Nachrichten vom 31.7.09

Mehr Freies Radio

Jetzt ist es amtlich: die Wüste Welle bekam den Zuschlag für drei Stunden zusätzliche Sendezeit am Mittwoch Nachmittag. Der Vorstand und der Medienrat der Landesanstalt für Kommunikation LfK haben jeweils einstimmig zugunsten des Freien Radios für Tübingen/Reutlingen entschieden. Ausschlaggebend für die Entscheidung war die höhere Meinungsvielfalt der Wüsten Welle im Vergleich zum Mitbewerber Helle Welle. Bereits im März hatte die Uniwelle auf ihre Sendezeit am Mittwoch verzichtet. Seither hat die Wüste Welle die drei Stunden übergangsweise gestaltet. Unabhängig von der zusätzlichen Sendezeit hat der Stuttgarter Landtag am Mittwoch eine Änderung des Landesmediengesetzes beschlossen. Die Frequenzen der nichtkommerziellen Hörfunkanbieter werden auf Antrag bis Ende 2015 verlängert. Ursprünglich sollten im Gesetz nur die privaten kommerziellen Radios berücksichtigt werden. Damit ist eine Benachteiligung der Freien Radios gegenüber anderen Anbietern verhindert worden. Hintergrund der Gesetzesänderung ist die geplante Neuordnung der Hörfunklandschaft ab 2016. Dann soll das analoge UKW-Sendesignal Geschichte sein. Dies würde eine Zwangsverschrottung von bundesweit etwa 280 Millionen Radiogeräten bedeuten.

Erfolg für Kita-Streik

Am Montag haben sie sich nun geeinigt, die kommunalen Arbeitgeber und die Gewerkschaften. Was hat der Streik den ErieherInnen nun gebracht? Es ging ihnen nicht einfach um eine Gehaltserhöhung, es ging um die tarifliche Einstufung des Tätigkeitsfeldes der Erzieherinnen. Heiner Dribbusch, Tarifexperte des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung erklärte, es sei allgemein anerkannt, dass die Erzieherinnen während des Übergangs vom alten Bundesangestelltentarifvertrag (BAT) zum neuen TVöD zu niedrig eingruppiert wurden. Die Berufsgruppe bestehe noch immer überwiegend aus Frauen und typische Frauenberufe seien schon im BAT zu niedrig eingruppiert worden. Nun gibt es eine neue Tarifmatrix, die aus 16 Entgeltgruppen mit jeweils sechs Stufen besteht. Das macht das neue Modell erst mal kompliziert – jetzt geht es ans einsortieren und rechnen. Konkret bedeutet es 100 bis 150 € mehr für die Beschäftigten. Die Neuregelung soll am 1. November in Kraft treten. Tübingen rechnet dabei bei einem Durchschnitt von 150 € für die ca. 480 Beschäftigten mit Mehrkosten von über einer Million. Was die ErzieherInnen aber letztendlich auf die Straße getrieben haben dürfte, war die Überlastung, unter der viele leiden. Jetzt soll es einen Rechtsanspruch auf eine Gefährdungsanalyse für jeden Arbeitsplatz geben. Außerdem sind betriebliche Kommissionen dafür vorgesehen. Ob der Gesundheit der Betroffenen damit geholfen ist, muß sich noch erweisen…

Neuer Gemeinderat

Am vergangenen Montag trat der neue Tübinger Gemeinderat zum Dienst an. Und er ist aus zwei Gründen sehr innovativ: Erstens ziehen zum ersten Mal in den vierzigköpfigen Gemeinderat 20 Männer und 20 Frauen ein. Damit ist Tübingen die erste und einzige große Stadt in Baden-Württemberg mit einem gleichberechtigten Gemeinderat. Der Meinungsvielfalt kann das ja nur gut tun. Das zweite Novum bezieht sich auf die Parteipolitik: Erstmals gibt es eine theoretische Mehrheit aus nur 2 Fraktionen: Die Grünen könnten bei Entscheidungen theoretisch mit den SPD-Gemeinderäten oder den CDU-Gemeinderäten zusammenarbeiten und hätten dann mehr als 50% der Stimmen, nämlich 21 bzw. 22, auf sich vereinigt. Zugegeben, eine wacklige Mehrheit und in einem Gemeinderat gibt es auch nicht den gleichen Fraktionszwang, wie er im Bundestag mittlerweile gang und gäbe ist. Große Aufgaben kommen auf den neuen Gemeinderat zu, besonders in Zeiten, wo an allen Ecken und Enden gespart werden muss, warnte OB Palmer sinngemäß in seiner Begrüßungsrede. Noch 2004 hätte der Tübinger Gemeinderat im Jahr weniger als 500 Entscheidungen verhandeln müssen. Im letzten Jahr seien es bereits 777 gewesen. Das wäre „an der Grenze dessen, was ehrenamtlich zu leisten“ sei. Der eine oder die andere müsse da sicher mal „auf Schlaf verzichten“. Wir hoffen trotzdem, dass der Gemeinderat in Zukunft ausgeschlafen sein wird.

Hoher Besuch im InFö

Maria Böhmer, die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, besuchte letzten Mittwoch das InFö in Tübingen. Böhmer stellte hier auf dem Podium den ersten Fortschrittsbericht des nationalen Integrationsplans vor. Hierbei geht es vor allem um eine Bildungsoffensive, um die mit rund 175 Millionen Euro Bundesmitteln geförderten Integrationskurse und ums Deutschlernen. Bei diesem Thema wurde Böhmer mit Balkar Singh konfrontiert. Der Wirt in der Tübinger Jakobsgasse gehörte zum 50 Männer und Frauen zählenden Publikum. Singh fand die Deutsch-Hürde zu hoch. „Als Mensch über 40 muss man arbeitslos sein, um genug Zeit zu haben, um so gut deutsch zu lernen.“ Straßendeutsch müsse doch reichen. „Es muss nicht jeder so gut reden können, dass er Bürgermeister werden kann.“ Vielleicht, so Böhmer, könnten bei solchen individuellen Problemen die Integrations-Paten helfen, nach denen das Infö sucht. Ebenso wurde über muttersprachlichen Unterricht für türkischstämmige Zuwanderer sowie vom türkischen Konsulat bezahlte Lehrer diskutiert – beides Themen, die Böhmer für unterstützenswert ansieht. Auch nahm sie die Anregung mit, Regelungen zu finden, mit denen zum Beispiel deutsch-türkische Betriebe eine länderüberspannende Ausbildung hinbekommen. Alle Zuwanderer sollten einen Rechtsanspruch auf ein Verfahren haben, mit dem die berufliche Qualifikation anerkannt wird. Der nächste Bundestag solle dazu ein Gesetz verabschieden. Bisher haben diesen Anspruch nur Aussiedler und EU-Bürger. Auch sei das Kommunalwahlrecht für Immigranten laut der Staatsministerin nur ein halbes Recht. Sie würde sich wünschen, dass viele den Sprung schaffen, Deutsche zu werden und sich nicht mit der Hälfte der Sache zufrieden geben. Wer für die Integrationsarbeit vor Ort zahlen soll, ist für Böhmer auch klar: „Das müssen die Kommunen machen.“

Salem aleikum

Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund aus arabischen Ländern erhalten in Tübingen jetzt eine Chance, ihre kulturellen Wurzeln besser kennenzulernen. In fünf verschiedenen Kursen in Tübingen können sie hocharabisch lernen. Der Unterricht ist freiwillig und kostet die Eltern 15 Euro pro Monat, ab dem dritten Kind sind es nur noch 10 Euro. Dem Unterrichtsangebot wird sehr stark zugesprochen. Viele Eltern und Kinder sind froh, dass so den Kindern und Jugendlichen neue Möglichkeiten offen stehen. Einige besuchen den Unterricht, weil sie nur Dialekte sprechen und hocharabisch lernen wollen, andere wollen endlich in der Lage sein, mit der Großmutter zuhause zu telefonieren. Viele wollen einfach nur einen Kontakt zur Kultur ihrer Herkunft herstellen. Die Versanstalter betonen, dass der Sprachunterricht vollkommen befreit von Politik und Religion stattfindet. Die Kinder seien Schiiten und Christen, Drusen und Sunniten. Bisher waren die Kurse nur für Kinder und Jugendliche mit arabischem Hintergrund zugänglich, aber nun besteht so großes Interesse, dass in Zukunft auch Kinder ganz ohne migrantischen Hintergrund teilnehmen können sollen. Das weckt auch Begehrlichkeiten in der Region: Kinder aus Herrenberg, Reutlingen, Rottenburg wollen an dem Unterricht teilnehmen. Bisher sollen jedoch Kinder aus Tübingen bevorzugt an dem Tübinger Programm teilnehmen können.

Orientalisches Abendland

Seit kurzem gibt es die Idee und in zwei Jahren, also 2011, soll sie in die Realität umgesetzt werden: Die Gründung eines Interkulturellen Orchesters in Tübingen. In die Welt gerufen wird das Projekt von der Musikschule und der Arabischen Schule Tübingen. Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund soll die Möglichkeit geboten werden, vor allem türkische und arabische Saiteninstrumente zu erlernen, jedoch auch traditionelle europäische Instrumente. Das Projekt wird von oberster Stelle gefördert. Die Stadt wird das Projekt im ersten Jahr mit 4000 Euro unterstützen. Tübingen nimmt mit dem Orchester, genannt Iku, eine Vorreiterrolle ein. Durch die finanzielle Unterstützung der Stadt ist es möglich, die Kosten für die Familien der Musikschüler extrem gering zu halten. Der Gruppenunterricht für ein Kind kosten lediglich 15 Euro im Monat und die Instrumente werden von der Musikschule gestellt. Die Idee, die hinter dem Projekt steht, sei, Kindern aus bildungsfernen Familien mit Migrationshintergrund die Möglichkeit zu geben, Bildung wahrzunehmen und sich somit besser zu integrieren. Man fördere den interkulturellen Austausch und wirke der sozialen und kulturellen Segregation somit entgegen.

Abwärts zur Meisterschaft

Moderator, Maskottchen, Mountainbiker und Meister. Thomas Schmitt ist Deutscher Meister im Downhill. Bei den deutschen Downhill-Meisterschaften in Bad Wildbad holte er sich am Sonntag den Titel in der Masters-Klasse der über Dreißigjährigen. Praktisch ohne Vorbereitung wagte Schmitt den wilden Ritt auf der steilen Abfahrtsstrecke. Sein letztes Downhill-Rennen ist er vor sechs Jahren gefahren. Am Freitag erstes Training, am Samstag in der Qualifikation noch Zweiter und am Sonntag schon Deutscher Meister. Allrounder Thomas Schmitt ist Maskottchen bei den Walter Tigers, wohnt im Wohnprojekt Münze 13, ist Mountainbike-Testfahrer, grinst schon mal vom Titelblatt einschlägiger Magazine und ist Moderator der Sendung Stundenplan bei der Wüsten Welle. Immer Mittwochs um 13:00 Uhr.

Schwarzfahren im Vergleich billiger

Schwarzfahrer werden ab nächstem Jahr noch mehr sparen, den die Preise für den TüBus und im gesamten Naldo Verbund werden erhöht. Der Naldo-Verbund wird die Preise um 3, 2 Prozent erhöhen und der TüBus wird um 3,3 Prozent teurer Schuld daran soll Kürzungen staatlicher Ausgleichszahlungen sein. Der Stadtverkehr Tübingen erhofft sich dadurch Mehreinnahmen von 160 000 € Die Preise für bar bezahlte Einzeltickets für Erwachsene und Kinder bleiben im Tü-Bus gleich. Wer mit Geldkarte zahlt, muss allerdings Zuschläge von drei bis acht Prozent in Kauf nehmen. Gruppentagesticket und Sondertagesticket erhöhen sich um satte 40 und 50 cent und kosten dann 7,20 und 5 € Schülermonatskarte und Seniorenkarte kosten 2009 statt 27 € dann 28€ Abo-Familienmonatskarte verteuert sich um 2,70 auf 71,70 Euro und die Jahreskarte um 15 Euro auf 349,20. Monatskarten für Berufspendler und der Nacht-Sam werden ebenfalls etwas teurer. Wer eine städtische Bonuskarte besitzt kann sich beim Monatsticket über 2 € Ersparnis freuen denn dieses kostet dann statt 27 nur noch 25 € Die Erhöhung des Naldo-Tarifs Schüler und Auszubildende am härtesten. So verteuert sich eine Schülermonatskarte für drei Waben von 65,80 auf 68,30 Euro. Und Berufspendler müssen ebenfalls drauflegen. Einige Schüler haben sich der Wüsten Welle gegenüber schon geäußert die 40 € Strafe die ohne gültigen Fahrausweis anfällt in Kauf nehmen zu wollen. Allerdings konnten sie nicht, sagen welche Konsequenzen denjenigen blühen, die mehrfach erwüscht werden.

Sozialprojekt kommt nach Tübingen

Im Januar 2009 kommt für drei Wochen ein neues Sozialprojekt nach Tübingen. Dabei handelt es sich um eine sogenannte Vesperkirche. Das von der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde iniziierte Projekt in der Kirche der Martinsgemeinde soll bedürftigen Menschen in der kalten Jahreszeit Beistand leisten. Sowohl in materieller, wie auch in menschlicher Hinsicht. Täglich gibt es eine warme Mahlzeit, Kaffe und Kuchen, sowie medizinische Beratung. Umsonst oder gegen Spenden. Dabei hoffen die Verantwortlichen auf ein breites Publikum sämtlicher sozialer Schichten. Die Dekanin Kling-de Lazzer erklärt, man wolle mit diesem Projekt aktiv gegen Armut, Einsamkeit und Ausgrenzung vorgehen. Auch sei das Projekt mit dem Wunsch verbunden, der gesellschaftlichen Ausgrenzung armer und benachteiligter Menschen entgegenzuwirken. Man wolle ein soziales und politisches Zeichen setzen. Die Verantwortlichen betonen jedoch, dass die Vesperkirche auf keinen Fall anderes sozialpolitisches Handeln ersetze. Sie sei kein Ausgleich für Initiativen wie die Sonntagsküche im Schlatterhaus oder die Tübinger Tafel, sondern nur ein Teil eines umfassenden sozialen Engagements.

Preis für die Schloss-Schule

Für die Idee und das Konzept mit Hauptschülern einen Dokumentarfilm zu drehen, gewann die Gomaringer Schloss-Schule von der Stiftung Kinderland einen mit 20.000 Euro dotierten Preis.

Schauplatz der Dokumentation ist die Schloss-Schule und die Protagonisten sind Schüler der 6. Klasse und ihr Lehrer. Der 6. Platz stellte ein guten Grund dar, sich nach außen hin zu präsentieren. Diese gute Platzierung erreichte die Schloss-Schule im Vergleich mit anderen Baden-Württemberger Schulen bereits im Frühjahr und wurde vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg vergeben. Gomaringer Schloss-Schüler haben in ihrem Film dokumentiert, wie vorbildlich ihre Hauptschule ist. In dem Film präsentieren die Schüler Ihre bisher verbrachten Leistungen, die nicht zu verachten sind. Referendar Tobias Brenner hat den Schnitt des Fertigen Dokumentarfilms letzte Woche abgeschlossen, er hat ein Aufbaustudium Medienwissenschaft und Medienpraxis gemacht und hinterher auch eine Weile an der Uni gelehrt. Die Preisverleihung für 15 Gomaringer Sechstklässler fand im Porsche Museum statt. Der symbolische Scheck über 20 000 Euro wurde von Ministerpräsident Günther Oettinger übergeben.

Schwieriges Erinnern

Entschieden wurde der Wettbewerb zur Gestaltung des Hailfinger KZ-Mahnmals zwar schon Anfang April. Jetzt aber stellt Bildhauer Lutz Ackermann, damals mit seinem Entwurf ausgeschieden, nicht nur das Ergebnis, sondern gleich die ganze Angelegenheit öffentlich in Frage. Der Künstler sieht seine zehn Meter hohe Skulptur namens „Himmelsleiter“ als Mahnmal und Erinnerung an die KZ-Außenstelle Hailfingen/Tailfingen, wo im Winter1944/45 Hunderte jüdischer Häftlinge ihr Leben ließen. Dafür hat Ackermann sich für rund 20 000 Euro die Reste einer alten Bahnbrücke in Nebringen gesichert, über die damals auch Häftlingstransporte gerollt sein dürften. Daran, dass sein gewaltiges Kunstwerk mit seinen zehn Metern für die Vorstellungen der Jury schlichtweg zu hoch ist, dachte der 67-jährige dabei offensichtlich nicht. Nun hatte sich die Stadt Rottenburg bei dem ausgeschriebenen Gestaltungswettbewerb für einen ganz anderen Entwurf entschieden, undzwar für den des Ellwangers Rudolf Kurz. Dieser stellte ein vergleichsweise schlichtes Dreieck als seine Denkmal-Idee vor, das die Namen aller Häftlinge tragen und vor eine Betonwand platziert werden soll. Dies lässt Lutz Ackermann nicht auf sich sitzen und attackiert in seiner Wut vor allem Rottenburgs Baubürgermeister Holger Keppel, den er schon mal als „Hosenscheißer“ betitelte. Laut Ackermann fehle Keppel offenbar der Mut, sein Kunstwerk aufzustellen, das weithin sichtbar sein würde. Zudem wirft der Bildhauer Rottenburg vor, dass die Stadt Ideen für dieses laut ihm „derart sensible Projekt“ in erster Instanz ausgerechnet von Nürtinger Studenten entwickeln ließ. Dass sie ausgerechnet von einer Hochschule kamen, an der Keppel selbst einen Lehrauftrag hat, bewegt sich für Ackermann „am Rande der Legalität“. Holger Keppel weist diese Anschuldigungen von sich und unterstellt dem Bildhauer, dass dieser sein sogenanntes „Schrottgebilde“ schon fertig gehabt habe, ehe sich die Stadt überhaupt Gedanken über die Gestalt des Mahnmals gemacht hatte. Lutz Ackermann jedoch gibt nicht auf und kann sich auch vorstellen, seine „Himmelsleiter“ neben dem Namens-Dreieck von Rudolf Kurz aufzustellen und dafür Sponsoren zu suchen. Kontrahent Keppel kündigt dagegen an: „Dann lasse ich eben ein Schrottentsorgungsunternehmen kommen und das Ding wieder abtransportieren.“

Angriff der Killermücken

Nach den Kamikaze-Krähen von der Steinlach nun die Mördermücken am Neckar. Die Tierwelt schlägt zurück, zumindest in Tübingen. Hier werden derzeit die Hautarztpraxen überflutet von Mückenopfern mit üblen Schwellungen. In wenigen Fällen haben sich die Stiche so entzündet, daß es sogar zu Blutvergiftungen kam. Diese Stiche könnten auch auf die Spur des Monsters führen: die blauroten Einstichstellen deuten auf die Kriebelmücke. Die lebte bislang an schnell fließenden Gewässern und labte sich dort mit ihren Beißwerkzeugen an Tieren. Schwer vertreiben läßt sie sich, auch das ein Indiz, das die Opfer schmerzerfüllt bestätigen können. Weshalb sie jetzt am Neckar und in der Tübinger Altsstadt ihr Unwesen treibt, wußte der Sherlock Holmes dieses Falles, der Tübinger Biologe und Mücken-Spezialist Alfons Renz auch nicht zu sagen. Hoch toxisch sei ihr Biss, aber, wenn sie es denn wäre, mensch würde schnell immun gegen dieses Gift, so Renz. Zur sicheren Diagnose bräuchte er aber noch ein „Corpus delicti“. Also: beißende Monstermücken einfangen und zu Alfons Renz bringen: Tel. 07071/297 01 00.