Nachrichten vom 17.8.09

Radfahrerfalle

Die Eberhardsbrücke ist Baustelle, und auf dem verbliebenen Gehweg gibt es Ärger. Denn Fußgänger, Radler und sogar Mofas drängen sich stadteinwärts und stadtauswärts aneinander vorbei. Staub, Lärm und Hitze belasten die Leute am Rand der Baustelle sowieso schon, vermehrt kam es in letzter Zeit zu Streitigkeiten zwischen Passanten und Fahrradfahrern, die nicht von ihren Rädern absteigen wollen und auch teils sehr rüpelhaft fahren, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Zuständig dafür, Uneinsichtige vom Rad zu holen, ist der städtische Ordnungsdienst. Wird ein Radler von diesem erwischt, zahlt er sofort zehn Euro oder erhält die Verwarnung wahlweise per Post. Letzte Woche hat man die Kontrollen verstärkt, bis zu fünf Stunden täglich sind Uniformierte zu wechselnden Zeiten präsent. Große Verkehrsschilder sollen all jenen auf die Sprünge helfen, denen die Straßenverkehrsordnung nicht bewusst ist. Denn auf einem Gehweg haben Radler ab elf Jahren generell nichts zu suchen. Aber auch die Schilder bekommen zu spüren, wie sehr die Baustelle nervt: Sie werden zuweilen umgeworfen, weggeschleppt oder in den Neckar geschmissen. „Jetzt lassen wir Schilder innerhalb des Bauzauns montieren“, berichtet Projektleiter Tobias Ehmann vom Tiefbauamt. „Aber irgendwo sind uns Grenzen gesetzt. Wir sind darauf angewiesen, dass die Bevölkerung Einsicht und Toleranz zeigt.“ Also: Absteigen wer nicht zahlen will!

Bahn frei für Rollis

Endlich ist Tübingen auch soweit. Ab 2010 sollen Rampen und Aufzüge den Tübinger Bahnhof zu einem barrierefreien Raum machen. Das bedeutet für Rollstuhlfahrer eine massive Erleichterung. Vielleicht wird sogar eine behindertengerechte Tieferlegung der Bahnsteige erfolgen, so wie es die Grünen fordern. Auch steht eine flächendeckende Ausstattungen aller Bahnhöfe der Deutschen Bahn mit dynamischen Schriftanzeigen aus.

Teilen kommt nicht in Fahrt

Wer die 69 € monatlich fürs Aboticket und für den Tübinger Stadtverkeher hinblättert, kann seit Mai für 3 € mehr zusätzlich den Service der Tübinger Teil-Autos in Anspruch nehmen. Die Autos stehen an 37 Orten in ganz Tübingen zur Verfügung und könnten eine gute Ergänzung zu den Öffentlichen darstellen, so der Hintergedanke der Kooperationspartner Stadwerke und Teil-Auto. Leider sehen die Kunden das bisher etwas anders, vielleicht auch weil der Kilometerpreis für Aboticket Kunden etwa 5 Prozent höher ist, als für den “Normal-Kunden”. Die Kooperation ist vorerst bis Ende des Jahres geplant, dann wird Bilanz gezogen.

Badeaufstand

3626 Stimmen hat eine Bürger-Initiative gesammelt, um sich gegen das PPP-Model, mit dem das städtische Schwimmbad in Hechingen privatisiert werden soll, zu wehren. 1400 Stimmen hätten schon gereicht um den nun beschlossenen Bürgerentscheid herbeizuführen. Wie sieht er denn nun aus der PPP-Vertrag, was bedeutet überhaupt PPP? PPP bedeutet Public Private Partnership und ist ein nicht näher definierter Begriff für eine Öffentlich–Private Partnerschaft, die auf einem Vertrag zwischen Öffentlicher Hand und Privatwirtschaft beruht. Das dieses Modell einen englischen Namen tragen muss und dann auch noch abgekürzt wird, dürfte den meisten Bürgern wohl schon bitter aufstoßen. Aber das hier ein Vertrag abgeschlossen wird, der von den Bürgern schwer einzusehen bzw. schwer verständlich sein wird, ist wohl das Hauptproblem an der Ganzen Geschichte. Können die Entscheidenden im Stadtrat selber überhaupt Risiken und Nutzen der Privatisierung abschätzen? Das sind Fragen welche den Hechinger Bürger beschäftigen und um den Hechingern mehr Zeit zu geben sich zu informieren, hat der Gemeinderat in einer Sondersitzung am Dienstag mit 13 zu 11 Stimmen beschlossen, die Abstimmung nicht parallel zur Bundestagsveranstaltung am 27 September abzuhalten, sondern einen gesonderten späteren Termin zu veranschlagen. Bis dahin werden die CDU und die FreieWähler Vereinigung wohl ordentlich Werbung fürs PPP-Projekt machen.

Kopflose Filmtage

Die französischen Filmtage verlieren ihre Leitung. Andrea Wenzek bricht zu neuen Ufern auf. Nach dem Film-Festival im November verlässt sie Tübingen und geht nach Frankfurt am Main. Der Trägerverein sucht deshalb zum Jahreswechsel eine neue Festivalleitung. Fünf Jahre lang führte Wenzek die Filmtage. Sie setzte Akzente auf das frankophone Autorenkino mit einem Nachwuchswettbewerb, Filmpreisen und Werkschauen. Ihre kaufmännischen Erfahrungen im Projektmanagement führten das Festival und den Trägerverein wieder in wirtschaftlich ruhigeres Fahrwasser. Wer sich eine professionelle Festivalleitung in einem bewährten Team zutraut, kann sich jetzt bei den Filmtagen Tübingen bewerben.

50 Jahre Spatzennest

1959 hat der Pfarrer Hans Wolfgang Litterscheid in einem neugebauten Haus auf der Hochfläche hinter Pfrondorf die erste Kinderfreizeit organisiert. Rund dreihundert Kinder zwischen 6 und 14 Jahren werden in diesem Sommer auf der Höhe hinter der Sophienpflege von 60 ehrenamtlichen und einigen professionellen Mitarbeitern betreut. Sie sind in Gruppen von jeweils 15 Kindern eingeteilt. Jede Gruppe hat ihren eigenen Namen und und ihre eigene Holzhütte, an der jedes Jahr weitergebaut wird. Und das nicht erst seit der Ökobewegung unseres MP3 und Computer-Zeitalters. Das Spatzennest entspringt einer Tradition, die mit der Wandervogelbewegung zu Anfang des 20. Jahrhunderts begann. Doch die Zeiten der langen Schlangen auf dem Marktplatz der Eltern, die ihre Kinder anmelden wollten, sind inzwischen Geschichte. Jetzt wird die Anmeldung anders geregelt. Die Geschichte des Spatzennests geht jedoch weiter. Viele der ehrenamtlichen Teamleiter waren selbst einmal Spatzennestkinder und tragen sie weiter, die Spatzennesthymne: „Spatzennest, das ist ´ne Wucht, das ist doch wohl klar. Auf die Wiese, ab in die Schlucht – und das jedes Jahr.“

Kampf dem Tumor

Der Tübinger Biologe Hans-Georg Rammensee hat es sich zum Ziel gesetzt, eine neue Therapie gegen Krebs zu entwickeln. Rammensee erhielt bereits zahlreiche Preise, unter anderem den Leibniz-Preis, für seine Leistungen im Forschungsbereich Immunologie. Jetzt arbeitet er an individuellen Immuntherapien gegen Krebs. Bis in ein paaar Jahren, so hofft er, machen es moderne Geräte möglich, das Erbgut eines Patienten für rund 1000 € Kosten zu entschlüsseln um einen speziell für diese Person entwickelten Impfstoff einzusetzen. Das Problem ist dabei – wen wunderts – das behördliche Reglement. Die Patienten würden die Genehmigung des individuell für sie entwickelten Impfstoffes nicht mehr erleben. Dabei erwartet Rammensee, daß die neue Therapie nicht nur wirkungsvoller und mit weniger Nebenwirkungen behaftet, sondern auch günstiger ist als die bisherigen Methoden der Chemo- und Strahlentherapie.

Schadhafter Kreislauf

Tübingen bekommt ein neues Forschungsinstitut. Das soll sich mit dem Klimawandel beschäftigen. Geforscht wird nach Strategien, die Umweltprobleme lösen oder vermeiden helfen. Besonderes Augenmerk werden die Forscher auf das Wasser richten. Wie verändern sich Wasserzyklen? Wie verteilen sich Schadstoffe im Wasser? Diese Fragen wollen die Forscher im Neckartal klären, an Hand der Nebenflüsse Ammer, Goldersbach und Körsch. Aus völlig unterschiedlichem Terrain fließen die in den Neckar. Interessant wird sein, welche Wasser- und Schadstoffmengen dadurch in den Neckar gelangen. Es sollen Modelle entstehen, die sich beschreiben und projizieren lassen. Die Wissenschaftler erhoffen sich davon Langzeitprognosen für die Wasserqualität und Wassermengen. Geowissenschaftler aus Tübingen und Wasserforscher aus Stuttgart werden gemeinsam forschen. Die Universitäten haben einen Kooperationsvertrag mit dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig geschlossen. Die Kosten teilen sich bis 2013 das Land Baden-Württemberg und das Helmholtz-Zentrum. Heißen soll das Forschungsinstitut WESS – Water & Earth System Science.

Zimmerrenovierung

Im Zimmertheater Tübingen wird mächtig gehämmert, geplant und resümiert. Die Spielzeit neigt sich dem Ende zu und das Theater plant, bald in vollkommen neuem Glanz zu erstrahlen. Zumindest von Außen. Durch das Gebäude in der Bursagasse hetzen momentan Handwerker, die von Dach bis Keller alles Mögliche ausbauen, erneuern und verschönern. So bekommt das Theater eine neue Heizungsanlage, eine Dachabdämmung und hoffentlich auch einen trockenen Keller. Personell bleibt das Zimmertheater so erhalten, wie es ist. Die Intendanten Axel Krauße und Christian Schäfer haben für die Spielzeit 2010/ 2011 verlängert. Das mag wohl auch an der positiven Bilanz der zu endegehenden Spielzeit liegen. Die einzige Inszenierung des Zimmertheaters, die sich als Schwarzes Schaf herausstellte, ist das diesjährige Sommertheater – Entgegen aller Erwartungen. Besonders positiv hingegen wurden die Inszenierungen des Gastspieles „Timbuktu“, sowie der Stücke „Blanche und Marie“ und „Das Hotel New Hampshire“ aufgenommen. Auch „Der tödliche Schlag“ und „Weismann und Rotgesicht“ waren relativ erfolgreich. Das Sommertheater außen vor gelassen erreichten die Stücke 78 Prozent Auslastung. 12 000 Zuschauer kamen insgesamt, 2000 mehr als im Vorjahr, und schon 10 000 sind an der kleinen Bühne erfahrungsgemäß ein guter Wert. Für die kommende Spielzeit ist schon einiges in Planung. Zum Beispiel wird es Zum 80. Geburtstag von Werner Johst, Zimmertheatermann der ersten Stunde, kommende Spielzeit eine Lesung geben. Auch wird das Musikzimmer so weiter geführt werden und hoffentlich viele Zuschauer in seinen Bann ziehen. Wehrmutstropfen ist allerdings die vorübergehende Absetzung der Reihe „Dunkelkammer“ aus organisatorischen Gründen. Wie gewohnt wird es auch kommendes Jahr wieder einen Stückwettbewerb geben. Diesmal zum Thema „Krisen“. Man darf also sehr gespannt sein.