Reutlingen hats
Zumindest was die Kaufkraft pro Person und Jahr angeht, ist Reutlingen deutlich vor Tübingen platziert. Der aktuelle Kaufkraftatlas der Reutlinger Industrie- und Handelskammer (IHK) verzeichnet für Tübingen weniger als 4000 Euro und für Reutlingen fast 8000 Euro Ausgaben pro Person und Jahr. Regionaler Umsatz-Spitzenreiter ist Metzingen mit über 17 000 Euro Kaufkraft. Für diese Statistik zählen alle Ausgaben im Einzelhandel, auch die auswärtigen Schäppchenjäger in den Outlet-Zentren. Metzingen ist eben weit über die Region als attraktiver Einkaufsstandort bekannt.
Hier kommt Alex
Am Alexanderpark, Ecke Mathildenstraße und Alexandersträße entsteht gerade Tübingens neues Wohnviertel. Am Fuß des Galgenbergs ziehen die ersten Bewohner schon im Herbst ein. Andere Baugemeinschaften suchen dagegen noch Verstärkung. Die Finanzkrise sorgte für eine gewisse Zurückhaltung und damit Verzögerung. Stadtsanierer Cord Soehlke hat dafür eine Lösung entwickelt. Er will eine zu groß dimensionierte Baugemeinschaft zugunsten von Reihenhaus-Parzellen verkleinern. Herzstück des neuen Viertels ist der Alexanderpark mit seinen großen alten Bäumen. Gewerbe im Haus sorgt für den richtigen Mix aus arbeiten und wohnen. Der Straßenlärm von der B 27 ist kein Thema. Der einstige Kasernenwall schützt das ganze Viertel wirksam. Der Alexanderpark ähnelt Loretto und französischem Viertel. Allerdings sind hier die Gebäude niedriger, die Bebauung ist weniger dicht und der Gewerbeanteil niedriger. Auf elf Parzellen sind knapp 60 Wohneinheiten geplant. Im Sommer 2011 sollen die letzten Wohnungen bezugsfertig sein.
Schulische Landflucht
Der Schönbuch-Schule in Dettenhausen gehen die Schüler aus. Vier Anmeldungen sind einfach zu wenig, deshalb gibt es dieses Jahr keine 5. Klasse mehr. Die Klassen 6,7 und 8 werden zusammen unterrichtet. Nur wenn Steinenbronn, Waldenbuch und Dettenhausen in Sachen Hauptschule kooperieren. Besteht noch eine Chance, das der Hauptschulstandort, wenigstens für einen Teil der Klassen, gehalten werden kann. Auch die Schulen Kirchentellingsfurt, Kusterdingen und Wannweil werden in irgendeiner Weise kooperieren müssen. An der Uhlandschule In Wannweil und an der Graf-Eberhard-Schule in Kirchentellinsfurt werden Fünt- und Sechstklässler und die Klassen 7-9 Zusammen unterrichtet. In der August-Lämmle-Schule in Kusterdingen ist die Fünfte extra und 6 und 7 sowie 8 und 9 zusammen. Auch an diesen Schulen ist die Zukunft aufgrund weniger Neuanmeldungen ungewiss. Vom Schuljahr 2010/11 an werden die neuen Werkrealschulen eingerichtet, die neben einem möglichen Hauptschulabschluss auch die mittlere Reife anbieten. Eltern müssen künftig die Kinder mit einer Hauptschule/Werkrealschulempfehlung nicht mehr in der Schule am Ort anmelden, sondern können sie an eine entferntere Werkrealschule schicken. Die Chance auf den Mittleren Bildungsabschluss für ihre Kinder scheint für die Eltern so attraktiv zu sein, dass in Zukunft die ländlichen Hauptschulen in ihrer Existenz bedroht sein könnten.
Mitarbeiterkinder sind versorgt
Was wenn die Kinder Ferien haben und die Eltern arbeiten müssen? Die Reutlinger Zeitwirtschaftsfirma Tisoware, die sich selbst als familienfreundlich bezeichnet und schon mehrmals Auszeichnungen für Familienfreundlichkeit vom Land erhalten hat, entlastet Mitarbeiter/innen in der Ferienzeit. Die gesamten Sommerferien lang organisiert sie Tagesmütter, die im Notfall Kinder zu sich aufnehmen. Dieses Jahr bot der Betrieb auch wieder für zwei Wochen eine Sommerferienbetreuung. Zwischen 60 und 70 Euro kostet das Angebot für die Eltern in der Woche das sind 2/3 der Kosten, das restliche Drittel übernimmt die Firma. Acht Kinder im Alter von fünf bis 13 Jahren nehmen dieses Jahr am Ferienprogramm teil. Angeboten werden unter anderem sportliche Aktivitäten und Exkursionen in die Natur.
Gegen das Vergessen
Im Reutlinger Krematorium sind 99 KZ-Opfer des Außenlagers Hailfingen eingeäschert worden. Bislang gibt es nur ein Gedenkbuch der Stadt. Darin stehen die Namen der Opfer zum Teil mit Rechtschreibfehlern. Außerdem ist die Inschrift sehr allgemein den „Opfern der Gewaltherrschaft gewidmet.“ Jetzt kommt Bewegung in die Debatte um eine Gedenktafel. Die Entscheidung fällt in den nächsten Wochen. Die Angehörigen der Opfer fordern seit langem eine öffentliche Gedenktafel am Gedenkort. Dies sei die Pflicht gegenüber den Nachfahren der Ermordeten. Der Sohn eines Hailfinger KZ-Opfers war jetzt zu Gast am Reutlinger Mahnmal. Er würde zur Not zur Selbsthilfe schreiten: „ Wenn der Stein nicht kommt, dann mach ich selber einen und lege ihn dazu“ so Joop Koekkoek. Sein Vater starb 1944 im Hailfinger KZ.
Tübingen geht Flöten
Traurig, aber wahr – Tübingen ist nicht mehr Weltrekordhalter im Flötespielen. 2007 schlug die schwäbische Universitätsstadt Hongkong mit einer Ansammlung von 1701 Flötisten auf dem Marktplatz. Mit dem damaligen größten Flötenensemble riss Tübingen den Guinness-Weltrekord an sich. Doch jetzt, zwei Jahre später wurde der Rekord gebrochen – gleich zweimal. Bereits im Juli schlug die chinesische Stadt Fushun, eine Millionenstadt im Nordosten Chinas, mit 1975 Flötisten zurück und nun brach New York den Rekord, und zwar mit 1989 Spielern. Ob Tübingen das noch toppen kann?
Au revoir
In knapp zwei Monaten beginnen die 26. Französischen Filmtage in Tübingen. Das Programm nimmt nun zunehmend klare Formen an und die Vorauswahl der Filme ist größtenteils unter Dach und Fach – jetzt wird mit den Verleihen und Weltvertrieben verhandelt. Nicht jeder Wunschfilm kann auch gezeigt werden: Wegen der Zurückhaltung privater Sponsoren im Zeichen der Wirtschaftskrise ist der Festival-Etat noch etwas knapper als sonst. Ein cineastischer Höhepunkt des Festivals steht jedoch schon fest. So wird das Drama „Welcome“, das die Geschichte eines irakischen Kriegsflüchtlings dokumentiert, bestimmt viele Zuschauer in seinen Bann ziehen. Eine Hommage gibt es für den im Vorjahr gestorbenen Schauspieler und Gérard-Sohn Guillaume Depardieu. Insgesamt soll das ganze Festival besonders dem jungen französischen Kino gewidmet werden. Doch eine unumstößliche Entscheidung ist schon gefallen: Dies werden die letzten Französischen Filmfestspiele unter der Leitung Andrea Wenzeks sein. Dafür überträgt die Wüste Welle live von der Eröffnungsfeier am 29. Oktober ab 19:00 Uhr.
Theaterherbst in der Pausa
Am vergangene Samstag begann der Kulturherbst in der Pausa in Mössingen und gleichzeitig die neue Spielzeit für das Theater Lindenhof. Die Tage vor der Premiere waren mehr als anstrengend, musste doch die brachliegende Bogenhalle zum Theatersaal umgebaut, die Requisiten und Bühnenbilder eingelagert und die Ausstellungen im mittleren Teil der Bogenhalle aufgebaut werden. Das Programm des diesjährigen Kulturherbstes, der vom zwölften bis zum 26ten September geht, ist sehr umfangreich: Insgesamt gibt es 22 Veranstaltungen. Unter anderem werden fotografische Inszenierungen und Porträts der Lindenhöfler präsentiert, es finden Führungen und Konzerte statt und natürlich werden zahlreiche Inszenierungen dargeboten. Einige Veranstaltungen, wie zum Beispiel die Schwaben-Revue „Mir könned faschd älles!“, sind bereits ausverkauft. Am 26. September wird der Kulturherbst mit einem furiosen Abschluss enden. Doch überzeugen Sie sich selbst. Karten gibt es im Vorverkauf im Theater Lindenhof oder beim TAGBLATT Ticketservice in Tübingen. Mehr Informationen unter www.lindenhof.de.
