jene Umgestaltung. Diese sieht einen Rundweg vor, Liegewiesen auf zwei Seeseiten, einen Sitzbereich am Nordufer und eine Wiesenfläche auf der Halbinsel. Das Bauprojekt ist nun wieder mehr als aktuell, denn es stehen 100 000 Euro aus dem Konjunkturpaket zur Verfügung. Für die Protestierenden stehe besonders die Sorge um eine Verschandelung der Natur im Vordergrund. Man befürchte viele Besucher und damit verbunden eine hohes Müllaufkommen. Die Tübinger Stadtverwaltung stellte jedoch klar, dass es noch keine detaillierten Umbaupläne gebe. Erst müsse der Gemeinderat entscheiden, welche der Umbauten er überhaupt realisieren will. Würde alles umgesetzt, summierten sich die Kosten auf 300 000 Euro. So bleibt also für die Protestierenden noch genug Zeit, die reine Natur am Baggersee zu genießen, bevor die ersten Baumaschinen anrücken.

Europameisterin kehrt zurück

Poltringen hat eine Fußball-Europameisterin. Das freut die Menschen im Ammertal. Die Gemeinde Ammerbuch überlegt jetzt, wie sie Kim Kulig ehren kann. Bei ihrem Verein Hamburger SV ist sie schon letzten Samstag in der Halbzeitpause geehrt worden. Kim Kulig hatte ihre Karriere beim SV Poltringen in den Jungenmannschaften begonnen, bevor sie über die Stationen Unterjesingen und Sindelfingen in Hamburg landete. Die ausbildenden Jugendvereine erhielten für ihre Arbeit jeweils eine Prämie. Kim Kulig genießt den Trubel und die Anerkennung. Doch schon am 20. September geht für die Europameisterin der Bundesliga-Alltag weiter.

Krieg der Oberbürgermeister

Mit deutlichen Worten hat der Backnanger CDU OB Nopper Öko-Belehrungen seines Tübinger Kollegen zurückgewiesen. Palmer las kürzlich in Backnang aus seinem Buch „Eine Stadt macht blau“. OB Nopper kritisierte den „ausgeprägten Selbstdarstellungseifer“ Palmers. Es gehe ihm nur noch um Politshow im hellblauen Anzug – ungetrübt von Orts- und Sachkenntnis.“ so Nopper. Palmer sei unterwegs mit einem „oberlehrerhaft erhobenem Klimaschutz-Zeigefinger“. Zwischen diesen beiden Kollegen scheint schwarz-grün vorbei zu sein.

Energisches Durchgreifen

Energie sparen ist Mode in Tübingen. Das liegt sicher nicht zuletzt am grünen Bürgermeister, der die Stadt „blau“ macht. Nun gibt es einen neuen Vorstoß der Stadtverwaltung zum Thema: Die Energie-Leitlinie. Alle, die in städtischen Gebäuden arbeiten oder lernen, sollen mitmachen: Die Regeln gelten somit für rund 10 000 Menschen. Anordnen oder aufpfropfen nutze bei so einem Projekt wenig: „Das klappt nur, wenn die Leute gern mitmachen“, sagt Andreas Haas, der als städtischer Bereichsleiter Hochbau und Gebäudewirtschaft verantwortet. „Es muss motivierend sein.“ Auf 17 Seiten definiert die Stadt Tübingen, wie ab sofort Strom, Heizung und Wasser gespart wird. Die Energie-Leitlinie (EnL) trat schon zum 1. August des Jahres in Kraft.

Neue Dimension

Gestern liefen im Tübinger Kino Blaue Brücke die ersten 3D Projektionen über die Leinwand. Kinobesitzer Volker Lamm hat dafür 300 000 Euro investiert. Gezeigt wurde der Neueste Streich auch Hollywoods Trickfilm Schmiede Pixar mit dem Titel “Oben”. 9 Euro sind für einen Besuch im 3D Kino fällig. Die benötigte 3D Brille bekommt man für 2 € Dazu. Sie kann Mehrfach verwendet werden. An Weihnachten soll James Camerons Fantasyfilm “Avatar” ins 3D Kino kommen und nächstes Jahr dann unzählige weitere 3D-Filme, darunter Steven Spielbergs Tim und Struppi Verfilmung und der Vierte Teil von “Fluch der Karibik” .

Hilfe für Afrika

Über 5000 € sammelte das Evangelische Jugendwerk in Entringen für ein Jugendheim in Kenia. Der 24-jährige Wirschaft Ingeneur Studen Christoph Bauer war gemeinsam mitMarkus Walker und Alexander Bahlinger im August vor Ort und bracheten nicht nur Geld sondern auch dringend benötigtes Werkzeug mit. Ein privat Initative aus Mössingen soll einem Dorf in Kenia zu Strom verhelfen. Nachdem Familie Steinhilber sich selbst ein Bild der erschreckenden Lage in dem Dorf gemacht hat, sehen sie sich zur Hilfe verpflichtet. Gemeinsam mit einer anderen Mössinger Familie möchten sie es schaffen in den nächsten drei Jahren dort eine Anbindung ans Stromnetz zu ermöglichen. Über Unterstützung würden sie sich natürlich Freuen. Bei Interesse melden Sie sich bitte per E-Mail bei r.e.steinhilber@web.de

Euthanasie in Grafeneck

Im Oktober zieht sich eine „Spur der Erinnerung“ von Grafeneck bis zum Innenministerium. In der Landespflegeanstalt Grafeneck sind allein 1940 über 10 000 geistig behinderte und kranke Menschen ermordet worden. Die Euthanasie sei noch zu wenig in der öffentlichen Diskussion“ so Harald Habich. Erst durch Zutun des Innenministerium wurde Grafeneck zur Vernichtungsanstalt nach industrieller Art. Der Staat und die Verwaltung wollten die Morde perfektionieren und absichern. „Die Spur der Erinnerung“ möchte den Zusammenhang zwischen den Toten von Grafeneck und den Schreibtischtätern im Reichsinnenministerium aufzeigen. Darum wird im Oktober eine 75 Kilometer lange violette Farbspur zwischen Stuttgart und Grafeneck verlaufen. Rund um die Spur werden zahlreiche Aktionen stattfinden. Von Konzerten über Lichterketten bis zu einem Freundschaftsfest zwischen behinderten und nicht behinderten Menschen ist alles dabei. Interessierte können sich mit einem Euro pro Meter an der Finanzierung der Spur der Erinnerung beteiligen.

Gedrucktes Studium Generale

Seit 25 Jahren hält Hans Küng Vorlesungen beim Studium Generale, dem Studium auch für Nichtstudenten. Er selber war bei den treibenden Kräften dabei, die diese Vorlesungsreihe in Tübingen ins Leben riefen. Der Mann im neunten Lebensjahrzehnt interessiert auch die Jungen, und sie schrieben gewissenhaft das persönliche Credo des Tübinger Theologen mit, der in einer Vorlesungsreihe Bilanz zog: „Was ich glaube“. Wer mal weg war, kann sich auf Hans Küngs Hausverlag Piper verlassen; denn nunmehr liegen die Vorlesungen gedruckt vor, ist Küngs imposante Werkliste um ein Buch reicher. „Was ich glaube“ ist aber auch eine persönliche Antwort zu vielen Fragen des Glaubens und der Gläubigen: Wie sich Gott vorstellen? Wie beten? Was ist der Sinn des Lebens? Wie mit Leid und Tod zurecht kommen? Keine Antworten mit Unfehlbarkeits-Anspruch: „Ich bin kein Musterchrist und kein Kandidat für eine Heiligsprechung.“